Pygmalion (Shaw)

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Erste Ausgabe von Bernard Shaws Pygmalion

Pygmalion ist ein Schauspiel von George Bernard Shaw nach Ovids Darstellung des Pygmalion-Stoffs, das am 16. Oktober 1913 im Wiener Burgtheater in der Übersetzung von Siegfried Trebitsch uraufgeführt wurde.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Shaws Komödie erzählt die Geschichte des Professors Henry Higgins, eines selbstherrlichen Sprachwissenschaftlers, der wettet, dass er eine arme Blumenverkäuferin, Eliza Doolittle, zu einer Herzogin machen könne, indem er ihr beibringt, mit dem Akzent der feinen Londoner Gesellschaft zu sprechen. Bei einer Botschafter-Party gibt er sie erfolgreich als Herzogin aus. Da sie von Higgins allerdings schlecht behandelt wird, verlässt sie ihn, ohne zu wissen, was sie danach tun wird. Das Stück endet hier.

So wie Pygmalion bei Ovid sein lebloses Kunstwerk liebt, liebt auch Higgins seine Schöpfung, jedoch nicht die Person Eliza selbst, sondern nur das sprachliche Kunstwerk, das er geschaffen hat. Higgins erwidert die Liebe Elizas nicht, übersieht ihre menschlichen Bedürfnisse und sieht sie nicht als gleichwertig an. (Pickering: Does it occur to you, Higgins, that the girl has some feelings? Higgins: Oh no, I don't think so. Not any feelings that we need bother about.)

Akt 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen eines starken Sommergewitters haben sich viele Menschen einen Unterstand gesucht. Darunter auch eine vornehme Mutter mit ihrer Tochter und ihrem Sohn, alle in Abendkleidung. Sie warten wie viele andere auf ein Taxi, das sie nach Hause bringt. Der junge Sohn Freddy läuft aus Versehen in ein junges Mädchen, welches Blumen verkauft und ihr fallen die Blumen auf den Boden. Die Mutter bezahlt dem Mädchen aus Anstand die ruinierten Blumen. Ein Gentleman gesellt sich zu der Menschensammlung unter dem Unterstand und kommt wegen des Blumenmädchens mit einem Notizen schreibenden Mann ins Gespräch. Dieser kann aufgrund des Dialektes die Herkunft von einem Menschen bestimmen. Es handelt sich nämlich um Professor Higgins der sein Leben der Phonetik widmet. (The note taker: Simply phonetics. The science of speech. Thats my profession: also my hobby.) Er behauptet aus dem Blumenmädchen namens Eliza Doolittle, welches eindeutig der armen Gesellschaft angehört, innert drei Monaten eine duchess zu machen. Nur der Gentleman versteht den Professor und glaubt ihm, denn er ist selbst ein Linguist namens Colonel Pickering. Sie verabreden sich bei Higgins zu Hause.

Akt 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eliza besucht Higgins, der Pickering gerade seine Arbeit zeigt, und bittet ihn um Unterrichtsstunden. Sie möchte in einem richtigen Blumenladen arbeiten können und möchte daher richtiges Englisch lernen. Higgins verweigert vorerst, sieht dann aber eine Möglichkeit, sein richtiges Können zu zeigen und sich selbst zu verwirklichen. Eliza muss sich nun umziehen und gründlich waschen und erlebt zum ersten Mal was reiches und luxuriöses Leben bedeutet. (Liza: [...] Hot and cold water on tap, just as much as you like, there is. [etc.]) In der Zwischenzeit taucht Elizas Vater auf und fordert eine Entlohnung für seine Tochter. Für 5 Pfund "kauft" Higgins Eliza und gibt ihr von nun an Unterricht. Da er sie aber schlecht behandelt, stellt sich der Unterricht als Qual für das Mädchen heraus.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schauspiel löste damals einen Skandal aus, da es für die damaligen Verhältnisse geradezu exzessiv Schimpfwörter verwendet. So benutzt Eliza einmal das damals ordinäre Wort bloody („verdammt“): Obwohl Eliza mit feinem Akzent sprechen kann, versteht sie wenig von dem, worüber man in der hohen Gesellschaft spricht. Als jemand sie fragt, ob sie zu Fuß nach Hause ginge, antwortet sie: „Verdammt unwahrscheinlich!“ (“not bloody likely”).

In der Uraufführung (Regie: Hugo Thimig) spielten Max Paulsen und Lili Marberg. In der Berliner Produktion am Lessingtheater spielten am 1. November 1913 Tilla Durieux and Albert Steinrück.

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schauspiel wurde 1935 mit Jenny Jugo und Gustaf Gründgens in den Hauptrollen verfilmt, Regie führte Erich Engel. Die Uraufführung fand am 2. September 1935 im Berliner Capitol statt. Shaw wird darin als Autor genannt.[1]

Eine weitere Verfilmung entstand 1938 mit Leslie Howard und Wendy Hiller in den Hauptrollen. Shaw wurde 1939 gemeinsam mit seinem Ko-Autor Cecil Lewis für das Drehbuch dieser Adaption mit einem Oscar ausgezeichnet. Auch die beiden Hauptdarsteller (Howard und Hiller) waren für einen Oscar nominiert worden.[2]

Musical[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1956 entstanden aus dem Schauspiel das Musical My Fair Lady und 1964 dessen Verfilmung My Fair Lady.

Aktuelle Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • George Bernard Shaw: Pygmalion (Enriched Classics Series), Simon & Schuster, 2005, ISBN 978-1-4165-0040-7 (englisch).
  • George Bernard Shaw: Gesammelte Stücke in Einzelausgaben. Band 10: Pygmalion. Suhrkamp, Frankfurt 1989, ISBN 3-518-38359-0.
  • George Bernard Shaw: Pygmalion. Suhrkamp, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-18928-3.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Otten: George Bernard Shaw: Pygmalion. In: Horst Oppel (Hrsg.): Das moderne englische Drama. Interpretationen. Bagel, Berlin, 2. Aufl. 1966, S. 124–146.
  • Heinz Edenhofer: Shaw: Pygmalion. In: Kurt Bräutigam (Hrsg.): Europäische Komödien, dargestellt an Einzelinterpretationen. Diesterweg, Frankfurt 1964, S. 155–174.
  • Wolfgang Mielke: „Pygmalion“ – oder welche Kreise eine Spurensuche nach sich ziehen kann. In: Perinique. Magazin Weltkulturerbe. 14, Juli/August. Perinique 2012, ISSN 1869-9952, DNB 1000901297, S. 43–60.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pygmalion (1935). Auf: Internet Movie Database. Abgerufen am 18. Juli 2014.
  2. Der Roman eines Blumenmädchens (1938) – “Pygmalion” (original title). Auf: Internet Movie Database. Abgerufen am 18. Juli 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pygmalion (Shaw) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien