Proteische Persönlichkeit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Icon tools.svg

Dieser Artikel wurde auf der Qualitätssicherungsseite des Wikiprojekts Psychologie eingetragen. Dies geschieht, um die Qualität der Artikel aus dem Themengebiet Psychologie zu verbessern. Dabei werden Artikel verbessert oder auch zur Löschung vorgeschlagen, wenn sie nicht den Kriterien der Wikipedia entsprechen. Hilf mit bei der Verbesserung und beteilige dich an der Diskussion im Projekt Psychologie.

Proteische Persönlichkeit (engl. Protean Self, wörtlich Proteisches Selbst) ist ein vom amerikanischen Psychologen Robert J. Lifton 1993 verwendeter Begriff. Der Name bezieht sich auf den für seine Wandelbarkeit bekannten griechischen Meeresgott Proteus, der verschiedene Gestalten annahm, um Fragen zu entkommen. Nach dieser Theorie zeichnet sich dieser Menschentyp dadurch aus, dass er extrem anpassungsfähig ist.

Theoretische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hintergrund dieser Entwicklung ist das Aufkommen von Netzwerken wie dem Internet, in dem die Menschen sehr viel Zeit verbringen und wo sie ganz unterschiedliche Rollen annehmen können. Die Anzahl der Interaktionen mit den unterschiedlichen Menschen nahm rapide zu. Auch der gegenwärtig stattfindende rasante technische und soziale Wandel verlangt einen flexiblen Menschen, der sich an verändernde Umwelten, neue Umstände und verschiedene Erwartungen problemlos anpassen kann. Der amerikanische Ökonom Jeremy Rifkin verwendete den Begriff für den vernetzten Menschen des 21. Jahrhunderts.

Menschen, die sich als autonomes Individuum verstehen, werden nach Ansicht von Rifkin langsam zum Anachronismus. Der neue Mensch versteht sich eher als Knoten unterschiedlichster Beziehungen. „Wir existieren nicht mehr länger als Subjekte, sondern eher als Terminal, in dem zahlreiche Netze zusammenlaufen“.[1] Rifkin sieht „einen neuen menschlichen Archetypus.“[2]

Robert J. Lifton geht davon aus, dass es sich hierbei um eine plastischere und reifere Bewusstseinsstufe handelt, auf der ein Mensch mit Vieldeutigkeiten und komplexen, einander häufig widerstreitenden Prioritäten leben kann. Nach seiner Meinung kann das Experimentieren einen neuen Sinn für Empathie mit anderen erzeugen und damit dazu beitragen, eine Grundlage für die Erneuerung der Kultur zu legen.

Kenneth J. Gergen formuliert es ähnlich: „Wir feiern jetzt das proteische Sein (...) Man muss in Bewegung sein, das Netzwerk ist riesig, die Verpflichtungen sind viele, Erwartungen sind endlos (, ...).“[3]

Wandel der Persönlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die proteischen Menschen denken weniger darüber nach, wo ihr eigener Platz in der Geschichte sein könnte, sondern vielmehr daran, ihre eigene persönliche Geschichte zu leben. Sie haben keinen höheren Anspruch an ihr Leben, als den, sich die Zeit so angenehm wie möglich zu machen und geben sämtliche Ansprüche auf eine große historische Mission auf. „Das Leben gilt als zu kurz, um sich selbst der Geschichte oder irgend einem zukünftigen Wohlergehen zu opfern“.[4]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Entsprechend den Vorstellungen der Postmoderne wird die Idee eines unausweichlichen linearen Fortschritts, der sich in Richtung auf ein zukünftiges, von allen geteiltes, utopisches Ideal bewegt, verworfen. Große Erzählungen wie z. B. Ideologien, die der Geschichte einen Sinn geben, werden abgelehnt.

Politisches oder soziales Engagement wird abgelehnt. Anstatt sich kollektiv zu organisieren, um ihre Situation zu verbessern, versuchen die proteischen Menschen ihr eigenes Leben so angenehm wie möglich zu gestalten, selbst wenn es noch so elend ist.

Realität ist für sie das Ereignis, das am mächtigsten ist, das ist aber immer häufiger die Simulation. Proteische Persönlichkeiten haben zu vielen Fragen keine eigene Meinung oder ändern diese laufend. Zitat: „Was du gesagt hast, klingt glaubwürdig. Ich würde aber auch das Gegenteil glauben, wenn es nur überzeugend vorgetragen wird.“

Die proteische Persönlichkeit ist von kommerziellen Massenmedien und Werbebotschaften umgeben. Beispiele hierfür sind Computernetzwerke, das Beziehungsmarketing, die geschlossenen Communitys, Einkaufszentren, Themenparks, Tourismus und die kulturelle Produktion. Dies fördert die Einstellung, dass das ganze Leben aus einer Reihe von theatralischen Momenten und dramatischen Auftritten besteht. Menschen mit proteischer Persönlichkeit achten deshalb auch sehr stark auf ihren eigenen Körper und auf ihr Aussehen. Auch Piercing und Tattoos dienen letztendlich einer Verschönerung und Inszenierung des eigenen Körpers.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Jay Lifton: The Protean Self. New York 1993
  • Jeremy Rifkin: Access. Das Verschwinden des Eigentums. Warum wir weniger besitzen und mehr ausgeben werden. Campus-Verlag, Frankfurt/New York 2000, ISBN 3-593-38374-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jean Baudrillard: Das andere Selbst. Wien 1987, S. 14, zitiert nach Rifkin: Access, S. 283
  2. Rifkin: Access, S. 250
  3. Gergen, Kenneth J.: The self: death by technology. In: D. Fee (Hrsg): Pathology and the postmodern. Mental illness as discourse and experience. Sage, London 2000, Seite 104
  4. Rifkin: Access, S. 273.