Raffinierstahl

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Raffinierstahl oder auch Gärbstahl ist eine frühe Form des heutigen Stahls und war Rohmaterial für Schmiedeprodukte. Den Herstellungsprozess bezeichnet man als Gärben und beinhaltet verschiedene Schmiedetechniken.

Aus dem von der Eisenzeit bis zur Erfindung des Puddelverfahren verwendeten Rennofen wird durch die Verhüttung von Eisenerz und Holzkohle eine Stahlluppe aus Renneisen gewonnen. Dieses Grundmaterial ist allerdings durch die zahlreichen Einschlüsse von Schlacke, die poröse (schwammartige) Struktur und die sehr starken Schwankungen im Kohlenstoffgehalt für eine direkte Verarbeitung ungeeignet. Eine Veredelung (Raffination) des Renneisens ist nötig. Das wird durch mehrfaches Ausschmieden und Falten des Eisens und anschließendem Feuerschweißen erreicht. Anders als bei der Herstellung von Damaszener Stahl dient das Falten hier jedoch nicht der Erzeugung einer Schichtstruktur (Muster) zweier Stähle oder Nichteisenmetalle (z. B. Mokume-Gane) mit verschiedenen Eigenschaften, sondern nur der Homogenisierung des Materials. Nach dieser Veredelung sind die Einschlüsse entfernt und der Kohlenstoffgehalt weitgehend einheitlich. Das Material wird jetzt als Raffinierstahl bezeichnet und kann für die Weiterverarbeitung zu verschiedensten Schmiedeprodukten verwendet werden.

Die Qualität des Raffinierstahls ist stärker von den Vorprodukten und dem Können der Handwerker abhängig als der industriell in Hochöfen hergestellte Stahl, da sich durch heutige Prozesse die Anteile der Legierungselemente und die Reinheit des Materials weit besser kontrollieren lassen. So hat der Raffinierstahl heute die industrielle Bedeutung verloren.

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Einzig Schmiede -Kunstschmiede oder Messerschmiede- die noch auf traditionelle Art und Weise arbeiten und auch auf die Verwendung der entsprechenden, historischen Materialien Wert legen, nutzen auch heute noch Raffinierstahl für ihre Arbeiten. Guter Raffinierstahl weist zum Teil bessere Eigenschaften auf als modern erzeugter, gleicher Zusammensetzung. Unerreicht sind bis heute z. B. die in Handarbeit hergestellten Schwerter (Katana) der japanischen Schmiede. Durch das meist stärker in eine Richtung ausgerichtete Gefüge ist die Kerbschlagzähigkeit in Querrichtung höher und in Längsrichtung geringer, was gerade bei der Herstellung von Messern oder Handwaffen erwünscht ist. Diese Anisotropie wird bei der heutigen industriellen Stahlherstellung zur weiteren Homogenisierung zu unterdrücken versucht, zum Beispiel durch Kreuzwalzen von Blechen.