Postanalytische Philosophie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Begriff Postanalytische Philosophie bezeichnet Strömungen der Gegenwartsphilosophie, die sich von Grundannahmen der Klassiker analytischer Philosophie lösen, aber weiterhin von klassisch-analytischer Literatur, Methodik und entsprechendem Klassikerkanon mitgeprägt sind.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Ablösung gründet oft in einer Unzufriedenheit mit dem Naturalismus und mit der Ausblendung einer Kulturgebundenheit und Historizität von Sprache und Denken. Dabei wenden sich einige Philosophen dem Pragmatismus und alternativen kontinentaleuropäischen Theorietraditionen zu, etwa idealistischer, hermeneutischer und poststrukturalistischer Philosophie. Oft verlagern sich dabei die Schwerpunkte des Philosophierens weg von Logik, Naturphilosophie und Philosophie des Geistes auf Fragen der Politik, Ethik, Literatur, Kunst und Religion, teils unter Anschluss an die Kulturwissenschaften. Dennoch besteht weitgehend Kontinuität zum klaren argumentativen Stil klassischer analytischer Philosophie. Schon deswegen ist die Bezeichnung einiger Philosophen als "postanalytisch" umstritten. Viele sprechen stattdessen schlicht von einer Weiterentwicklung analytischer Philosophie.

Wichtige Vertreter[Bearbeiten]

In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen wichtige Informationen.

Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst, aber kopiere bitte keine fremden Texte in diesen Artikel.

Im englischen Sprachraum u.a.

  • Willard Van Orman Quine, dessen Aufsatz "Two Dogmas of Empiricism" von 1953 viele post-analytische Philosophen beeinflusst hat insb. in der Abwendung von empiristischen Engführungen und einer Erweiterung von Theorien über Wahrheit, Bedeutung, Referenz und Wissen
  • Quines Schüler Saul Aaron Kripke, dessen zweites Hauptwerk die systematische Diskussion über das Wittgensteinsche Spätwerk und darin enthaltene u.a. sprachpragmatische Ansätze stark mitbeeinflusst hat
  • Stanley Cavell, der, von der Sprachpragmatik Austins geprägt, vielfältiges Material kontinentaleuropäischer Literatur und Philosophie bearbeitet hat und u.a. in postanalytischen Debatten über den Vernunftbegriff vielfach impulsgebend war
  • Hilary Putnam, der sich insb. in späteren Werken vielfach auf Klassiker des amerikanischen Pragmatismus bezieht, eine Relativität metaphysischer Referenz auf Begriffsschemata verteidigt hat, eine "Ethik ohne Ontologie" und eine anthropologisch grundgelegte Religionsphilosophie zu begründen versucht und auch diversen Kontinentalphilosophen wie z.B. Emmanuel Levinas Studien gewidmet hat
  • Donald Davidson, der u.a. von Quine, Frank Ramsey, Immanuel Kant und Ludwig Wittgenstein beeinflusst wurde und in fast allen Disziplinen der systematischen Philosophie wichtige und systematisch zusammenhänge Beiträge geleistet hat und in seiner Wirkungsgeschichte vielleicht allenfalls durch seinen Lehrer Quine übertroffen wird
  • Robert Brandom
  • John McDowell
  • Charles Taylor
  • Martha Nussbaum
  • Thomas Kuhn, dessen Überlegung zur Relativität von Bestätigungsverfahren auf "Paradigmen" viele analytisch geprägte Theoretiker herausforderte
  • Peter Strawson
  • der späte Richard Rorty, der u.a. eine neopragmatistische Wahrheitstheorie und einen Kulturrelativismus entwickelt hat und demonstrativ nicht nur von der philosophischen zur literaturwissenschaftlichen Fakultät gewechselt ist, sondern diesen Schritt auch prägnant begründet hat

Im deutschen Sprachraum u.a. Peter Bieri und Herbert Schnädelbach.

Literatur[Bearbeiten]

chronologisch und nach Autoren sortiert

Primärliteratur[Bearbeiten]

  • Willard Van Orman Quine: Word and Object, 1960, ISBN 0-262-67001-1 (dt.: Wort und Gegenstand, Stuttgart 1980, ISBN 3-15-009987-0)
  • Willard Van Orman Quine: From a Logical Point of View. 9 Philosophical Essays, 1961, ISBN 0-674-32351-3 (dt.: Von einem logischen Standpunkt, Frankfurt/Berlin/Wien 1979, ISBN 3-548-35010-0)
  • Peter Strawson: The Bounds of Sense: An Essay on Kant’s Critique of Pure Reason. London: Methuen, 1966 (dt.: Die Grenzen des Sinns. Ein Kommentar zu Kants "Kritik der reinen Vernunft". Übers. v. Ernst Michael Lange. Königstein/Ts.: Hain, 1981).
  • Saul Aaron Kripke: Naming and Necessity, 1972, erw. 1980 (deutsch: Name und Notwendigkeit), ISBN 0-631-12801-8.
  • Herbert Schnädelbach: Analytische und postanalytische Philosophie. Vorträge und Abhandlungen. Frankfurt a.M. 2004.
  • Hilary Putnam: Philosophical Papers: Volume 2, Mind, Language and Reality., Cambridge, Cambridge University Press 1979, ISBN 0-521-29551-3
  • Hilary Putnam: Vernunft, Wahrheit und Geschichte (Reason, truth, and history). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1982 ISBN 3-518-06034-1
  • Hilary Putnam: Repräsentation und Realität (Representation and reality). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1991 ISBN 3-518-58090-6
  • Peter Bieri: "Was bleibt von der analytischen Philosophie?". Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 2007- Heft III, S.333-344.
  • Donald Davidson: Essays on Truth and Interpretation, Philosophical Essays, Oxford: Clarendon Press 1984. ISBN 978-0199246298.
  • Donald Davidson: Subjective, Intersubjective, Objective, Philosophical Essays, Oxford: Clarendon Press 2001. ISBN 978-0198237532.
  • Charles Taylor: Erklärung und Interpretation in den Wissenschaften vom Menschen, Frankfurt a. M. 1976.
  • Richard Rorty: Kontingenz, Solidarität und Ironie, Frankfurt a.M. 1992.
  • Stanley Cavell: Nach der Philosophie. Essays (Hg. Ludwig Nagl und Kurt Rudolf Fischer), Zweite, erweiterte und überarbeitete Auflage, Berlin 2001 (1. Auflage, Wien 1987) ISBN 3-05-003421-1

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]