Reibempfindlichkeit

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Als Reibempfindlichkeit bezeichnet man das Verhalten eines Stoffes (meist eines Explosivstoffes) gegenüber mechanischer Belastung. Das Kriterium ist dabei, dass sich der Stoff unter der Einwirkung einer Reibbelastung unter Knistern, Entflammung oder Explosion zersetzt.

Prüfmethode[Bearbeiten]

Als Prüfmethode wird der von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) entwickelte Reibtest verwendet. Hierbei wird der Stoff zwischen zwei Porzellankörpern mit einer definierten Reibkraft belastet. Diese ergibt sich aus dem Produkt von Reibweg und Gewichtseinstellung am Prüfgerät und wird in der Einheit Newton (N) angegeben.[1]

Einstufungen[Bearbeiten]

Im Sinne des Sprengstoffgesetzes sowie der Richtlinie 92/69/EWG der Europäischen Kommission gilt ein Grenzwert von 360 N, unter dem eine Einstufung als explosionsgefährlicher Stoff erfolgt. Der Reibtest gehört neben der Prüfung auf Schlagempfindlichkeit (Fallhammertest) und dem Stahlhülsentest zu den nach dem Sprengstoffgesetz vorgeschriebenen Prüfungen. Die Prüfung ist als Test 3(b)(i) (BAM friction apparatus) innerhalb der Testserie 3 Teil der Prüfschemata zur Klassifizierung von Explosivstoffen der Klasse 1 im Sinne der Gefahrgutvorschriften.[2]

Beispiel[Bearbeiten]

Besonders reibeempfindliche Stoffe sind zum Beispiel Silberacetylid mit <0,1 N, Quecksilberfulminat mit 3 N oder Tetrazen mit 8 N.[3]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Verordnung (EG) Nr. 440/2008 der Kommission vom 30. Mai 2008 zur Festlegung von Prüfmethoden gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH), Testmethode A.14 Explosionsgefahr.
  2. UN Recommendations on the Transport of Dangerous Goods, Manual of Tests and Criteria, Fifth Revisited Edition 2009 United Nations Publication, New York and Geneva, ISBN 92-1-139087-7.
  3. H. Koenen, K.H. Ide: Explosivstoffe 4 (1956) 1.

Literatur[Bearbeiten]

  • Verordnung (EG) Nr. 440/2008 der Kommission vom 30. Mai 2008 zur Festlegung von Prüfmethoden gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH), Testmethode A.14 Explosionsgefahr
  • UN Recommendations on the Transport of Dangerous Goods, Manual of Tests and Criteria, Fifth Revisited Edition 2009, United Nations Publication, New York and Geneva, ISBN 92-1-139087-7
  • DIN EN-13631-3 Explosivstoffe für zivile Zwecke - Sprengstoffe - Teil 3: Bestimmung der Reibempfindlichkeit von Explosivstoffen, Beuth Verlag
  • Josef Köhler, Rudolf Meyer, Axel Homburg: Explosivstoffe. Wiley-VCH, Weinheim 2008, ISBN 3-527-32009-1; ISBN 978-3-527-32009-7.
  • Berthold, W.; Löffler, U.: Lexikon sicherheitstechnischer Begriffe in der Chemie, Verlag Chemie Weinheim 1981, ISBN 3-527-25894-9