Reformierte Kirche Weiach

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Die reformierte Dorfkirche Weiach. Älteste Darstellung von Hch. Meister, 1716
Reformierte Kirche Weiach (2011)
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Das Pfarrhaus im ummauerten Kirchenbezirk von Weiach

Die Reformierte Kirche Weiach ist ein evangelisch-reformiertes Gotteshaus in der Gemeinde Weiach im Zürcher Unterland. Sie wurde 1705/06 neu errichtet und steht seit Dezember 1970 unter eidgenössischem Denkmalschutz (vgl. die Liste der Kulturgüter von nationaler Bedeutung; KGS-Nummer 10339).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Zürcher Reformation verfügte Weiach lediglich über eine Kapelle mit einem Kaplan, welcher zur nördlich des Rheins gelegenen Pfarrei Hohentengen gehörte. Von da an wurden die Prädikanten von Zürich aus entsandt. 1591 erreichte die Gemeinde Weiach die Errichtung einer selbstständigen Pfarrei, deren Kollatur dem Zürcher Kleinen Rat zustand.

Die alte Kirche im Oberdorf wurde im 17. Jahrhundert erweitert, dann wegen Baufälligkeit 1705 abgetragen. Rund 250 Schritt entfernt wurde das heutige Bauwerk erstellt. Die Kirche steht im Eigentum der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Weiach, die Regierung in Zürich sprach lediglich Subventionen für Bau und Renovationen zu.

Die Bauleitung hatte der von der Zürcher Regierung mit der Grenzsicherung beauftragte Festungsingenieur Hans Caspar Werdmüller inne, weshalb die Kirche in eine zur militärischen Verteidigungsstellung umfunktionierbare Anlage eingebunden und der Friedhof mit festen Mauern umgeben wurde. Die originale, nordöstliche Friedhofmauer sowie die daran anschliessende Pfarrscheune weisen noch sichtbare Schiessscharten aus, diejenigen der Kirche selber wurden später vermauert.

Architektur und Innenausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schlichte Kirche zeigt das anfangs des 18. Jahrhunderts bei kleinen zürcherischen Landkirchen übliche Schema eines rechteckigen, an den Ecken der einen Schmalseite abgeschrägten Saales. Auf dem First des Satteldaches sitzt über dem Polygon ein aus Holz erstellter vierseitiger Dachreiter mit achtseitigem, leicht geschweiftem Spitzhelm.

Der Saal ist 20.1 m lang, 10.25 m breit und 7.15 m hoch. Er weist je drei innen und aussen gekehlte Rundbogenfenster in den Längswänden und im Polygon auf. Einziger Wandschmuck ist ein Bibelzitat (Jer 17, 12-14). Weiter besteht ein Vorbau in Fachwerk links neben dem Haupteingang, welcher zuerst als Aufbahrungsraum benutzt wurde und heute als Sigristenzimmer dient.

Im Innern ist eine flache, durchgehende Holzdecke mit Feldereinteilung und eine Westempore zu sehen. In dem chorartig erhöhten Polygon steht der Taufstein mit der zur Bauzeit üblichen Kelchform, sowie mit Wulsten belegter Schale. Die polygonale Holzkanzel ruht auf einer abgeschrägten Konsole und ist mit 1706 datiert. Die Kirchenstühle im Chor und der Pfarrstuhl zeigen ausgeschnittene Wangen und Rückwände mit Rundbogenfüllungen zwischen Pilastern und datieren ebenfalls teilweise auf das Baujahr.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste fixe Musikinstrument war ab 1866 ein Trayser-Harmonium. Dieses wurde 1930 durch eine im Chor platzierte pneumatische Kuhn-Orgel ersetzt. Bereits mit der Renovation von 1966/68 musste das Instrument ersetzt werden. Seit 1969 wird das heutige Instrument, eine Orgel der Manufaktur Neidhart & Lhôte aus St. Martin, Kanton Neuenburg bespielt. Das Instrument steht auf der Empore. Es weist zwei Manuale und ein Rückpositiv in der Emporenbrüstung auf.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dachreiter hängen drei Glocken von 1843, gegossen von Jakob Keller in Unterstrass. Bis 1842 gab es lediglich zwei Glocken, wovon die grössere aus dem Jahre 1682 und damit noch von der Vorgängerkirche im Oberdorf stammte. Die heutigen Glocken wiegen etwa 12 1/2 Zentner (390 Pfund, 680 Pfund, 1380 Pfund) und bilden die Tonfolge as – c'' – es''.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emil Aftergut: Reformierte Kirchen im Kanton Zürich von der Reformation bis zur Romantik, Diss. Univ. Zürich, Berlin 1922.
  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. (Kunstdenkmäler der Schweiz, Band 15). Basel, 1943 – S. 143-144.
  • Emil Maurer: Die Kirche zu Weiach. Weiach, 1965. (Hrsg.: Evang.-ref. Kirchgemeinde Weiach)
  • Emil Maurer: Eine neue Orgel für die Kirche Weiach. Weiach, 1966. (Hrsg.: Kirchenpflege Weiach)
  • Zürcher Denkmalpflege (Hrsg.): Weiach. Reformierte Kirche. Gesamtrestaurierung. In: 6. Bericht 1968/1969 – S. 143-144.
  • Kantonale Denkmalpflege, Zürich: Dossier Weiach. Objektblatt Kirche Weiach. Inventarisiert Februar 1981, mit Nachtrag Januar 1990.
  • Ulrich Brandenberger: «ein nöüer Kirchenbauw allhier zu Weyach». 300 Jahre Kirche Weiach, 1706–2006. Herausgegeben von der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Weiach und der Ortsmuseumskommission Weiach. Weiach, September 2006 – 68 S.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Reformierte Kirche Weiach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 33′ 28″ N, 8° 26′ 16″ O; CH1903: 675210 / 267915