Qu You

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Qu You (chinesisch 瞿佑, Pinyin Qú Yòu, Pinselname Zōngjí 宗吉, auch bekannt als Cúnzhāi 存齋; * 1341 in Qiantang (錢塘; heute: Hangzhou); † 1427) war ein chinesischer Schriftsteller der Ming-Dynastie.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Qu You arbeitete an unterschiedlichen Orten als Schullehrer. Während der Regentschaft des Kaisers Yongle, Regierungszeit von 1402 bis 1424, fiel er im Jahr 1415 in Ungnade und wurde für zehn Jahre in die Verbannung geschickt. Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Privatlehrer bei einem einflussreichen Adeligen. Er starb zwischen 1427 und 1433.[1]

Sein Hauptwerk ist die 1378 erschienene 40-bändige Novellensammlung Neue Gespräche beim Putzen der Lampe oder Neue Gespräche beim Schneiden des Lampendochtes (剪燈新話; Jiandeng Xinhua). Die Erzählungen sind durchwegs von unterhaltsamem Charakter und enthalten häufig auch erotische Elemente. Gleichwohl lassen sie aber auch moralisierende Tendenzen nicht vermissen. So wird etwa in Das Geisterland der Protagonist Yuan Jishi, während er nur allzu berechtigte Rachepläne verfolgt, in den Augen des betrachtenden Taoisten von Unheil verheißenden Teufeln und Geistern begleitet – und von Glück bringenden Genien, sobald er der Rache abgeschworen hat. Häufig enthalten die Novellen übernatürlich-phantastische Elemente, wie etwa in der Päonienlaterne, wo sich der junge Qiao mit einer dem Grabe entstiegenen Wiedergängerin einlässt. Manchmal tragen sie auch poetische Züge, wie das gedichtreiche Der Pavillon des zweifachen Duftes. Ein weiteres Werk sind die Gespräche über die Dichtung nach dem Eintritt in den Ruhestand (Guitian shihua).[1]

Daneben hat Qu You ein Handbuch des Dominospiels in der Xuanhe-Periode 1119–1125. (Xuanhe paipu) verfasst.

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Jiandeng Xinhua fand beim Publikum großen Anklang und wurde vielfach nachgeahmt. Unmittelbarer Epigon war Li Changqi mit seiner Sammlung Weitere Gespräche beim Putzen der Lampe (剪燈餘話; Jiandeng Yuhua) von 1419/20. Beide Werke erfuhren in Übersetzungen bald auch in Japan und Korea Verbreitung, wo sie nachhaltig die gehobene Unterhaltungsliteratur beeinflussen sollten. In Vietnam wurde Qu Yous Werk ab dem 16. Jahrhundert durch eine Bearbeitung des Nguyễn Dữ populär. Auch die gut zweihundert Jahre jüngeren Sammlungen der späten Ming-Dichter Feng Menglong und Ling Mengchu erscheinen ohne Qu Yous Vorbild schwer denkbar. Dem deutschen Publikum wurde das Jiandeng Xinhua insbesondere durch Wolfgang Bauer und Herbert Franke zugänglich gemacht.[1]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jian deng xin hua. („Neue Gespräche beim Schneiden des Lampendochtes“) Zhongguo wen shi chu ban she, Peking 2001, ISBN 7-5034-1170-8. (chinesisch)
  • Sentō shinwa. Heibonsha, Tokio 2003, ISBN 4-256-80048-4. (japanisch)
  • Lutang shihua. Guitian shihua. (= Congshu jicheng. 2576.) Shangwu yinshuguan, Shanghai um 1936, OCLC 466037623. (chinesisch)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helwig Schmidt-Glintzer: Geschichte der chinesischen Literatur. Scherz, Bern 1990, ISBN 3-406-45337-6.
  • Wolfgang Bauer, Herbert Franke: Die goldene Truhe. Chinesische Novellen aus zwei Jahrtausenden. in: Sammlung chinesischer Klassiker. Band 3.) S. Fischer, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-10-009648-7.
  • Coy Leon Harmon: Ch’ü Yu’s Chien-Teng Hsin-Hua. the literary tale in transition. (= Dissertation, University of Arizona, 1985.) OCLC 693612775.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Qu, You. auf worldcat.org (Schriftenverzeichnis)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Henriette Pleiger, Thomas Zimmer, Weiping Huang: Geschichte der chinesischen Literatur. Band 9. Biographisches Handbuch chinesischer Schriftsteller. Leben und Werke. Walter De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 3-598-24550-5.