Rektusdiastase

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Klassifikation nach ICD-10
M62.08 Muskeldiastase: Sonstige
ICD-10 online (WHO-Version 2016)
Bodybuilder Ronnie Coleman mit einer Rektusdiastase

Als Rektusdiastase (altgr. διἀστασις diástasis „Zwischenraum“, „Abstand“) wird das Auseinanderstehen der geraden Bauchmuskeln (Mm. recti abdominis) im Bereich der Linea alba beschrieben. Sie kann als angeborene Anomalie beobachtet werden oder erworben sein. Derzeit gilt in Deutschland eine Rektusdiastase über zwei Zentimeter als krankhafter Befund.

Ausprägung und Ursache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Rektusdiastase ist meist zwischen 2 und 10 cm breit und zwischen 12 und 15 cm lang;[1] im Extremfall ist aber auch eine Breite von bis zu 30 cm beobachtet worden.[2] Der Spalt ist meist im Bereich des Nabels am stärksten ausgeprägt.[3] Da ab der Linea arcuata die Rektusscheide nur aus dem vorderen Blatt besteht, kommt es oberhalb des Nabels häufiger zum Auftreten einer Rektusdiastase.

Betroffen sind vor allem Frauen; oft ist die Rektusdiastase eine Folge von Schwangerschaft und Geburt, insbesondere nach mehreren Geburten. Mögliche Ursachen für die erworbene Form sind beispielsweise Übergewicht (Adipositas) oder starkes Pressen wie etwa während einer Geburt oder chronischer Obstipation (Verstopfung).

Eine physiologische Rektusdiastase wird auch durch eine normale Schwangerschaft etwa ab dem fünften Schwangerschaftsmonat verursacht. Danach kann sich die Spalte allmählich wieder zurückbilden - meist innerhalb weniger Monate nach der Geburt. In dieser Zeit sollte auf starke körperliche Belastung, im Besonderen auf das Heben schwerer Lasten, verzichtet werden. Frauen wird geraten, unter Anleitung im Wochenbett und in der darauf anschließenden Zeit zur Prävention Übungen der Rückbildungsgymnastik durchzuführen, bei denen zunächst die queren und auch die schrägen Bauchmuskeln und erst später die langen Bauchmuskeln gekräftigt werden.[1]

Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Muskulatur der Abdominalwand wird bei Vergrößerung der Rektusdiastase zunehmend insuffizient, da zum einen der Hebelarm der Mm. recti abdominis bei stärkerem Auseinanderweichen zunehmend ungünstiger wird und zum anderen die schräge laterale Bauchmuskulatur ihre notwendige Vorspannung verliert. Durch die Insuffizienz der Bauchwand kommt es zu einer Verschlechterung der Bauchpresse, da der notwendige intraabdominale Druck nicht mehr aufgebaut werden kann.

Die Rektusdiastase prädisponiert darüber hinaus zu Bauchwandbrüchen. Insbesondere nach chirurgischen Eingriffen im Bauch ist das Vorkommen von Narbenbrüchen erhöht.

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rektusdiastase kann im Liegen ertastet werden, wenn der auf dem Rücken liegende Patient den Kopf hebt. Beim Heben des Oberkörpers stülpen sich zudem die Eingeweide nach vorne.[3][2] Tendenziell kann auch im Stehen eine Vertiefung der Nabelregion erkennbar sein. Bei schlanken Personen wird eine Rektusdiastase bei der Bauchpresse als Vorwölbung des Bauches in diesem Bereich sichtbar.

Die Rektusdiastase muss von einem Bauchwandbruch unterschieden werden. Zur Diagnostik kommen neben der klinischen Untersuchung vor allem die Sonographie, CT und MRT in Betracht.

Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Rektusdiastase kann in ihren Symptomen evtl. durch physiotherapeutische Übungen gebessert werden („Übungen nach Angela Heller“[4]).

Eine Operationsindikation (zur „Raffung der Rektusscheide“) besteht bei fortdauernden Beschwerden, die durch die Erschlaffung der insuffizienten Abdominalmuskulatur hervorgerufen werden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bauchmuskeln. Abgerufen am 10. Juli 2013.
  2. a b Angela Heller: Nach der Geburt: Wochenbett und Rückbildung. Georg Thieme Verlag, 2002, ISBN 978-3-13-125041-4, S. 136
  3. a b Edvin Turkof, Elis Sonnleitner: Kapitel „Rektusdiastase“,. Abgerufen am 10. Juli 2013 (PDF; 416 kB, Band 8, Seite 30–32).
  4. Rektusdiastase nach der Schwangerschaft. Abgerufen am 10. Juli 2013.
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