Referenzertrag

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Der Referenzertrag ist eine typenspezifische Leistungskennzahl für Windkraftanlagen. Laut Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist er definiert als „die für jeden Typ einer Windenergieanlage einschließlich der jeweiligen Nabenhöhe bestimmte Strommenge, die dieser Typ bei Errichtung an dem Referenzstandort rechnerisch auf Basis einer vermessenen Leistungskennlinie in fünf Betriebsjahren erbringen würde“.[1]

Gesetzliche Spezifikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Typ der Anlage bestimmen deren Typenbezeichnung und Nennleistung, die Rotor-Kreisfläche und die Nabenhöhe gemäß den Angaben des Herstellers.[1] Der Referenzstandort ist definiert durch eine Rayleigh-Verteilung der Jahreswindgeschwindigkeit in einer Höhe von 30 m über dem Grund mit einem Mittelwert von 5,5 m/s, einem logarithmischen Höhenprofil und einer Rauheitslänge von 0,1 m.[1]

Das EEG schreibt vor, dass der Referenzertrag „nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik zu ermitteln“ ist. Die Einhaltung dieser Regeln wird vermutet, wenn die „Verfahren, Grundlagen und Rechenmethoden“ angewendet werden, die in den zum Zeitpunkt der Ermittlung gültigen Fassung der Technischen Richtlinien für Windenergieanlagen der Fördergesellschaft Windenergie e.V. beschrieben sind.[1]

Zur Berechnung von Referenzerträgen sind Einrichtungen berechtigt, die entsprechend den Anforderungen von ISO/IEC 17025 „von einer staatlich anerkannten oder unter Beteiligung staatlicher Stellen evaluierten Akkreditierungsstelle“ als kompetente Prüf- und Kalibrierungsstelle „akkreditiert sind“.[1]

Rechtliche und wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut den früheren Fassungen des EEG durften nur solche Anlagen gefördert werden, die 60 % des Referenzertrages nicht unterschritten. Diese Regel wurde in der Fassung des EEG von 2012 ersatzlos gestrichen.[2]

Ein wirtschaftlicher Betrieb von Windenergieanlagen der Leistungsklasse von 2 MW bis 2,9 MW ist unter den Vergütungsbedingungen des EEG vor allem an Standorten möglich, an denen ein Ertrag von 80 % bis 120 % des Referenzertrages erzielt wird. Bei 60 % des Referenzertrages und weniger verzinst sich das eingesetzte Eigenkapital in der Regel nicht. Aber auch bei sehr ertragsstarken Standorten mit 150 % des Referenzertrages sinkt die Wirtschaftlichkeit, weil an diesen Standorten die Einspeisevergütung laut EEG geringer ist.[3] Diese allgemeine Betrachtung ist jedoch von einer Reihe von Parametern abhängig; im Einzelfall können daher andere Ergebnisse zum Tragen kommen. Maßgeblich sind unter anderem das Verhältnis von Fremd- und Eigenkapital, die Zinskosten für das Fremdkapital, die Gestehungskosten für die Anlage und die Betriebskosten im Einzelfall.[3]

Für Investoren gilt ein Richtwert von 80 % des Referenzertrages als Minimum für den wirtschaftlichen Betrieb einer Windkraftanlage.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Anlage 3 zum Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz - EEG), abgerufen am 28. Dezember 2013
  2. Anna-Kathrin Wallasch; Knud Rehfeldt: Wirtschaftlichkeit von Standorten für die Windenergienutzung. Hrsg.: Deutsche WindGuard GmbH. Deutsche WindGuard GmbH, Varel April 2012, S. 8 ([1] [PDF; abgerufen am 28. Dezember 2013]).
  3. a b Anna-Kathrin Wallasch; Knud Rehfeldt: Wirtschaftlichkeit von Standorten für die Windenergienutzung. Hrsg.: Deutsche WindGuard GmbH. Deutsche WindGuard GmbH, Varel April 2012, S. 10 ([2] [PDF; abgerufen am 28. Dezember 2013]).
  4. Windenergie Erlass Baden-Württemberg. Gemeinsame Verwaltungsvorschrift des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur und des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft. Stuttgart 9. Mai 2012 ([3] [PDF; abgerufen am 28. Dezember 2013]).
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