Reichtum (Schnitzler)

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Reichtum ist eine frühe Erzählung von Arthur Schnitzler, die im Sommer 1889 entstand und zwei Jahre darauf in der zweimal im Monat in Wien erscheinenden Literaturzeitschrift Moderne Rundschau erschien (Hefte 11 und 12 anno 1891). In der zweiten Hälfte des Jahres 1891 überarbeitete der Autor die ersten drei der acht Kapitel umfassenden Erzählung. Die Zweitfassung erschien noch im selben Jahr bei Carl Steinhardt in Wien[1].

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graf Spaun und Freiherr von Reutern erlauben sich einen Karnevalsscherz. Der Anstreicher Karl Weldein, ein mittelloser Trinker und Spieler, wird in einen eleganten Gesellschaftsanzug gesteckt und im Klub neben die adeligen Spieler gesetzt. Weldein, der früher Kunstmaler werden wollte, hat eine Glückssträhne und gewinnt am Spieltisch ein Vermögen. Der auf einmal steinreiche verkrachte Kunstmaler vergräbt sein Vermögen unter einer Brücke neben dem Fluss, betrinkt sich und kann sich am nächsten Morgen partout nicht an das Versteck erinnern. Seinen armen kleinen Sohn und seine kränkliche Frau, die als Näherin maßgeblich zum Unterhalt der kleinen Familie beiträgt, bedauert er weinerlich.

Dem Anstreicher fällt das Versteck erst nach zwanzig Jahren auf dem Totenbett ein. Die Frau ist zu dem Zeitpunkt längst verstorben. Der Sohn Franz, inzwischen ein Maler – talentierter als sein Vater – gräbt den Schatz aus und erwirkt über Graf Spaun Zugang zu jenem Klub. Franz hatte dem Grafen versichert, er könne diese Spielhölle nur in seinem nächsten Kunstwerk verewigen, nachdem er das Wesen dieses Hasardspiels durch Ausprobieren verinnerlicht habe.

Franz verspielt sein geerbtes Geld bis auf den letzten Heller und verliert außerdem den Verstand. Er gräbt erneut unter der Brücke und hält Kieselsteine für Goldstücke. Graf Spaun kann es einfach nicht fassen. In seinem Wahn ist Franz der eigene Vater geworden, der seine Frau, die Näherin und seinen kleinen Sohn Franz, also sich selbst, bemitleidet.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hofmannsthal habe 1922 in einer Laudatio auf Schnitzler hervorgehoben, der Autor sei bereits in seinen Anfängen mit Reichtum als Künstler hervorgetreten.[2]
  • Scheffel weist auf den märchenhaften Schluss hin, in dem es um Franzens Selbstmitleid geht: Der Sohn wird auf geradezu wunderbare Weise zum eigenen Vater.[3] Alles wiederholt sich im Leben. Vater und Sohn scheitern beide in dieser seltsam zirkulären Konstruktion. Der Vater kann sich zwanzig Jahre lang nicht an das Versteck erinnern und der Sohn kann das beabsichtigte Kunstwerk nicht erschaffen.[4] Zudem sei das gewählte soziale Umfeld einerseits typisch für naturalistisches Erzählen: Die Geschichte endet, wo sie beginnt – im Elend und der Vater, ein einfacher Handwerker, vererbt seine Gebrechen (Trunk- und Spielsucht), aber auch sein malerisches Talent, dem Sohne.[5] Schnitzler habe sich andererseits während der oben erwähnten Überarbeitung an Hermann Bahrs Zur Kritik der Moderne[6] von 1890 gehalten, also den Naturalismus überwinden wollen, wenn er das Innenleben Weldeins darstellt.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Scheffel, S. 27 unten
  2. Hofmannsthal, zitiert bei Scheffel, S. 34, 16. Z.v.u.
  3. Scheffel, S. 30, 8. Z.v.o.
  4. Scheffel, S. 34, 19. Z.v.u.
  5. Scheffel, S. 29, 17. Z.v.o.
  6. Hermann Bahr: Zur Kritik der Moderne im Internet Archive
  7. Scheffel, S. 31, unten