Punschkrapfen

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Punschkrapfen
Geldautomat in Form eines Punschkrapfens im Wiener Wurstelprater

Der Punschkrapfen (in der Verkleinerungsform auch Punschkrapferl) ist eine österreichische Süßspeise.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um einen Würfel (seltener auch Zylinder) aus Biskuitteig, der mit einer Masse aus Marmelade, Rum oder Punsch und Schokolade gefüllt und mit einer rosa Glasur (sog. Punschglasur, als solche in Österreich erhältlich) überzogen ist. Punschkrapferln dienen mitunter als Resteverwertung von altbacken gewordenen Biskuitteigprodukten, wobei der Inländerrum einen allfälligen Altgeschmack wirkungsvoll überdeckt. Nach Originalrezepten enthalten Punschkrapfen Rum oder Punsch. Heutzutage werden die im Lebensmittelhandel erhältlichen Punschkrapfen häufig mit Rum- oder Punscharoma statt Alkohol hergestellt.[1][2] Punschkrapfen sind dem französischen Kleingebäck Petit Four ähnlich.

Kulturelle Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als politische Metapher wurde der Punschkrapfen aufgrund seiner charakteristischen Farben seit den 1970er Jahren verwendet. In Kärnten wurde so die Mentalität der Bevölkerung verspottet, die 1944 den höchsten Anteil an NSDAP-Mitgliedern aller österreichischen Bundesländer hatte, jedoch in den 1970er Jahren mehrheitlich sozialdemokratisch wählte. Die rote Hülle und braune Fülle des Punschkrapfens wurde metaphorisch auf die Person übertragen: außen rot (politische Farbe der Sozialdemokratie), innen braun (Farbe des Nationalsozialismus).[3] Der Tiefenpsychologe Erwin Ringel zitierte 1985 bei einem Vortrag zur "Kärntner Seele" einen Witz: "Was ist Kärnten? Antwort: Ein Punschkrapferl, außen rosa, innen braun und immer unter Alkohol."[4] Die Bezeichnung weitete sich auf sozialdemokratische Politiker mit NS-Vergangenheit aus. Später wurde Thomas Bernhard fälschlicherweise mit einem ähnlichen Witz zitiert: „Die Mentalität der Österreicher ist wie ein Punschkrapfen: Außen rot, innen braun und immer ein bisschen betrunken.“[5] Diese Zuschreibung konnte nicht belegt werden.[6] Der Schriftsteller Robert Menasse widmet sich dem Punschkrapfen als politisches Symbol in seiner Essaysammlung Das war Österreich (2005), auf deren Buchumschlag ein angebissener Punschkrapfen abgebildet ist. Die Schriftstellerin Raphaela Edelbauer beschreibt in ihrem Roman Das flüssige Land 2019 einen Punschkrapfen, auf dem das Gesicht des Philosophen Ludwig Wittgenstein abgebildet ist.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wo überall Alkohol drinnen ist! auf Alkohol in Lebensmitteln abgerufen am 26. November 2010
  2. Eine einzigartige Geschenkidee: Original Wiener Punschkrapfen (Memento des Originals vom 4. November 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.alleswerbung.info abgerufen am 26. November 2010
  3. Austria's Reds Check for Brown Spots(englisch) bei Deutsche Welle dw.de
  4. Erwin Ringel: "Die Kärntner Seele" (Nach einem Vortrag, gehalten am 15. September 1985 in Keutschach, ergänzt während der Jahre 1986 und 1988), in: E.R.: "Die Kärntner Seele: mit Darstellungen aus Literatur und bildender Kunst", herausgegeben von Franz Witzeling mit Beiträgen von Josef Strutz und Arnulf Rohsmann, Hermagoras Verlag, Klagenfurt/ Wien: 1988, S. 12
  5. Armand Feka: Ein Punschkrapfen zu viel, Der Standard, 28. Februar 2011
  6. Zitatforschung: "Die Mentalität der Österreicher ist wie ein Punschkrapfen: Außen rot, innen braun und immer ein bißchen betrunken." Thomas Bernhard (angeblich). In: Zitatforschung. 24. April 2018, abgerufen am 11. Januar 2019.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Punschkrapfen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien