Postproduktion (Film)

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Die Postproduktion oder Nachproduktion (englisch post production) bezeichnet in der Phasengliederung einer Filmproduktion die vierte, nachbereitende Phase.[1] Dazu gehören vor allem der Schnitt und die digitale Nachbearbeitung der Bilder im Computer sowie das Vertonen und Unterlegen der Bilder mit Musik. Die Arbeitsabläufe in der Postproduktion (engl. post production workflow) unterscheiden sich zum Teil erheblich; je nachdem, auf welchem Material gedreht wurde, wie groß der Anteil von computergenerierten Effekten und Bildern ist („Visual Effects“ und „Computer Generated Imagery“) und welches Endprodukt herzustellen ist.

Arbeitsschritte der Postproduktion in der Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Ein Verbund sämtlicher großer Hollywood-Studios, die den Weltmarkt für Kinofilme dominieren, betreibt mit Nachdruck die Digitalisierung der gesamten Filmproduktion von Produktion, Postproduktion, Distribution und Vorführung. Dennoch werden Spielfilme weltweit nach wie vor auf 35-mm-Filmmaterial gedreht und mit mechanischen Projektoren in den Kinos gezeigt. Die Arbeitsschritte in der Postproduktion sind dagegen inzwischen weitestgehend unkörperlich digital.

Die Postproduktion bei 35-mm-Film beginnt typischerweise mit der Filmentwicklung des belichteten Materials. Das gesamte entwickelte Filmoriginal wird auf einem Filmscanner digitalisiert („Onelight Telecine“) und die Daten werden zusammen mit den schon digital aufgenommenen Original-Tondaten auf Festplatten geladen, um dort mit Hilfe eines digitalen Schnittsystems geschnitten zu werden, etwa mit Avid.

Nach Beendigung des Schnitts („Picture lock“) erfolgt die Farbkorrektur („Farbbestimmung“) und Telecine: Ein Colorist digitalisiert erneut auf einem Filmscanner diejenigen Teile des Negativs, die in der Schnittfassung vorkommen („Selected Takes Telecine“) und gibt dem „Film“ dabei seinen so genannten „Look“. Die farbbestimmten Bilddaten werden je nach Konzept des Films mithilfe von Visual Effects bearbeitet und Vor- und Abspann ergänzt.

Die endgültige Bildfassung wird auf 35-mm-Film ausbelichtet. Davon wiederum wird, ergänzt um die Lichttonspur, eine Nullkopie gezogen, das erste vorführbereite Filmpositiv. Nach einer Testvorführung der Nullkopie und gegebenenfalls Farbkorrekturen im Entwicklungsprozess hat man schließlich einen Master, von dem Kopien gezogen und in den Kinos gezeigt werden können.

Wird mit digitalen Kameras gedreht, entfallen die Arbeitsschritte Filmentwicklung und Scannen. Projiziert man mit einem Digitalprojektor, entfallen das Ausbelichten und vor allem das teure Kopienziehen. Wird fürs Fernsehen produziert, ist das Endprodukt typischerweise ein Videoband, das dem Sender als Master dient.

Arbeitsschritte Audio-Postproduktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bearbeitung der O-Töne und Atmos
  • Synchronaufnahmen (ADR)
  • Aufnahme und Bearbeitung von Geräuschen
  • Sounddesign: Hinzufügen der Foleys sowie die Erstellung von synthetischen Geräuschen, Anlegen von Hintergrundgeräuschen (Atmos) und Soundeffekten im Allgemeinen
  • Komposition, Aufnahme, Bearbeitung und das Hinzufügen der Filmmusik
  • Tonmischung

Berufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um der zunehmenden Digitalisierung im Medienproduktionsprozess gerecht zu werden, wurde der mehrjährige Ausbildungsgang zum Mediengestalter in den Fachrichtungen Digital und Print sowie Bild und Ton geschaffen. An mehreren Fachhochschulen entstanden Bachelor-Studiengänge in Medientechnik oder Medienproduktion. Ausbildungen gibt es auch an Film- und Fernsehakademien wie der Bayerischen Fernsehakademie. Eine Weiterbildung von sechs Monaten sowie einen berufsbegleitenden Lehrgang von neun Monaten zur digitalen Medienproduktion bietet die Münchner Journalistenakademie an.

Regelmäßige Weiterbildung in den unterschiedlichen digitalen Techniken ist zu empfehlen. Eine mögliche Weiterentwicklung besteht zum Berufsbild des Videojournalisten.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt Unternehmen, die sich auf die Postproduktion von Filmen, meist inklusive der Filmkopierung, spezialisiert haben. In Österreich gibt es diesbezüglich zwei große Unternehmen, die Listo Videofilm und Synchro Film. In Deutschland sind es Unternehmen wie das Münchener Traditionsunternehmen ARRI oder CinePostproduction. In der Schweiz sind das Schwarz-Film, Egli-Film, On Line Video 46 AG, Ultra Images und Filmkunst.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oliver Langewitz: Kompendium der digitalen Postproduktion. Der Guide durch die Welt der Film- und Video-Nachbearbeitung mit einem Überblick über Software - Hardware - Zubehör und die Arbeitsweisen von Anwendern. mediabook Verlag, Gau-Heppenheim 2003, ISBN 3-932972-19-8.
  • Joachim Polzer (Hrsg.): Weltwunder der Kinematographie - Beiträge zu einer Kulturgeschichte der Filmtechnik. Band 8/2006 - Zur Geschichte des Filmkopierwerks - A Short History of Cinema Film Post-Production. Polzer Media Group, Potsdam 2006m ISBN 3-934535-26-7.
  • Joachim Polzer (Hrsg.), Eberhard Nuffer (Autor): Weltwunder der Kinematographie. Band 7/2003 - Beiträge zu einer Kulturgeschichte der Filmtechnik. Filmschnitt und Schneidetisch. Eine Zeitreise durch die Klassische Montagetechnologie. Polzer Media Group, Potsdam 2003, ISBN 3-934535-24-0.
  • Joachim Polzer (Hrsg.): Weltwunder der Kinematographie - Beiträge zu einer Kulturgeschichte der Filmtechnik. Band 6/2002 - Aufstieg und Untergang des Tonfilms. Die Zukunft des Kinos. Polzer Media Group, Potsdam 2002, ISBN 3-934535-20-8.
  • Arne Möller: Die Postproduktion eines Fernsehfilms. Praxis Film, Band 82. UVK Verlagsgesellschaft mbH, 09-2013, ISBN 978-3-86764-411-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Projektentwicklung – Vorproduktion – Dreharbeiten – Postproduktion – Filmverwertung. Nach Josef Steiff: The Complete Idiot’s Guide to Independent Filmmaking. Alpha Books, 2005. S. 26–28.