Reinkarnationstherapie

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Reinkarnationstherapie oder Rückführungstherapie ist eine auf Reinkarnationslehren beruhende Methode aus dem Bereich der Esoterik und der Alternativheilkunde.

Im wissenschaftlichen und gesetzlichen Sinn ist diese Methode zwar nicht als Psychotherapie und als Heilverfahren anerkannt, aber bei Anhängern der Esoterik durchaus populär.

Ziele sind ein „Erkenntnisgewinn“, d.h. die Möglichkeit, psychische Verletzungen aus [möglicherweise bloß vermeintlichen] „früheren Leben“ zu bearbeiten, was wie in der klassischen Psychotherapie durch das Wiedererleben seinerzeitiger Traumata erreicht werden soll, und die bloß durch deren Wieder-Durchleben, und damit beenden, mögliche Heilung des Klienten.

Zur „Rückführung“ werden öfters auch hypnotische Techniken genutzt.

Reinkarnation und Therapie[Bearbeiten]

Das Konzept „Reinkarnation“ (Wiedergeburt) existiert in den Weltreligionen Hinduismus und Buddhismus, denen insgesamt etwa 1,5 Milliarden Menschen angehören. Hinzu kommen lt. Statistik von 1999 etwa 10-30 % der Bevölkerung christlich geprägter westlicher Staaten.[1]

Die hier besprochene „Rückführungstherapie“ ist jedoch in den traditionell an Reinkarnation glaubenden Kulturen als belanglos zu betrachten -- sie ist ein westliches Konzept der 1970er-Jahre.

Die Reinkarnationstherapie wird von „alternativen“ Therapeuten, Heilpraktikern und esoterischen Instituten praktiziert, gehört aber auch zu den Praktiken einiger neureligiöser Gruppen und Sekten.

Amerikanische Reinkarnationstherapeuten sind Michael Newton, Morris Netherton, Brian L. Weiss, Bryan Jameison, Maxwell Maltz und Roger J. Woolger, niederländischer Vertreter ist Hans TenDam (Präsident von EARTh – European Association for Regression Therapy). [2]

Als deutsche Vertreter könnten [3] Thorwald Dethlefsen, Ruediger Dahlke, Jan-Hendrik Günter [4], Trutz Hardo, Jan Erik Sigdell, Christoph von Keyserlingk, Baldur Ebertin und andere genannt werden; einer der prominenteren Schweizer Vertreter ist Alexander Gosztonyi.

Angebotsspezialisierungen[Bearbeiten]

So genannte Rückführungen, die ohne therapeutische Zielsetzung (ggf. auch ohne therapeutische Qualifikation des Rückführenden) angeboten werden, dienen bloß der „Innenschau“.[5]

Anbieter der Regressionshypnose bewerben sich mit der Verheißung, Probleme des aktuellen Lebens durch [vermeintliches?] Erinnern, auch an vorgeburtliche, oder sogar „einem früheren Leben“ anhaftende, Traumata zu lindern oder beheben zu können.

Die Kosten einer derartigen Rückführungstherapie liegen bei durchschnittlich 3.000 €.[6]

Spirituelle Grundlage[Bearbeiten]

Die Reinkarnationstherapie geht davon aus, dass…[7]

  • Reinkarnation und Weiterentwicklung einer 'Seele' über eine Vielzahl von Erdenleben existieren.
  • …aktuelle psychische und körperliche Probleme durch frühere Inkarnationen verursacht sein können.
  • …Erinnerungen an vergangene Leben möglich sind.
  • …demgemäß Lernen aus früheren Leben möglich sei (westlich interpretierte Karmalehre), d.h.,
  • …dass Verstrickungen mit Traumata früherer Erdenleben durch Liebe und Vergebung auch im jetzigen Leben gelöst werden können, wodurch größere Bewusstheit, somit Heilung, auch im aktuellen Erdenleben der KlientInnen erreichbar sei.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits in frühen Hypnosversuchen tauchten Imaginationen von Rückführungen in frühere Leben auf. Bekannte Vorläufer der heutigen Rückführungstherapie waren etwa der britische Psychiater Alexander Cannon und sein brasilianischer Kollege Inácio Ferreira, die aktuelle Probleme ihrer Klientinnen mit in früheren Leben liegenden Traumata zu erklären versuchten.

Der erste Psychiater, der Patientinnen in diesem Sinn behandelte und darüber publizierte, war der Brite Denys Kelsey, der 1968 das erste Buch über Rückführungstherapie veröffentlichte.[8] Seine Methoden waren aber immer noch die der (früheren!) Hypnotherapie.

In Zürich hatte Alexander Gosztonyi bereits Mitte der 1960er Jahre mit therapeutischen Rückführungen gearbeitet. Er legte später seine Erkenntnisse in mehreren Werken dar.

Zwischen 1966 und 2005 veröffentlichte der in den USA lebende Psychiater Ian Stevenson zu diesem Thema: Er dokumentierte Aussagen von Kindern, die ohne Hypnose von „Erinnerungen an frühere Leben“ berichteten. Stevensons Publikationen und Vorträge trugen wesentlich dazu bei, Reinkarnation und Reinkarnationstherapie einem größeren westlichen Publikum bekannt zu machen.[9]

Deutscher Pionier der Reinkarnationstherapie (auch Rückführungstherapie oder Regressionstherapie) war Thorwald Dethlefsen (diesbezügliche Veröffentlichungen ab 1974).

Weiters publizierten und lehrten beispielsweise Winafred Lucas, Roger Woolger, Trisha Caetano und Hans TenDam über das damals schnell expandierende Fachgebiet. Ab den 1980ern hatte sich im deutschen Sprachraum der Begriff „Reinkarnationstherapie“ durchgesetzt.

Techniken[Bearbeiten]

Die Voraussetzung, um eine Rückführung zu erfahren, ist eine leichte Trance. In diese wird der Klient von den einzelnen Therapeuten auf unterschiedliche Weise geführt:[10]

  • die Trance kann durch Hypnose erzeugt werden
  • sie kann auch durch holotrope Atmung hervorgerufen werden
  • andere Therapeuten arbeiten mit Meditation
  • es gibt auch Menschen, die gelernt haben oder die dazu veranlagt sind, sich selber in diese Trance zu versetzen, ohne solche Techniken anzuwenden.
  • mithilfe von binauralen beats bei der Hemi-Sync-Methode und bei Mindmachines.

Eine sorgfältige Vorbereitung einer Rückführungstherapie beginnt mit einem ausführlichen Vorgespräch mit dem Klienten, in welchen die Fragen besprochen werden, die der Klient in seiner Rückführung klären will. Fragen zu folgenden Bereichen werden häufig gestellt:[11]

  • Was ist die Lebensaufgabe der aktuellen Inkarnation?
  • Gibt es Ursachen für Beziehungsprobleme oder Krankheiten, die in der Kindheit des aktuellen Lebens oder in früheren Leben liegen könnten?
  • Kontaktaufnahme mit verstorbenen Angehörigen
  • einfach nur Neugierde, mehr von früheren Leben zu erfahren
  • Einige Rückführungstherapeuten z.B. Dr. Brian Weiss bieten auch Reisen in zukünftige Leben an, um zu sehen, wie die noch bevorstehenden Inkarnationen gestaltet werden und wie man im aktuellen Leben darauf Einfluss nehmen kann.

Bei der eigentlichen Rückführung wird der Klient meistens erst in seine eigene Kindheit geführt. Dabei kann auch das Erleben der Geburt und die Zeit während der Schwangerschaft erinnert werden. Danach führt der Therapeut den Klienten zu dem Ort innerhalb des früheren Lebens, an den er reisen möchte, um seine Fragen beantwortet zu bekommen. Nach dem Betrachten einiger vergangener Leben ist auch ein Betrachten der Zeit im Jenseits zwischen den einzelnen Leben möglich.[12]

Von vielen Reinkarnationstherapeuten wird betont, Ziel bei einer Therapie sei nicht, die Phantasien eines Klienten auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Vielmehr gehe es um das Aufspüren von Verwicklungen, die im Unterbewusstsein verankert sind und die freie Entfaltung der Persönlichkeit beeinträchtigten. Wenn es gelänge, diese Verwicklungen aufzulösen, hätte dies einen günstigen Effekt für den Klienten. Die Reinkarnation könne auch nur als reine Arbeitshypothese verwendet werden. Manche Anbieter, wie bspw. Brian Weiss führe seine Klienten sogar in zukünftige Leben als Kategorie einer reinen Arbeitshypothese.[13]

Kritik[Bearbeiten]

Da Reinkarnation keine wissenschaftlich gesicherte Tatsache ist, besitzt auch eine auf dieser Idee aufbauende Therapie keinerlei solide Basis.

Risiken der Methode[Bearbeiten]

Die Gefahren der Reinkarnationstherapie liegen darin, dass einige ihrer methodischen Kernelemente (bspw. Regression unter Hypnose), gerade bei psychisch labilen Personen, als hoch riskant gelten. Rückführungstherapien werden daher von psychotherapeutischen Berufsverbänden nicht als Methode der Psychotherapie anerkannt. Insbesondere die Gefahren einer unkontrollierten Regression gelten als besonders brisant. Reinkarnationstherapien sind, vor allem wenn sie zum Zwecke der Behandlung psychischer Störungen angewendet werden, ein unstrittig unwissenschaftliches Verfahren mit beträchtlichen Risiken (bspw. maligne Regression, Komplikationen in hypnotischen Zuständen, psychotische Entgleisungen, pathologische Kollusion, Verlust der Selbststeuerungsfähigkeit des Patienten, fortgesetzte Suggestibilität sowie das Unterlassen des Aufsuchens von Ärzten und approbierten Psychotherapeuten).[14]

Risiko bei Heilern mit unzureichendem medizinischen Wissen[Bearbeiten]

Da die Begriffe 'Reinkarnationstherapeut' und 'Rückführungstherapeut' keine geschützten Begriffe sind, werden diese Leistungen auch von Menschen angeboten, die in vielen Fällen keine medizinische Ausbildung besitzen. So besteht die Gefahr, dass medizinische Kontraindikationen nicht erkannt werden oder sich ergebende psychische Probleme aus der Rückführungserfahrung nicht mit der gebührenden Sorgfalt behandelt werden. Wer sich in Deutschland vor Heilern mit mangelndem medizinischen Wissen schützen will, sollte darauf achten, dass der Rückführungstherapeut, dem man sich anvertraut, eine Approbation als Arzt, Psychotherapeut oder eine Zulassung als Heilpraktiker oder Heilpraktiker für Psychotherapie hat.

Kryptomnesie als Erklärungsansatz[Bearbeiten]

Von Kritikern der Reinkarnationstherapie wird Kryptomnesie als mögliche Erklärung vorgebracht. Darunter versteht man das Wiedererinnern von im Gedächtnis verborgenen Erlebnissen.

Organisation[Bearbeiten]

Organisationen, die an der Entwicklung dieses Fachgebiets beteiligt sind, sind die International Association for Regression Research and Therapies, das International Board for Regression Therapy, der World Congress for Regression Therapists und die EARTh Association for Regression Therapy EARTh.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andy Tomlinson: Die Seele heilen - erkenntnisse aus regressionen in vorleben und das spirituelle leben zwischen leben. From The Heart Press 2012, ISBN 978-0-9572507-0-3.
  • Michael Newton: Die Reisen der Seele: Karmische Fallstudien. 10. Auflage, Astrodata Verlag 2009, ISBN 978-3-907029-50-3.
  • Michael Newton: Die Abenteuer der Seelen: Neue Fallstudien zum Leben zwischen den Leben. 4. Auflage, Astrodata Verlag 2009, ISBN 978-3-907029-71-8.
  • Brian L. Weiss: Heilung durch Reinkarnationstherapie. Ullstein Taschenbuch Verlag Berlin, 1. Auflage 2007, ISBN 978-3-548-74352-3
  • Jan Erik Sigdell: Rückführung in frühere Leben. Ansata, München 2006 ISBN 3-7787-7275-9
  • Heike Dierbach: Die Seelenpfuscher. Pseudo-Therapien, die krank machen, Rowohlt Taschenbuch Verlag 2009, ISBN 978-3-499-62586-2
  • Raymond A. Moody: Leben vor dem Leben. Rowohlt Verlag GmbH, Sonderausgabe 2000, ISBN 3-8289-1832-8
  • Alexander Gosztonyi: Grundlagen und Praxis der Rückführungstherapie. Windpferd Verlag Oktober 2009; ISBN 3-89385-595-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Reinkarnationstherapie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helmut Zander: Geschichte der Seelenwanderung in Europa, Darmstadt 1999, S. 598–602.
  2. http://www.earth-association.org/
  3. http://pdf.zeit.de/1998/23/esoterik.txt.19980528.xml.pdf
  4. Praxis und Ausbildungsinstitut für Hypnose und Reinkarnationstherapie
  5. Thorwald Dethlefsen: Das Leben nach dem Leben. Gespräche mit Wiedergeborenen. Seite 9, 3. Auflage 1985 ISBN 3-442-11748-8
  6. Reinkarnationstherapie ist nicht ungefährlich, Der Standard, 1. März 2013
  7. Jan Erik Sigdell: Reinkarnationstherapie: Emotionale Befreiung durch Rückführung. Heyne 2006.
  8. Denys Kelsey: Now and Then: Reincarnation, Psychiatry, and Daily Life. Trencavel Press 2007
  9. Ian Stevenson: Children Who Remember Previous Lives: A Question of Reincarnation, rev. ed., Jefferson 2001.
  10. Brian L. Weiss: Die zahlreichen Leben der Seele: Die Chronik einer Reinkarnationstherapie. Goldmann 2009.
  11. Jan-Henrik Günter: Die Seele heilen mit Reinkarnationstherapie. Hugendubel 2007.
  12. Jan-Henrik Günter: Die Seele heilen mit Reinkarnationstherapie. Hugendubel 2007.
  13. Ingo Michael Simon: Rückführungen: Leitfaden der Reinkarnationstherapie. Norderstedt 2009.
  14. Markus Hochgerner (Hrsg.): Gestalttherapie. Wien 2004.

Siehe auch[Bearbeiten]

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