Rinecker Proton Therapy Center

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Das Rinecker Proton Therapy Center (RPTC) in München ist eine klinische Einrichtung, die mittels Protonentherapie bösartige Tumoren in allen Körperregionen bestrahlt. Nach Abschluss der Ende 2019 bereits begonnenen Therapien wird der Betrieb eingestellt.

Außenansicht des RPTC in München

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Betreibergesellschaft ProHealth AG[1] wurde durch Hans Rinecker im Mai 1999 gegründet. Diese errichtete das Protonenbestrahlungszentrum in München mit einem Investitionsvolumen von 170 Mio. Euro.

Das RPTC in München war die erste Einrichtung in Europa, die nicht zu Forschungszwecken erbaut, sondern hauptsächlich zur Behandlung krebskranker Patienten gegründet wurde. In Kooperation mit der Chirurgischen Klinik Dr. Rinecker in München ist die Protonen-Krebstherapie in die Krankenhausplanung des Freistaates Bayern aufgenommen.[2]

Im März 2009 wurde der erste Therapieplatz in Betrieb genommen, im Vollausbau waren es vier Therapieplätze. Damit könnten bis zu 4000 Patienten jährlich behandelt werden. Tatsächlich wurden nur wesentlich weniger Patienten behandelt, weil nur ein Teil der gesetzlichen Kassen und privaten Krankenversicherungen die hohen Behandlungskosten (über 20.000 €) ganz oder teilweise übernehmen.[3] Nach Auskunft des Insolvenzverwalters wurde in den zehn Betriebsjahren zusammen nicht die Patientenzahl erreicht, die ursprünglich pro Jahr geplant war.[4]

Die Betreibergesellschaft und die Objektgesellschaft mussten wegen ungenügender Auslastung 2017 Insolvenz anmelden.[5] Jedoch wurde der Betrieb durch die Insolvenzverwalter mit Unterstützung des Technologie- und Servicepartners für die Protonenanlage, Varian Deutschland, zunächst fortgeführt[6] und erst zum Jahresende 2019 eingestellt.[4]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Teilchenbeschleuniger des RPTC ist ein supraleitendes Zyklotron mit der Höchstenergie von 250 MeV.

  • Vier 360°-Strahlzielgeräte (Gantries) mit Patientenliegen
  • Ein „Fixed-Beam“-Therapieplatz mit fest ausgerichtetem Strahlzielgerät für die Präzisionsbestrahlung im Augen- und Schädelbereich
  • Zwei Multidetektor-Spiral-Ganzkörper-Computertomographen, davon ein Positronenemissionstomograph-CT (PET-CT)
  • Zwei 1,5-Tesla-Ganzkörper-Kernspintomographen
  • Arbeitsplätze zur Angiographie, Sonographie, Endoskopie und für Screening- und Zytostatika-Interferenz-Laboruntersuchungen
  • Anästhesieabteilung sowie eine Aufwachstation (für Kinder und Lungentumorbestrahlungen)
  • Mehrere Arbeitsplätze zur Therapieplanung und individuellen ärztlichen Anpassung der Bestrahlungsprotokolle

Des Weiteren gibt es ein interdisziplinäres Tumorboard. Dieses besteht ständig aus Strahlentherapeuten, Radiologen, internistischen Onkologen, Pathologen und Chirurgen. Zusätzlich werden, je nach Art der Erkrankung, auch entsprechende Spezialisten hinzugezogen.[7]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im RPTC wird die Voxel-to-voxel Modulated Scanning Proton Therapy (VVM-SPT) angewendet, die auch am Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum, am Paul Scherrer Institut in der Schweiz und im MD Anderson Cancer Center in Houston, Texas, angewendet wird. Synonym werden auch die Begriffe „Pencil-Beam-Scanning“ (PBS), „Spot-Scanning“-Technik und „Beam-Scanning“ verwendet. Hierbei wird der Zielstrahl mit großen Magneten seitlich so abgelenkt, dass er zweidimensional über die festgelegte Fläche gestrichen wird. Die dritte Dimension wird durch die Eindringtiefe, welche sich durch Einstellung der Protonenstrahlenergie beeinflussen lässt, festgelegt.

Ältere Anlagen arbeiten mit der sogenannten Scattering-Methode, bei der individuell angefertigte Schablonen und Streufolien zur Anwendung kommen, die bei jeder Bestrahlung manuell angepasst werden müssen. Außerdem entstehen unerwünschte Dosis-Überstände.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wirtschaftskenndaten der ProHealth AG
  2. Krankenhausplan des Freistaates Bayern, Stand: 1. Januar 2013.
  3. Alfred Haidenberger: Mit Protonen gegen Krebs. Abgerufen am 3. Februar 2013.
  4. a b Stephan Handel: Experiment gescheitert. Süddeutsche Zeitung, 1. November 2019
  5. Stephan Handel: High-Tech-Klinik geht das Geld aus. In: sueddeutsche.de. 14. Oktober 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 16. Oktober 2017]).
  6. Michael Jaffé: Großes Investoreninteresse an Münchner Protonentherapiezentrum. Abgerufen am 1. Dezember 2017.
  7. Rinecker Proton Therapy Center: Ausstattung
  8. H. Rinecker: Protonentherapie - Neue Chance bei Krebs, F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung, München, 2005, Seite 59–61.

Koordinaten: 48° 6′ 18,8″ N, 11° 33′ 0″ O