RegioPort Weser

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Die Mindener Häfen am Wasserstraßenkreuz Minden und das Entwicklungsgebiet RegioPort Weser unter Einbeziehung des Bückeburger Hafens Berenbusch

Der RegioPort Weser ist ein geplanter neuer Hafen am Mittellandkanal bei Minden, der dem Containerumschlag dienen soll. Er soll den zunehmend an seine Kapazitätsgrenze gelangten Hafen Minden ergänzen. Der trimodale Anschluss durch Binnenschiff, Eisenbahn und Lastkraftwagen ermöglicht die vielfältige Nutzung der Transportkapazität. Vor allem die Region Ostwestfalen-Lippe und das Ruhrgebiet sollen durch diesen Hafen Nutzen haben und die Seehäfen zunehmend entlasten. Die Planungen werden durchgeführt vom Planungsverband RegioPort Weser, dem die nordrhein-westfälische Stadt Minden, die niedersächsische Stadt Bückeburg sowie die Kreise Minden-Lübbecke und Schaumburg angehören. Das Gelände für den neuen Hafen liegt östlich der Bahnstrecke Nienburg-Minden am Mittellandkanal. Die Fläche, auf der unter anderem der Container- und Stückguthafen entstehen soll, beträgt etwa 14 Hektar nördlich des Kanals sowie 17 Hektar im ausgebauten Hafen Berenbusch.[1] In den betroffenen Ortsteilen Cammer und Berenbusch regt sich Widerstand gegen die Planungen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zunehmende Containerverkehr führt den alten Industriehafen am Wasserstraßenkreuz Minden an seine Kapazitätsgrenzen. Umschlagssteigerungen um bis zu 80 % verlangen nach neuen Flächen, die der bestehende Hafen nicht bieten kann.[2] Zudem sind die Schleusen, die den Zugang zum Industriehafen herstellen, nur auf die alte Europaklasse der Binnenschiffe ausgelegt und können nicht die neuen Großmotorgüterschiffe schleusen. Daher plante man ab Anfang 2000 einen neuen Hafen im äußersten Osten der Stadt Minden an der Grenze zu Niedersachsen. Damit soll eine Kapazitätsanpassung des Hinterlandhafens für die Verbindung zu den Seehäfen Bremen, Nordenham, Hamburg und Wilhelmshaven geschaffen werden.[3] Die Containeranlage im Industriehafen in Minden ist bisher nur für Schiffe bis zu einer Länge von 85 Metern ausgelegt.[4]

Planungsdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den RegioPort Weser bei Kanalkilometer 106 ist eine Trimodalität (Schiff, Straße, Bahn) geplant, die in mehreren Schritten bis 2022 hergestellt werden soll. Die Planer gehen zunächst von einer Gesamtfläche am Hafen von 14 Hektar statt der einmal geplanten Fläche von 25 Hektar aus.[5]

Der Ausbau der Mittelweser für Großmotorschiffe ist bislang nicht erfolgt und erscheint noch fraglich.[6][7]

Widerstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Anliegergemeinde Cammer wurde eine "Bürgerinitiative Containerhafen (Bicon)" gegen das Projekt gegründet. Sie moniert vor allem die zusätzlichen Belastungen durch Lastkraftwagen, deren Anzahl von der Bürgerinitiative mit rund 400 pro Tag angegeben wird.[8] Ferner kritisiert sie am vorgestellten Masterplan, dass der Standort falsch gewählt sei.[9]

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster erklärte mit Urteil vom 26. Juni 2017 den Bebauungsplan "RegioPort Weser I" aus formalen Gründen für unwirksam. Der Planungsverband RegioPort Weser sei nicht rechtwirksam begründet, da die die ihm angehörenden Landkreise in dieser Sache keinerlei Planungskompetenz besitzen. Das OVG ließ aber die Revision beim Bundesverwaltungsgericht zu.[10][11]

Bauabschnitte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2010 wurde ein Masterplan zum RegioPort veröffentlicht, der eine umfassende Regionsplanung vorlegte, jedoch keine rechtlichen Auswirkungen auf den Bau hatte.[12] Der erste Bauabschnitt betrifft die Errichtung der Kaianlage und der Umschlagfläche am Mittellandkanal sowie die Errichtung einer Krananlage; als Ausgleich sollen zahlreiche Maßnahmen zur Retention und Renaturierung umgesetzt werden.

In seiner Sitzung am 28. Februar 2013 stimmte der Rat der Stadt Minden in namentlicher Abstimmung dem Grundsatzbeschluss für den Bau des RegioPorts zu.[13] Die ursprünglichen Zeitplanungen mit einem Baubeginn 2013 konnten nicht eingehalten werden.[14]

Am 25. Juli 2015 wurde bei einer Verbandsversammlung des Planungsverbandes RegioPort Weser mit 14 gegen 2 Stimmen und einer Enthaltung der Bebauungsplan „RegioPort Weser 1“ angenommen. Darin wurde die Gesamtfläche des Hafens auf 14 Hektar reduziert, die ökologischen Eingriffe werden durch eine Renaturierung im Bereich der Aue vor Ort kompensiert sowie die Lärm- und Lichtbelästigung reduziert. Die Container dürfen in allen Bereichen nicht über 15 Meter Höhe gestapelt werden, im Nordteil ist dies auf 10 Meter begrenzt. Begleitend findet ein Monitoring statt.[15]

Am 3. Juli 2017 wurde die Bauphase offiziell ohne den üblichen „ersten Spatenstich“ begonnen.[16]

Betreiber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo der Betreiber-gesellschaft RegioPort GmbH

Den Hafen soll die Gesellschaft RegioPort GmbH betreiben, eine Tochtergesellschaft der Hafen GmbH, die wiederum eine Tochter der Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (MEW) ist. Diese ist aus dem Stadthaushalt ausgegliedert.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: RegioPort Weser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zahlenangaben auf minden.de, abgerufen am 22. Februar 2017
  2. https://www.welt.de/wams_print/article2375589/Bei-Minden-entsteht-ein-riesiger-Container-Hafen.html
  3. http://www.regionalrat-detmold.nrw.de/sdnetrim/Lh0LgvGcu9To9Sm0Nl.HayIYu8Tq8Sj1Kg1HauCWqBZo5Ok6KfyIhuGWsBSq4Qp0OezKeyDWq8Sn6Rk1Lf0KjvFavETqASj1Mj0KaxJYr8Zm9UGJ/Beschlussvorlage_Regionalrat_RR-9-2008.pdf
  4. Hafenband_startet_in_die_Kundenwerbung Mindner Tageblatt vom 5. Mai abgerufen 5. Mai 2011
  5. Leuchtturm wird zu Lächerlichkeit Mindener Tageblatt vom 18. Oktober 2011
  6. Startschuss mit vielen Fragezeichen. In: Neue Westfälische Nr. 152/2017, 4. Juli 2017.
  7. Wirtschaftsverband Weser e.V. zum Ausbau der Mittelweser 14. Juni 2017.
  8. http://www.mt-online.de/lokales/blickpunkt/regio_port/2401654_Rechtliche_Schritte_gegen_Regionalrat.html
  9. Mindener Tageblatt vom 30. Juni 2010 abgerufen Juli 2010
  10. Pressemitteilung des OVG Münster
  11. dpa: Urteil: Bebauungsplan für «RegioPort Weser I» gekippt. In: Westfälische Nachrichten. (wn.de [abgerufen am 27. Juni 2017]).
  12. Mindener Tageblatt vom 30. Juni 2010 abgerufen Juli 2010
  13. regioport-nein-danke.de: Große Mehrheit für Millionenprojekt Regioport Weser abgerufen am 26. Februar 2016
  14. Startschuss mit vielen Fragezeichen. In: Neue Westfälische Nr. 152/2017, 4. Juli 2017.
  15. Mindener Tageblatt: "Weg fast frei für Mindens neuen Hafen", Druckausgabe vom 27. Juni 2015, Seite 5
  16. Startschuss mit vielen Fragezeichen. In: Neue Westfälische Nr. 152/2017, 4. Juli 2017.
  17. Mindener Tageblatt vom 16. Mai 2011 abgerufen 18. Mai 2011

Koordinaten: 52° 17′ 57″ N, 8° 59′ 2″ O