Trance

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Trance (Begriffsklärung) aufgeführt.

Trance [trɑ̃s] (lat. transire hinübergehen, überschreiten) bezeichnet einen (wach-)schlafähnlichen oder einen höchst konzentrierten Bewusstseinszustand, bei dem eine Person sich intensiv mit einer Thematik beschäftigt.

Abgrenzungen[Bearbeiten]

Als Trance gilt im Vergleich zur weiten, panoramaartigen Achtsamkeit genaugenommen jede fokussierte und damit begrenzte Aufmerksamkeit. Die verstärkte Fokussierung der Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte des sensualen Erlebens, geht, je nach Tiefe des Trancezustandes, mit einer schwach oder stark herabgesetzten Wachheit einher.

Wissenschaftlich wird genauer unterschieden: Wachheitsgrade werden hier als Vigilanzstadien bezeichnet.

Der Bewusstseinsforscher Charles Tart beschreibt den Zustand der durchschnittlichen oder normalen Aufmerksamkeit als Alltagstrance. Die Aufmerksamkeit in ihrer gesellschaftlichen Konstitution und Funktion bezeichnet Tart als Konsensustrance. In dieser Perspektive gilt jede Art von Konzentration als Trance, so dass sich Hypnose als der höchstgradige im Wachen erreichbare Konzentrationszustand erweisen würde.[1]

Auch durch verschiedene Tätigkeiten, wie Sport, Liebesspiel, Beschäftigungen, die ebenfalls hohe Konzentration erfordern, und (psychische) Extremsituationen können tranceähnliche Bewusstseinszustände auftreten.

Formen[Bearbeiten]

Spirituelle Trance

In diesem Zustand ist die betroffene Person manchmal unfähig, sich willentlich zu bewegen, manchmal tanzt sie sogar wie in einem Trancetanz. Oder die Person führt rhythmische Bewegungen aus wie in einer Ekstase. In vielen Religionen wird diese Trance als ein Mittel angesehen, um spirituell mit Gott, Geistern oder anderen Wesen oder Orten in Kontakt kommen zu können. Dadurch sollen Botschaften oder Erkenntnisse erlangt werden. Für Orakel wurde die weissagende Person manchmal mit Drogen in diesen Zustand gebracht. Das geschieht teilweise heute noch, z. B. bei den afro-brasilianischen Religionen oder dem Voodoo. In der Magie wird häufig auch eine spirituelle Trance herbeigeführt, um bestimmte Praktiken durchzuführen.

Hypnotische Trance

Bei einer durch wissenschaftlich-hypnotische Verfahren induzierte hypnotische Trance bleibt eine Person im Wach-Bewusstsein und fähig, sich willentlich zu bewegen und sinnzusammenhängende Sätze zu sagen. Als Besonderheit gilt eine Wachhypnose, in der eine Person sich zwar in einem tranceähnlichen Zustand befindet und sogar ein Rapport besteht. Aber trotzdem ist sie augenscheinlich hellwach. Die Person bewegt und verhält sich, so dass für ungeübte Beobachter kein Unterschied zum normalen Wachzustand erkennbar ist. Diese Form der Trance besteht unterschwellig und beeinträchtigt das Wachbewusstsein nicht.

In der Hypnose sind verschiedene Stadien der Trance bekannt: Während in leichten bis mittleren Stadien das Bewusstsein noch wach ist, ist es in einer Tieftrance extrem eingeschränkt. Das deutet darauf hin, dass Trance generell nicht ein scharf abgrenzbares Phänomen ist, sondern die Übergänge vom normalen Wachzustand in einzelne Trancestufen fließend sind.

Drogeninduzierte Trance

Auch in dieser durch Drogen bewirkten Form der Trance kann eine Person sich willentlich bewegen und sinnzusammenhängende Sätze wiedergeben. Oftmals kommt es in dieser Tranceform zu Halluzinationen. Ausgelöst wird die Trance durch Halluzinogene wie zum Beispiel LSD, Meskalin, Psilocybin und Psilocin.

Traumatische Trance

Akute Schmerzen infolge körperlicher Verletzungen können eine Trance auslösen. Hierzu gehören auch schmerzhafte Riten wie im schiitischen Aschura und im Sonnentanz der Indianer oder ein Lustschmerz im Zusammenhang mit BDSM-Praktiken. In dieser Trance werden körpereigene Endorphine ausgeschüttet, welche die Schmerzempfindlichkeit herabsetzen und zu einem Trancezustand führen können. Eine traumatische Trance kann auch durch seelische Verletzungen hervorgerufen werden.

Auslöser[Bearbeiten]

Zur Auslösung einer Trance, die weder durch eine Droge induziert noch traumatisch erzeugt ist, werden mehrfach und schleifenartig bestimmte Reizmuster wiederholt. Eine Trance wird mit einer höheren Anzahl von Wiederholungen tiefer. Die meisten Reize stützen sich auf repetitive, sprachliche und rhythmische Sinnesreize und Bewegungen wie Trommelmusik, Tanzen, Gesänge, Lichtblitze und Mantren sowie sich wiederholende sprachliche Beeinflussung. Hierzu zählt auch die Verbindung einer rhythmischen Trancemusik mit visuellen Stimulationen. Typisch ist diese Kombination von Musik mit Lichteffektanlagen auf Konzerten und in Diskotheken.

Zum Beispiel bestehen Trommelrhythmen aus einzelnen Tönen, welche zusammen ein Thema bilden. Durch Wiederholung und Abwandlung kann dann die Trance gesteuert werden. Doch treten Trancezustände ziemlich häufig und unbemerkt bei allen Menschen auf. Manchmal genügt schon ein monotones Geräusch wie etwa das einer Maschine, sofern es lange genug gehört wird. Nimmt eine Person ein solches Geräusch dann nicht mehr wahr, obwohl es noch besteht, handelt es sich höchst wahrscheinlich bereits um eine Art Trance.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Büttner, J.: Trance, Scharlatane und Schamanen. Die Psychologie außergewöhnlicher Bewusstseinszustände. Books on Demand, Norderstedt 2001, ISBN 978-3-8311-2945-4
  • John Grinder, Richard Bandler, Sabine Behrens: Therapie in Trance. NLP und die Struktur hypnotischer Kommunikation. Klett-Cotta, Stuttgart 13. Auflg. 2007, ISBN 978-3-608-95140-0
  • Felicitas D. Goodman: Trance - der uralte Weg zum religiösen Erleben. Rituelle Körperhaltungen und ekstatische Erlebnisse. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1992, ISBN 3-579-00969-9
  • Felicitas D. Goodman, Nana Nauwald: Ekstatische Trance. Das Arbeitsbuch. Neue rituelle Körperhaltungen. Edition Nada, ISBN 3-933467-00-4
  • Stephan Matthiesen, Rainer Rosenzweig (Hrsg.): Von Sinnen. Traum und Trance, Rausch und Rage aus Sicht der Hirnforschung. Mentis, Münster 2007, ISBN 978-3-89785-572-4
  • Gabriele Quinque: Tempelschlaf. Grundlagen der Trance-Arbeit. Param, Ahlerstedt 2003, ISBN 3-88755-012-9
  • Gunther Schmidt: Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung. Carl-Auer, Heidelberg 2005, ISBN 3-89670-470-2
  • Charles Tart: Hellwach und bewußt leben. Wege zur Entfaltung des menschlichen Potentials - die Anleitung zum bewußten Sein. Arbor, Freiamt 2. Auflg. 1995, ISBN 3-924195-24-2
  • Dennis Wier: Trance. Von der Magie zur Technologie. Pieper und The Grüne Kraft, Löhrbach 2000, ISBN 3-922708-17-X

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Charles Tart: Hellwach und bewußt leben. Wege zur Entfaltung des menschlichen Potentials - die Anleitung zum bewußten Sein. Arbor, Freiamt 2. Auflg. 1995