Renaturierung

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Die 2006/2007 renaturierte Weschnitz in Einhausen
Begonnene Maßnahmen zur Renaturierung der Weschnitz bei Lorsch im Juni 2007

Unter Renaturierung versteht man die Wiederherstellung von naturnahen Lebensräumen aus kultivierten, genutzten Bodenoberflächen. Theorie und Praxis der Habitat-Wiederherstellung mit definierten Ansprüchen ist Gegenstand der wissenschaftlichen Teildisziplin der Renaturierungsökologie. Gegenstand der Maßnahmen können, unter anderem, landwirtschaftliche Flächen, Meliorationsgebiete, aufgelassene Industrie- und Verkehrsanlagen oder Bergbaufolgelandschaften sein.[1]

In der Schweiz wird die Renaturierung von Flüssen und Bächen auch Revitalisierung genannt.

Anwendungsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moore[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den zeitaufwändigsten Renaturierungsprojekten zählen Moorrenaturierungen. Durch u. a. Wiedervernässung werden moorähnliche Habitate geschaffen.

Fließgewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Renaturierung von begradigten Flussläufen wird versucht, das ursprüngliche Flussbett und -ufer wiederherzustellen, die Strömungsgeschwindigkeit und damit die Überschwemmungsgefahr zu reduzieren sowie ursprüngliche Tier- und Pflanzenarten wieder anzusiedeln (Beispiele in Deutschland: Emscher, Isar, Jagst,[2] Menach, Schlatbach, Schwalm, Sieg, Tauber,[3] Untere Havel,[4] Weschnitz oder Wuhle). Beispielhafte Maßnahmen sind die Mäandrierung des Flussbetts, die Schaffung von Kiesbänken, Flussteilungen, Inseln und Eisvogel-Wänden.[3]

Eine Sonderform der Renaturierung in Städten ist die Offenlegung unterirdisch kanalisierter Gewässer (Dole) zur Aufwertung der Lebensqualität.[5]

Wirkung und Grenzen der Renaturierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Renaturierung lassen sich degradierte bzw. in einem naturfernen Status befindliche Flächen üblicherweise nicht wieder komplett in den Zustand vor dem Eingriff versetzen. Unter anderem bleibt die Biodiversität auf den renaturierten Flächen geringer als vor der Störung, auch der Kohlenstoffkreislauf und der Stickstoffkreislauf weisen nach der Renaturierung geringere Werte auf als die ursprünglichen Ökosysteme. Die Wiederherstellung von Flächen, die durch menschliche Nutzung geschädigt wurden, ist somit kein Ersatz für den vorbeugenden Schutz von Ökosystemen.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die neue Isar – Renaturierung, kulturelle Öffnung und Ideen-Fluß..., Band I, Herausgegeben von Ralf Sartori. Buch & Media GmbH, München 2010, ISBN 978-3-86520-381-6
  • Die neue Isar – Renaturierung, kulturelle Öffnung und Ideen-Fluß..., Das Buch zum Abschluß des Projekts „Isar-Plan, Band II, Herausgegeben von Ralf Sartori. Buch & Media GmbH, München 2011, ISBN 978-3-86520-390-8
  • Peter Klimesch: Isarlust – Entdeckungen in München, MünchenVerlag, München 2011, ISBN 978-3-937090-47-4. Die renaturierte Münchner Isar von der Großhesseloher Eisenbahnbrücke bis zur St.-Emmeram-Brücke.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Renaturierung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Kollmann: Warum Renaturierung? In: Renaturierungsökologie. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2019, ISBN 978-3-662-54913-1, S. 3–12, doi:10.1007/978-3-662-54913-1_1.
  2. Fränkische Nachrichten: Renaturierung: Nach Jagstkatastrophe großen Maßnahmenkatalog umgesetzt / Widerstandskraft des Gewässers stärken. Eine Umleitung gehört zum Progamm. 19. Oktober 2016. Online auf www.fnweb.de. Abgerufen am 18. Dezember 2016.
  3. a b Fränkische Nachrichten: Renaturierung der Tauber: Aufwändige Baumaßnahme des Regierungspräsidiums Stuttgart steigert die ökologische Vielfalt / Kosten von über einer Million Euro. Neues Flussbett nimmt immer mehr Gestalt an. 27. Oktober 2016. Online auf www.fnweb.de. Abgerufen am 18. Dezember 2016.
  4. NABU: Untere Havel. Online auf www.nabu.de. Abgerufen am 17. Dezember 2016.
  5. Peter-J Kramer: Offenlegung von Stadtbächen weltweit
  6. David Moreno-Mateos et al.: Anthropogenic ecosystem disturbance and the recovery debt. In: Nature Communications. Band 8, 2017, doi:10.1038/ncomms14163.