Reichsforstamt

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Das Reichsforstamt war die oberste Reichsbehörde für Forst- und Jagdwesen, Holzwirtschaft, Naturschutz und Naturdenkmalpflege im nationalsozialistischen Deutschen Reich. Das Reichsforstamt wurde mit dem „Gesetz zur Überleitung des Forst- und Jagdwesen auf das Reich“ errichtet, das am 3. Juli 1934 einstimmig von der Reichsregierung verabschiedet wurde.[1] Der Wald sollte in seiner Bedeutung für Volk und Landeskultur erhalten und die Forstwirtschaft mit ihrer Aufgaben der Arbeits- und Rohstoffversorgung für das deutsche Volk gefördert werden. Um dieser Zielsetzung gerecht zu werden, sollte eine reichseinheitliche Behörde geschaffen werden, die auch der Gleichschaltung der vormaligen Landesbehörden dienen sollte.

An der Spitze der Behörde stand der Reichsforstmeister im Range eines Reichsministers. 1935 wurde das Reichsforstamt mit dem preußischen Landesforstamt vereinigt.

Neben dem Forstwesen wurde 1934 auch das Jagdwesen aus dem Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft ausgegliedert und dem Reichsforstamt unterstellt. Für das Jagdwesen war zunächst die Abteilung IV zuständig. In Jagdsachen führte der Reichsforstmeister die Bezeichnung Reichsjägermeister.

Als Mittel- und Unterbehörden standen dem Reichsforstamt die Landesforstämter und die Forstämter des Reiches sowie die Landesforstverwaltungen und Forstämter der Länder zur Verfügung.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Reichsforstamt gliederte sich bis 1936 in vier Abteilungen plus Stab:

  • Zentral- und Personalabteilung (I) – Leitung: Oberlandforstmeister Adolf Kamlah (1899 - 1962)
  • Forstverwaltung und Forstwirtschaftsbetrieb (II) – Leitung (1935–1941): Ministerialdirektor Otto Erb (* 23. Januar 1880 in Pirmasens, † 22. Dezember 1961 in Frankenthal)[2]
  • Forst- und Holzwirtschaftspolitik (III) – Leitung: Ministerialdirektor Willi Parchmann
  • Jagdabteilung (Reichsjagdamt) (IV) – Leitung: Oberstjägermeister Ulrich Scherping

Nach der Übernahme der Privatforstverwaltung vom Reichsnährstand im Frühjahr 1941 wurde das Reichsforstamt auf neun (ab 1942: acht) Abteilungen erweitert, die im Wesentlichen bis 1945 bestehen blieben:

  • Zentralabteilung (Z) (angegliedert das Referat Reichsverteidigung und Wehrwirtschaft) – Leitung: Ministerialdirigent und SS-Standartenführer Reinhold Maul (NSDAP-Nr. 2290763 und SS-Nr. 347167)
  • Personalabteilung (P) – Leitung: Erich Chrobog (Vater von Jürgen Chrobog)
  • Abteilung Forstpolitik und Forstwissenschaft (F) (angegliedert die Kolonialgruppe K, die 1941 noch eine eigene Abteilung bildete) – Leitung: Willi Parchmann
  • Abteilung Forstverwaltung und Forstwirtschaftsbetrieb (B)
  • Abteilung Privatwald (W)
  • Abteilung Holzwirtschaft (H)
  • Reichsjagdamt (J) – Leitung: Ulrich Scherping
  • Abteilung Naturschutz (N) Lutz Heck

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reichsforstmeister (im Range eines Reichsministers) und Preußischer Landesforstmeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Amtsantritt Ende der Amtszeit
Hermann Göring 3. Juli 1934 23. April 1945

Generalforstmeister und Staatssekretär (ständiger Vertreter des Reichsforstmeisters)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Amtsantritt Ende der Amtszeit
Walter von Keudell 3. Juli 1934 1. November 1937
Friedrich Alpers 1. November 1937 Februar 1944
Dietrich Klagges (er folgte Alpers nach, jedoch ist es unklar, ob er den Rang des Generalforstmeisters verliehen bekam) Februar 1944 1945

Stellvertreter des Generalforstmeisters (immer dienstältester Abteilungsleiter)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Amtsantritt Ende der Amtszeit
Ministerialdirektor Willi Parchmann 3. Juli 1934 (?) 13. Mai 1943
? 13. Mai 1943 1945

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen des Reichsforstamtes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reichsministerialblatt der Forstverwaltung. Hrsg. vom Reichsforstamt und Preußischen Landesforstamt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. RGBl. 1934 I, S. 534 f.
  2. 1943 in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet; R.Joachim Lilla: Erb, Otto, in: ders.: Staatsminister, leitende Verwaltungsbeamte und (NS-)Funktionsträger in Bayern 1918 bis 1945, URL: <https://verwaltungshandbuch.bayerische-landesbibliothek-online.de/erb-otto> (4. Dezember 2014).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dirscherl, Stefan: Tier- und Naturschutz im Nationalsozialismus, Göttingen: V & R Unipress, 2012, S. 73–75 (ISBN 978-3-8471-0029-4).
  • Rubner, Heinrich: Deutsche Forstgeschichte 1933-1945: Forstwirtschaft, Jagd, und Umwelt im NS-Staat, St. Katharinen: Scripta-Mercaturae-Verl., 1985 (ISBN 3-922661-24-6).