Rasgueado

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Rasgueado ist die Bezeichnung für verschiedene Anschlagstechniken der Gitarre, die vor allem bei der spanischen Flamenco-Gitarre Anwendung finden und bei der alle oder mehrere Saiten angeschlagen werden.[1] Die Schwierigkeit dieser Technik liegt in dem oft langanhaltenden, perlend-rollenden Rhythmus, der durch koordinierte und zeitlich versetzte Abwärtsbewegung mehrerer Finger erzeugt wird. Bei anderen Rasgueadotechniken werden zusätzlich die Finger entgegengesetzt bewegt und der Daumen eingesetzt.

Die Abwärtsschläge der Finger kommen aus dem mittleren Fingergelenk. Erst schlägt der kleine Finger die Saiten von oben nach unten durch. Erst danach – und nicht während der kleine Finger noch unterwegs ist! – beginnt der Ringfinger mit dem Abwärtsschlag. Die restlichen Finger folgen diesem Muster. Wenn der Zeigefinger mit dem Schlag beginnt, muss der kleine Finger wieder in der Ausgangsposition sein, um kurz darauf ohne Lücke wieder neu zu beginnen.

Oftmals schließt sich an den Abwärtsschlag des Zeigefingers direkt ein Aufwärtsschlag des Zeigefingers an, worauf mit der Abwärtsbewegung des kleinen Fingers der Zyklus erneut beginnt. Der perkussive Effekt wird erreicht, indem die Finger am Daumen „eingeklemmt“ und dann – mit Druck nach unten „geschnippt“ – freigelassen werden. So entsteht eine kontinuierliche Bewegungsfolge, die typisch für diese Anschlagstechnik ist.

Außer dem c-a-m-i-Rasgueado (der von modernen Flamenco-Gitarristen kaum noch verwendet wird) gibt es weitere Varianten, am häufigsten ist a-m-i-i (zweites i ist Aufschlag). Ferner den Dreier-Rasgueado i-a-i-Rasgueado, der zum Beispiel für Tangos oder Fandangos (Flamencotänze) verwendet wird.

Eine weitere Rasgueadotechnik für einen cierre („Abschluss“) heißt abanico (von spanisch „Fächer“) und verwendet Daumen und Mittel-/Ringfinger (z. B. nach einer Falseta, z. B. p-ma-p- p-ma-p p).

Das Rasgueado (als Durchstreichen bzw. strumming der Saiten mit der Nagelfläche der Fingerspitzen[2]) wurde erstmals in europäischen Lehrbüchern für die Barockgitarre, etwa von Gaspar Sanz und seinem ihn vereinfachenden Plagiator[3] Ruiz Ribayaz (1630–1672), beschrieben.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikibooks: Gitarre – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Gerhard: Spieltechnische Aspekte des Flamenco. In: Gitarre & Laute. Band 1, Heft 3, 1979, S. 34–39; hier: S. 36 f.
  2. Jerry Willard (Hrsg.): The complete works of Gaspar Sanz. 2 Bände, Amsco Publications, New York 2006 (Übersetzung der Originalhandschrift durch Marko Miletich), ISBN 978-082561-695-2, Band 2, S. 12.
  3. James Tyler: A guide to playing the baroque guitar. Indiana University Press, Bloomington und Indianapolis 2011, ISBN 978-0-253-22289-3, S. 109.
  4. Gerhard Klingenstein (Gesprächsführung und Übersetzung): Es gibt keine ernste Musik oder nicht ernste Musik ...: Interview mit Jorge Cardoso. In: Gitarre & Laute. Band 7, Heft 5, 1985, S. 14–18; hier: S. 16.