Prälatenhaus (Meißen)

Das spätgotische Prälatenhaus ist eines der ältesten Häuser in Meißen und ein überregional bedeutendes Baudenkmal. Es prägt mit seinem spätgotischen, reichverzierten Backsteingiebel die malerische Westansicht der Altstadt und enthält bedeutende Reste spätgotischer Wandmalereien.
Baugeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In den Jahren 1509 und 1510 ließ der päpstliche Legat und bischöfliche Notar Nikolaus Heynemann sich in der Meißner Altstadt ein Wohnhaus auf dem Grundstück Rote Stufen 3 errichten. Nach Heynemanns Tod 1544 veräußerten die Erben das Haus an den Amtmann Hieronymus Ziegler, der es dem Stiftsyndikus Johann Fritzsche d. Ä. überließ. Die weitere Besitzerfolge ist im Kreisamtshandelsbuch nahezu vollständig überliefert.[1]
Spätestens ab 1572 fanden Umbauten an dem Gebäude statt. Auf das Hinterhaus wurde weitere Geschosse aufgesetzt, die Fresken übermalt, Zwischenwände eingebaut und die Holzbohlenwände umgestaltet. Im 18. Jahrhundert wurden Stuckdecken eingezogen.[1]
Baubeschreibung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das spätgotische, dreigeschossige Gebäude ist unmittelbar auf den Fels gegründet. Es erhebt sich blockartig auf einem trapezförmigen Grundriss. Um den Höhenunterschied auszugleichen, nehmen Keller und Erdgeschoss nur einen Teil der Grundfläche ein. Die dicken Außenmauern sind in Mischmauerwerk errichtet, bestehend aus Bruchsteinen, Sandsteinquadern und Ziegeln. Zwischen den seitlichen Backsteingiebeln spannt sich ein Satteldach.[1]
Das Haus verfügt über eine spätgotische Balkendecke in der Eingangshalle, zwei Bohlenstuben mit deutschlandweit einzigartigen Wandfresken in mehreren Räumen, die Parallelen zur Cranach-Werkstatt aufweisen, möglicherweise gar aus ihr stammen. Die Malereien deuten auf Kontakte Heynemanns zu einflussreichen Kreisen und sind nördlich der Alpen einzigartig. Auch zahlreiche außergewöhnliche Bauten, die sein damaliger Dienstherr, Bischof Johann VI. von Saalhausen, veranlasste, deuten in eine ähnliche Richtung. Außerdem sind eine Schwarzküche und Teile einer Räucherkammer, der Treppenturm, ein gewölbter Archivraum im Erdgeschoss, originale, teils eisenbeschlagene Türen und das Dach mit seiner mächtigen Hängesäulenkonstruktion erhalten.
Die Malereien aus dem frühen 16. Jahrhundert zeigen unter anderem Figuren mit porträthaften Zügen und Schriftbändern, möglicherweise Darstellungen von Propheten, aus der Blütezeit der Spätgotik. Weiterhin sind jüngere Raumgestaltungen aus barocker und klassizistischer Zeit erhalten.[2]
Sanierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Prälatenhaus als Mietshaus umgebaut. In der Zeit der DDR verfiel das Gebäude zusehends und stand ab 1980 leer. Der Ostgiebel wurde 1971 saniert, wobei dessen turmartige Aufsätze gegenüber der ursprünglichen Form verändert und massiver ausgebildet wurden. 1977 musste das Hinterhaus baupolizeilich gesperrt werden; 1984 stürzte das Dach teilweise ein. Ein Abriss des Gebäudes schien nicht mehr abzuwenden.[1] Durch das Engagement Meißner Bürger, die sich im Kuratorium Rettet Meißen – Jetzt zusammengeschlossen hatten, konnte der Abriss verhindert werden. Die Bürgerinitiative organisierte in den achtziger Jahren eine Notsicherung. Kurz nach der Wende wurden die wertvollen Fresken wiederentdeckt und 1994 konnte mit der Sanierung des Daches begonnen werden. Für die Rekonstruktion des Westgiebels musste ein neuzeitlicher Anbau an der Nordwestecke und ein eingebauter Blendbogens abgetragen werden. Dabei fand sich ein Ziegel mit der Inschrift „der Ziegel ist gemacht am Tage nach der Heimsuchung Mariä 1509“.[1]
Im Jahr 1998 beschloss der Meißner Stadtrat den Kauf des Gebäudes von einer Erbengemeinschaft, um es unter der Regie des Kuratoriums restaurieren zu lassen. Der Preis lag bei 170.000 Mark.[3] Zum 500-jährigen Jubiläum wurde das völlig verfallene Nebengebäude neu errichtet. Besonders aufwändig ist die Sanierung der Wandmalereien in der spätgotischen Bohlenstube im zweiten Obergeschoss.
Die Stadt Meißen betrachtet nach der Restaurierung mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz das Bauwerk als gerettet.[4] Seit September 2023 befindet sich in dem Gebäude die „Galerie im Prälatenhaus Meißen“. Eine darüber hinaus gehende Nutzung wird weiter gesucht.[5]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Matthias Donath, Günter Donath: Baugeschichte des spätgotischen Hauses Rote Stufen 3 in Meißen. In: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hrsg.): Denkmalpflege in Sachsen. Mitteilungen des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen. Sax-Verlag, 1996, ISSN 0943-2132.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 Matthias Donath, Günter Donath: Baugeschichte des spätgotischen Hauses Rote Stufen 3 in Meißen. In: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hrsg.): Denkmalpflege in Sachsen. Mitteilungen des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen. Sax-Verlag, 1996, ISSN 0943-2132.
- ↑ Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen I. Regierungsbezirk Dresden. Deutscher Kunstverlag, München 1996, ISBN 3-422-03043-3, S. 589.
- ↑ Ulf Mallek: Prälatenhaus wird wieder aufgebaut. In: Sächsische Zeitung. Dresden 17. Februar 2001.
- ↑ Antje Hainz: Architektour auf der Website der Stadt Meißen
- ↑ Prälatenhaus: Neues Leben im alten Wohnhaus. In: Sächsische Zeitung. 21. November 2024 (online [abgerufen am 14. Mai 2026]).
Koordinaten: 51° 9′ 53,5″ N, 13° 28′ 10,5″ O