Rudolf I. (Pfalz)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die Kurfürsten bei der Königswahl 1308: v.l. Peter von Mainz, Balduin von Trier und Rudolf I. (Darstellung aus dem Jahre 1341)

Rudolf I. von der Pfalz (* 4. Oktober 1274 in Basel; † 12. August 1319), genannt der Stammler, war von 1294 bis 1317 Herzog von Oberbayern und Pfalzgraf bei Rhein.

Frühe Jahre und Herrschaftsbeginn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolfs Vater war Herzog Ludwig II. von Bayern, seine Mutter dessen dritte Gattin Mathilde von Habsburg, die Tochter des römischen Königs Rudolf von Habsburg und der Erbgräfin Gertrud von Hohenberg.

1294 folgte Rudolf seinem verstorbenen Vater als Herzog von Oberbayern und Pfalzgraf bei Rhein nach. Neben anderen Städten wie Amberg, Nabburg und Schwandorf wurde München durch Rudolf begünstigt, schon 1294 wurde die Rudolfinische Handfeste ausgestellt, eine Sammlung der Rechte und Pflichten der Bürger der Stadt München.

Reichspolitik und Bruderzwist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schlacht bei Göllheim 1298 kämpfte Rudolf auf der unterliegenden Seite seines Schwiegervaters König Adolf von Nassau. Bei der Königswahl seines Onkels, des Habsburgers Albrecht I., wechselte er auf dessen Seite, geriet aber wegen hausmachtspolitischen Fragen bald wieder mit ihm in Konflikt. Rudolf verbündete sich mit den rheinischen Erzbischöfen gegen den König. Eine Belagerung Heidelbergs durch Albrecht im Jahr 1301 scheiterte zwar; trotzdem musste Rudolf sich ihm unterwerfen, worauf auch die restliche Opposition gegen den König zusammenbrach. Rudolf verlor dabei wichtige Lehen, wie Neumarkt, Donauwörth und Schongau sowie etliche Rheinzölle.

Rudolf war nun auch in die Auseinandersetzungen innerhalb des Hauses Wittelsbach verwickelt. Schon früh befand er sich im Streit mit seinem jüngeren Bruder, dem späteren Kaiser Ludwig IV., der mit Unterstützung der Habsburger und seiner Mutter 1301 seine Beteiligung an der Herrschaft erstritt. Wie es Herzog Ludwig II. der Strenge in seinem Testament bestimmt hatte, teilte sich Rudolf die Herrschaft in der Pfalzgrafschaft und im Herzogtum Oberbayern nun mit seinem jüngeren Bruder.

1302 gelang den Brüdern eine Einigung mit dem oberbayerischen Adel gegen jede weitere Steuererhebung mit der Schnaitbacher Urkunde.

Nach Albrechts Ermordung 1308 verfolgte Rudolf eigene Thronpläne, nahm aber dann 1310 am Italienzug des zum König gewählten Heinrich VII. teil, brach ihn jedoch frühzeitig ab. Denn im Jahr 1310 kam es über das väterliche Erbe in Bayern auch wieder zum Streit zwischen den Brüdern Rudolf und Ludwig. Im Münchner Frieden von 1313 söhnten sich die Brüder Rudolf und Ludwig IV. vorübergehend aus und regieren nach einigen Jahren der Trennung Oberbayern wieder gemeinsam. Im selben Jahr besiegte Ludwig dann die Habsburger in der Schlacht von Gammelsdorf und empfahl sich so für die Königskrone.

1314 lag Rudolf aber erneut in Kämpfen mit seinem Bruder Ludwig und unterstützte im gleichen Jahr sogar Friedrich den Schönen, als Habsburger nun ein Gegner des Hauses Wittelsbach. Bald darauf befand sich der gegen Friedrich zum König gewählte Ludwig IV. aber in der Pfalz und in Bayern in der militärischen Offensive.

Herrschaftsende und Begründung der Pfälzer Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1317 gab Rudolf nach einer Reihe von Niederlagen in seiner aussichtslos gewordenen Lage seine Herrschaftsansprüche in Bayern und der Rheinpfalz weithin auf. Ludwig nahm auch die Rheinpfalz auf Grund des mit seinem Bruder Rudolf am 26. Februar 1317 abgeschlossenen Vertrags mit Waffengewalt in Besitz. Nach dem Vertrag sollte Ludwig solange alleine regieren wie der Thronstreit mit den Habsburgern andauerte. Dieser Krieg endete aber erst Jahre nach Rudolfs Tod, im August 1322. Aber erst nachdem auch seine Witwe Mechthild im Juni 1323 starb, deren Hass gegen Ludwig eine dauerhafte Versöhnung unmöglich gemacht hatte, kam es zwischen diesem und den drei Söhnen Rudolfs zu einer Aussöhnung.

1329 gab Ludwig im Hausvertrag von Pavia die Pfalz den Nachkommen Rudolfs zurück. Dadurch spaltete sich die Dynastie der Wittelsbacher in eine ältere pfälzische und eine jüngere bayerische Linie. Letztere starb 1777 im Mannesstamm aus und wurde von den Nachfahren Rudolfs beerbt.

Heirat und Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfalzgraf und Herzog Rudolf I. heiratete am 1. September 1294 in Nürnberg die Prinzessin Mechthild (1280–1323), Tochter von König Adolf von Nassau und seiner Gattin Gräfin Imagina von Isenburg-Limburg. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor:

  1. ⚭ 1328 Prinzessin Anna von Görz, Tirol und Kärnten (1300–1335),
  2. ⚭ 1348 Prinzessin Margarete von Sizilien aus dem Hause Aragon (1331–1377);
  1. ⚭ 1350 Gräfin Elisabeth von Flandern-Namur aus dem Hause Dampierre (1340–1382),
  2. ⚭ 1385 Prinzessin Beatrix von Berg (1360–1395);

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

VorgängerAmtNachfolger
Ludwig II.Herzog von Oberbayern
1294–1317
Ludwig IV.
Ludwig II.Pfalzgraf bei Rhein
1294–1317
Ludwig IV.