Rum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt das alkoholische Getränk Rum; zu anderen gleichnamigen Bedeutungen siehe Rum (Begriffsklärung).

Rum (wahrscheinlich abgeleitet vom englischen Dialektwort rumbullion, „Aufruhr, Tumult“ [1]) ist ein alkoholisches Getränk. Er wird aus Melasse des Zuckerrohrs gewonnen, seltener aus frischem Zuckerrohrsaft. Abgewandelte Produkte sind Rum-Verschnitt und Inländer-Rum. Der Mindestalkoholgehalt beträgt 37,5 Volumenprozent.[2][3]

Rum wird in der Karibik, in Mittelamerika, Südamerika sowie den Philippinen, Australien, Madagaskar, Mauritius, Indien, Réunion, den Kanaren, Kap Verde und in einigen anderen Ländern produziert.

In Norddeutschland und Skandinavien beruht die frühe Popularität von Rum auf den intensiven Handelsaktivitäten der sogenannten dänischen Westindienflotte, die ihren Haupthafen im 18. Jahrhundert in der damals dänischen Rumhandelsstadt Flensburg hatte und durch Handelsschiffe Rum aus der Karibik und insbesondere von den Jungferninseln (Dänisch-Westindien) nach Europa importierte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rum entstand im 17. Jahrhundert in der Karibik. Die erste urkundliche Erwähnung fand das Getränk um 1650 als „rumbullion“ (engl. etwa: großer Tumult) sowie am 8. Juli 1661 durch den Gouverneur von Jamaica. Bereits 1667 wurde dieses Getränk „ron“ (kastilisch) bzw. „rhum“ (französisch) genannt. Etwa seit dieser Zeit erhielten Angehörige der Royal Navy täglich um die Mittagszeit eine Rum-Ration, die jeweils etwa 70 Milliliter umfasste und erst 1970 abgeschafft wurde (zuvor hatten die englischen Seeleute Anspruch auf Bier gehabt). Seit 1740 erhielten die Matrosen den Rum dann im Verhältnis 1:4 vermischt mit heißem Wasser. Nicht zuletzt durch diesen Brauch wurde Rum, oft als Grog, weltweit zu einem typischen Seefahrergetränk.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuckerrohrfeld
Zuckerrohrmelasse
frischer unverarbeiteter Zuckerrohrsaft

Als Ausgangsprodukt für Rum wird in den meisten Fällen Melasse verwendet. Im Gegensatz dazu wird bei der Herstellung von Rhum Agricole oder Cachaça allein frisch gepresster Zuckerrohrsaft als Grundstoff eingesetzt.

Ein Gemisch von Melasse (bei industriellem Rum) oder gehäckseltem Zuckerrohr, Zuckerrohrsaft und Wasser ergibt die Maische. Für eine anschließende Gärung wird die Maische fermentiert und bekommt danach einen Alkoholgehalt von etwa 4 % bis 5 %. Dieser Zuckerwein wird destilliert. Das Destillat hat dann einen Alkoholgehalt von 65 % bis 75 %. Mit destilliertem Wasser verdünnt, erhält man weißen Rum. Die eigentliche Herstellung von Rum ist damit abgeschlossen. Darüber hinaus finden häufig Lagerungen in gebrauchten Holzfässern (wie beispielsweise aus der Whiskey-Herstellung) statt, um dem Rum eine eigene Geschmacksnote zu verleihen. Um weißen Rum besserer Qualität zu erhalten, wird dieser mehrere Monate in Edelstahlfässern gelagert. Erfolgt die Lagerung in Eichenfässern, verliert der weiße Rum Alkohol, nimmt Geschmacksstoffe der Fässer auf und entwickelt dabei eine leicht bräunliche Färbung.

Brauner Rum ist aromatischer als weißer und weist eine eher süßliche Note auf. Ein charakteristischer Aromastoff im Rum ist das Ethylformiat (Ameisensäureethylester), das auch im Arrakaroma vorkommt.[4] Für braunen Rum ohne längere Lagerung wird diesem auch Zuckercouleur oder Karamellsirup zugefügt, um ihn hinsichtlich Geschmack und Färbung den Anschein einer längeren Reifung in Holzfässern zu geben.

Verbrauchsfertig werden die verschiedenen Rumsorten mit destilliertem Wasser auf meistens 40 %, 50 % oder 55 % Alkoholgehalt verdünnt. Vor der Abfüllung in Flaschen wird der Rum teilweise mit Zucker versetzt, um eine stärkere Süße zu erreichen.[5]

Industrielle Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als die Begründer der modernen Rumherstellung gelten Don Bacardi und Felice Presto, die den Prozess der Herstellung des weißen Rums nahezu gleichzeitig um 1850 auf den karibischen Inseln Kuba und Jamaika entwickelten. Die bis 1890 sehr bekannte Presto Destillery auf Jamaika wurde von Einheimischen zerstört, was den finanziellen Ruin der kleinen, aber doch weit bekannten Destillerie bedeutete. Spätere Versuche von Prestos Cousin, Gregory Nissen, die Brennerei wieder aufzubauen und sie in altem Glanze erstrahlen zu lassen, blieben erfolglos. Bacardi hingegen ist auch heute noch der weltgrößte Hersteller der Rum-Spirituose.

Bezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Original Rum – importierter originaler Rum, unverändert verkauft (bis zu 74 %).
  • Echter Rum – wie Original Rum, hier jedoch auf Trinkstärke (min. 37,5 %) herabgesetzt.
  • Overproof Rum – Rum mit einem Alkoholgehalt über 57,15 %, wird hauptsächlich zum Mixen von Cocktails verwendet.
  • Blended Rum – Mischung verschiedener Original-Rums.
  • Rhum Agricole – Rum sogenannter ‚landwirtschaftliche Herstellung‘, der auf den französischen Antillen (Martinique, Guadeloupe) und auch auf Haiti, in Französisch-Guayana und im Indischen Ozean auf Réunion und Mauritius produziert wird. Er unterscheidet sich von normalem Rum vorrangig durch seine Herstellung aus frischem Zuckerrohrsaft und hat nur einem Anteil von etwa 3 % an der gesamten Rumproduktion.
  • Rum-Verschnitt - Mischung aus Rum und neutralem Alkohol aus anderen Rohstoffen. In Deutschland müssen mindestens 5 % Rum enthalten sein.
  • Kunst-Rum, in Österreich: Inländer-Rum - wird aus Rumalkohol und Aroma hergestellt mit üblicherweise 38 % eines der zahlreichen Fabrikate. In Deutschland synonym für den Inländer-Rum ist der Stroh Rum mit auch 60 % und 80 %.
  • Flavoured Rum – in entsprechendem Extraktionsverfahren aromatisierter Rum (min. 37,5 % – bei geringerem Alkoholanteil als „Spirituose“ bzw. „Likör auf Rumbasis“ bezeichnet (Bsp.: Cpt. Morgan Spiced Gold oder Bacardi Oak Heart, Bsp. für echten Flavoured Rum: Clement Orange)).

Qualität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Guter Rum zeichnet sich im Gegensatz zu den meisten anderen Zuckerrohrbränden durch eine lange Reifung in Holzfässern aus, ähnlich Whisky oder Cognac. Je länger das Destillat im Holzfass reift, desto abgerundeter erscheint sein aromatisches Geschmacksbild. Ein Nebeneffekt ist die erst gelbliche, dann braune Färbung, die das zunächst farblose Destillat dabei annimmt. Allerdings sollte man sich von der Farbe nicht täuschen lassen. Viele Hersteller färben ihren Rum nachträglich mehr oder weniger stark mit Zuckercouleur (z. B. Bacardi Black), angeblich um eine gleichbleibende Färbung zu garantieren. Beabsichtigt ist wohl eher, dem mit diesem Zusatz nachträglich durchgehend dunkler gefärbten Produkt den Anschein einer längeren Reifung in Holzfässern zu geben. Andererseits kann auch farbloser „weißer“ Rum eine Zeit lang in Edelstahlfässern gereift sein (typisch: 6–30 Monate). Falls in Eichenfässern gereift, entziehen ihm einige Hersteller durch Filtrierung die Farbe.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martinique-Rum: ein ‚Rhum Agricole‘ von der Insel Martinique. Für dieses französische Übersee-Département gibt es das Dekret vom 5. November 1996, nach dem ein „Rhum Vieux Agricole“ mit Appellation d’Origine Contrôlée (AOC) hergestellt werden kann. Folgende Qualitätsstufen sind festgelegt:
      • Weißer Rum (Rhum Agricole AOC blanc) muss mindestens 3 Monate in Edelstahlfässern gelagert werden, um Sauerstoff aufzunehmen und um sich zu homogenisieren.
      • AOC (rhum paille oder rhum ambré) muss mindestens 1 Jahr in Eichenfässern lagern.
      • Mindestens drei Jahre gelagerter Rum wird „alter Rum“ (rhum vieux agricole) genannt. Es gibt folgende drei Qualitätsstufen:
        • VO mindestens 3 Jahre in Eichenfässern gelagert
        • VSOP mindestens 4 Jahre in Eichenfässern gelagert
        • XO mindestens 6 Jahre in Eichenfässern gelagert.
Darüber hinaus gibt es Rum „hors d'age“, der meistens 10 Jahre und länger gelagert ist. Eine Flasche Rum dieser Jahrgangssorten kann leicht mehrere 100 € kosten.
Die verschiedenen Destillerien verwenden Fässer unterschiedlicher Provenienz, teilweise neue Fässer, teilweise solche in denen früher Bourbon Whiskey in den USA gereift wurde oder alte Bordeaux- und Cognacfässer. Dadurch erhält der Rum aus verschiedenen Destillerien verschiedene Geschmacksnoten.
  • Jamaika-Rum zeichnet sich durch einen sehr kräftigen, würzigen Geschmack aus, der manchmal als scharf empfunden wird. Minderwertige Qualitäten sind wegen dieser Geschmacksintensität pur fast nicht trinkbar und werden in der Regel mit Wasser (Grog) oder anderem Alkohol gemischt (verschnitten). Höherwertige Brände werden in Cocktails oder auch pur genossen.
  • Flensburger Rum-Verschnitt – braune Mischung aus Rum, Wasser und Neutralalkohol, die mindestens 5 % Original-Rum enthält, mit Alkoholgehalt von mindestens 37,5 % (meist 40–42 %). Er beruht auf der Tradition alter Flensburger Rumhandelshäuser (Flensburg gehörte lange Zeit zu Dänemark), den aus Dänisch-Westindien importierten Jamaika-Rum mit Monopolalkohol und Wasser auf Trinkstärke zu verschneiden, da im 18. Jahrhundert ein hoher Einfuhrzoll auf importierte Spirituosen erhoben wurde. Der Jamaika-Rum war dazu besonders wegen seines intensiven Geschmacks geeignet. Dieser zuerst von Flensburger Rumhäusern wie beispielsweise Pott, Balle, Hansen, Asmussen und Johannsen angewendete Rum-Verschnitt ist bis heute als Jamaika-Rum-Verschnitt auch bei anderen deutschen Rumhäusern gang und gäbe.
  • Als „Tschechischer Rum“ wurde früher ein aus Zuckerrüben gewonnener Brand bezeichnet. Nach dem EU-Beitritt Tschechiens heißt dieses Getränk nunmehr Tuzemak anstatt Rum.

Marken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darüber hinaus gibt es noch viele Rum-Marken, die auf den alten „Habitations“ (Gütern) hergestellt werden. Hierzu wird der destillierte Rum von einer der sieben Destillerien gekauft und in der Habitation in Eichenfässern gereift (weißer Rum in Edelstahlfässern gelagert) und später dort abgefüllt. Bekannte Marken sind:

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flensburg, als einzige historische deutsche Rum-Metropole mit ehemals über 300 Brennereien, verfügt über ein Rum-Museum, das die Herstellung, die Geschichte des Rums und des Deutsch-Dänisch-Westindischen Rum-Handels beschreibt. Ebenfalls interessant sind die Informationen zu Flensburg als ehemals größtem europäischen Rumherstellungs- und Handelsstandort. Das Museum befindet sich im Schifffahrtsmuseum Flensburg, direkt an der Flensburger Schiffbrücke.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rum – Sammlung von Bildern
 Wiktionary: Rum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anatoly Liberman: The Rum History of the Word “Rum” (Beitrag in seinem Blog The Oxford Etymologist, 6. Oktober 2010)
  2. Verordnung (EG) Nr. 110/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Januar 2008, Anhang II, 1. Rum (siehe auch: Spirituosen. Auf: was-wir-essen.de).
  3. Die Bundesbehörde der Schweizerischen Eidgenossenschaft: Mindestalkoholgehalt von Spirituosen. Auf: admin.ch ; zuletzt abgerufen am 19. Oktober 2015.
  4. Wolfgang Legrum: Riechstoffe, zwischen Gestank und Duft. E-book, Vieweg + Teubner, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-8348-8276-9, S. 86 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Torben Bornhöft: Da ist Zucker in meinem Rum. Auf: trinklaune.de vom 26. Januar 2014; zuletzt abgerufen am 19. Oktober 2015.
  6. Carlotta Frommer: Revolte Rum leitet die deutsche Rum-Revolution ein. Auf: urban-drinks.de vom 18. August 2015; zuletzt abgerufen am 11. Februar 2016.
  7. a b c d http://www.southseasrum.com/bottle.html