Römischer Travertin

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Die Kolonnaden des Petersplatzes sind aus hellem Römischen Travertin
Römischer Travertin als Fassadenverkleidung am Eingang (links) am Auswärtigen Amt in Berlin
Römischer Travertin wurde als Fassadenverkleidung am Shell-Haus (denkmalgeschützt) in Berlin verbaut

Römischer Travertin, mitunter Travertino Romano oder Romano Classico genannt, ist der Handelsname für einen Süßwasserkalkstein. Dieser Travertin wurde seit der Antike für zahlreiche Bauwerke in Rom und anderen italienischen Städten verwendet. Heutzutage wird er in zahlreichen Ländern weltweit eingesetzt.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Travertinsorte aus Tivoli (früher Tibur) und Guidonia Montecelio bei Rom war für die Gesteinsfamilie der Travertine namensgebend, denn der lateinische Name lapis Tiburtinus („Stein aus Tibur“) wurde im Laufe der Zeit zu Travertin verstümmelt.[1]

Steinbruch des Römischen Travertins bei Guidonia

Es gibt vier Typen des Römischen Travertins, den hellen Chiaro, den an Onyx erinnernden Oniciato, den dunklen Scuro und den nach einer Lagerstätte benannten Fosse.[2]

Entstehung und Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römischer Travertin gegen das Lager aufgesägt, Muster: ca. 14 × 15 cm

Der Römische Travertin entstand im Holozän.

Travertin ist ein Kalkstein, der chemisch ausgefällt wurde. Dieses Gestein enthält nahezu ausschließlich Calciumcarbonat und das Mineral Limonit färbt es gelblich bis braun. Travertine sind porös und mit Hohlräumen durchsetzt. Im Prozess der Entstehung wurden Pflanzen und Pflanzenteile eingeschlossen, die anschließend zersetzt wurden. Die Hohlräume zeigen häufig Abdrücke von Pflanzenteilen.

Technische Eigenschaften und Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römischer Travertin wird in Deutschland vor allem in zwei Sorten gehandelt, die hellgelbe und die nussfarbene (genannt Nocce). Beide können poliert werden, die Politur im Freien lässt aufgrund der derzeit herrschenden sauren Umweltbedingungen innerhalb kurzer Zeiträumen nach. Römischer Travertin ist trotz hoher Wasseraufnahme, wenn er gegen das Lager aufgesägt wird, frostfest.

Dieser Travertin ist schwach gebändert. Manche Gesteinslagen zeigen fast keine Poren, andere Lagen haben bis zu 10 Prozent sichtbare Poren.[2]

Dieser Stein wird seit der Antike für zahlreiche Bauten, Skulpturen und für Bauzier verwendet. Vor allem in Italien wird er heute (2008) noch als Baustein und für Türen- und Fensterumrahmungen verwendet, ferner für Fassadenplatten. Des Weiteren ist er ein von Steinbildhauern begehrter Werkstein, weil er relativ weich und deshalb unschwer zu bearbeiten ist. Aufgrund seiner Frostsicherheit wurde und wird er in Deutschland in Form plattierter Außentreppen und Außenfassaden verbaut.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Trevi-Brunnen besteht aus Römischem Travertin

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Monica T. Price: The sourcebook fo decorative stone. an illustrated identication guide. Thames & Hudson, London 2007, ISBN 978-0-500-51341-5.
  • Dietmar Reinsch: Natursteinkunde. Eine Einführung für Bauingenieure, Architekten, Denkmalpfleger und Steinmetze. Enke, Stuttgart 1991, ISBN 3-432-99461-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dietmar Reinsch: Natursteinkunde, S. 161 (siehe Literatur)
  2. a b Friedrich Müller: INSK kompakt. Die internationale Naturwerksteinkartei für den aktuellen Markt. Ebner Verlag. Karteiblatt 75.5