Privatbrauerei Ganser

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Haus Ganser in Lechenich, im April 2011

Die Privatbrauerei Ganser GmbH & Co.KG war ein Brauereiunternehmen aus Leverkusen, das im Jahr 1869 in Lechenich im Rhein-Erft-Kreis gegründet wurde. Es arbeitet heute noch als Biervertriebsunternehmen.

Anfänge in Lechenich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der seit 1868 in Lechenich ansässige Peter Ganser (1842–1891) führte in der Bonner Straße in Lechenich eine Gastwirtschaft und betrieb seit 1869 eine Brauerei,[1] deren Gebäude auf dem Hofgelände hinter dem Wohnhaus lagen. Nach der Reichsgründung 1871 gab Peter Ganser (zwischen 1871 und 1876) seiner Brauerei und Gastwirtschaft den Namen „Deutsches Brauhaus“.[2] Ganser produzierte zunächst untergäriges Kölner Knuppbier. Erst 1879 nach der Errichtung eines größeren Sudhauses und eines Eiskellers war er in der Lage, obergäriges Bier herzustellen.

Deutsches Brauhaus Witwe Ganser Lechenich Bonner Straße

Nach dem Tode des Peter Ganser führte der Älteste, Franz Josef Ganser, die Firma. 1895 gründeten die neun Kinder des Peter Ganser eine Handelsgesellschaft unter der Bezeichnung „Deutsches Brauhaus Witwe Ganser mbH“.[3] 1896 erfolgte die Umstellung auf die industrielle Bierherstellung. Die bisherigen Brauereigebäude wurden abgerissen und durch eine moderne Dampfbrauerei ersetzt. 1898 und 1900 folgten weitere Dampfkessel, eine eigene Eisfabrik und eine elektrische Lichtanlage. Die Investitionen führten zu einer Qualitätssteigerung, so dass 1900 auf der Messe in Straßburg das „Ganser Bier“ mit der „Goldenen Medaille“ ausgezeichnet wurde.[4]

Der Braunkohletagebau in der Bürgermeisterei Liblar führte zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels in Lechenich, die Folgen für die Brauwasserversorgung der Brauerei hatte. Die Geschwister Ganser waren gezwungen, sich nach einer neuen Produktionsstätte umzusehen.

Die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen in der Zeit des Ersten Weltkrieges führten 1919 zur Einstellung des Braubetriebes in Lechenich. Im Stammhaus wurde lediglich Bier gelagert für die Belieferung der Gaststätten im Lechenicher Umland. Die Firmenbezeichnung „Deutsches Brauhaus Witwe Ganser“ bestand noch bis in die 1920er Jahre, während die Gastwirtschaft in Lechenich schon vor dem Ersten Weltkrieg geschlossen wurde.

Heute erinnert an die Brauzeit in Lechenich ein unter Denkmalschutz stehender großer zweigeschossiger gewölbter Lagerkeller auf dem Hofgrundstück hinter dem „Haus Ganser“.

Braustätte Wiesdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1910 erwarb man bei einer Zwangsversteigerung die in Konkurs gegangene „Germania Brauerei“ in Wiesdorf. Zu diesem Zweck hatten die Brüder Ganser die „Gesellschaft Kronenbrauerei Wiesdorf m.b.H.“ gegründet.

Seit 1936 wurde die Brauerei von der nächsten Generation als Kommanditgesellschaft geführt. Im Zweiten Weltkrieg kam die Produktion nach massiven Zerstörungen der Brauereigebäude durch alliierte Luftangriffe völlig zum Erliegen.

Auf den Wiederaufbau in den Nachkriegsjahren erfolgte nach 1950 die durch die Expansion des Bierabsatzes notwendige Erweiterung der Brauerei. Im Jahre 1972 betrug der Bierausstoß 180.000 hl, der bis etwa 1996 auf diesem Niveau blieb. Außer anfangs „Wiesdorfer Kronenbier“ wurden folgende Biersorten hergestellt, „Ganser Kronen Kölsch“, „Ganser Kronen Pils“, „Ganser Kronen Export“, „Ganser Kronen Spezial“, „Alkrather Pilsener“ und „Ganserator“. Die Firma „Kronenbrauerei Gebrüder Ganser“ wurde 1975 in Ganser-Brauerei KG und 1979 in Ganser-Brauerei GmbH & Co. KG umfirmiert und umbenannt.

Ende der 1990er Jahre waren, bedingt durch die große Konkurrenz im Brauereigewerbe sowie Auflagen wegen der zentralen städtischen Lage der Brauereigebäude, starke Einschnitte erforderlich, die zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führten. Die Brauereiprodukte wurden reduziert auf Ganser-Kölsch und Rallye Malz.

Ende der Brauerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2000 wurde die Brauerei in Leverkusen geschlossen. Seitdem wurde Ganser-Kölsch im Lohnbrauverfahren bei der zum „Kölner Verbund Brauereien GmbH & Co. KG“ gehörenden Bergischen Löwenbrauerei in Köln-Mülheim hergestellt, heute zur Radeberger Gruppe der Oetker-Gruppe gehörig. Es wurden Kooperationsverträge mit der Bitburger- und der Diebels-Brauerei zur Belieferung von Gaststätten geschlossen. In vielen Gaststätten wurde Ganser Kölsch zusammen mit Bitburger Pils und Diebels Alt angeboten.

Geschäftsführer des Unternehmens war bis zu seinem Tod am 9. Februar 2018 weiterhin ein Mitglied der Familie Ganser, Peter Josef Ganser.[5]

Seit 2018 wird Ganser-Kölsch nicht mehr gebraut.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Udo Müller: Von Lechenich nach Leverkusen. Eine Chronik der Brauerei Ganser. In: Jahrbuch der Stadt Erftstadt 2004. ISBN 3-9805019-9-X

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadtarchiv Euskirchen: Euskirchener Zeitung vom 7. August 1869, Anzeige des Peter Ganser, in der er Lehrjungen für das Brauereigewerbe sucht
  2. Stadtarchiv Euskirchen: Euskirchener Zeitung Nr. 93 vom 18. November 1876
  3. Hauptstaatsarchiv Düsseldorf (heute Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland) Bestand Gerichte Rep.162 Nr. 69: HR A Nr. 23 des Amtsgerichtes Lechenich
  4. Frank Bartsch: Kontinuität und Wandel auf dem Lande. Die rheinpreußische Bürgermeisterei Lechenich im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert (1815–1914). Weilerswist 2012, S. 139–141
  5. Udo Müller: Von Lechenich nach Leverkusen. Eine Chronik der Brauerei Ganser. In: Jahrbuch der Stadt Erftstadt, 2004, S. 107–116