Südtiroler Mittelschülerverband

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Der Südtiroler Mittelschülerverband (StMV) ist der Dachverband der katholischen Südtiroler Mittelschulverbindungen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Schülerverbindungen ("Pennalien") sind schon 1850 in Bozen und 1873 in Meran zu finden.

Der StMV wurde 1960 gegründet, seine Wurzeln reichen aber bis in das 19. Jahrhundert zurück. Die älteste Mitgliedsverbindung des StMV ist die K.D.M.V. Laurinia Brixen, gegründet 1892. Bei seiner Gründung gehörten dem StMV vier Schülerverbindungen an und bildeten damit den größten deutschen Schüler- und Absolventenverband Südtirols.

Als Mitgliedsverbindungen scheinen im Jahr 1980 auf: K.D.M.V. Laurins Tafelrunde, K.D.M.V. Laurinia Brixen, K.D.St.V. Aquileia Meran, K.D.St.V. Waltharia Meran und K.D.M.V. Braunegg zu Bruneck.

Die K.D.M.V. Braunegg zu Bruneck wurde im Jahr 1976 auf Initiative des StMV neu gegründet und ist die jüngste Schülerverbindung in Südtirol.

Um 1980 hatten die fünf Pennalien etwa 500 Mitglieder.

Heute sind nur noch 3 Pennalien aktiv:

  • K.M.V. Laurins Tafelrunde Bozen (LTR) (1906)
  • K.D.M.V. Laurinia Brixen (LAB) (1892)
  • K.D.M.V. Braunegg zu Bruneck (BRB) (1976)

Der StMV bekennt sich zur christlichen Soziallehre und einem vereinten Europa. Der StMV ist parteiunabhängig, eine konservative Ausrichtung seiner Mitglieder ist erkennbar.

Bis 2003 war der StMV Mitglied des Europäischen Kartellverbandes der christlichen Studentenverbände (EKV), der als NGO beim Europarat registriert ist. Europäische Belange des Verbandes werden seitdem quasi vom befreundeten österreichischen MKV vertreten.

Weiters kooperiert der StMV eng mit den Verbindungen des Tiroler Mittelschüler-Verbands (TMV), der Tiroler Landesverband des österreichweiten Mittelschüler-Kartell-Verbandes (MKV). Im TMV sind 20 Verbindungen vereint, die als reine Männerbunde nur Männer aufnehmen.

Aufgrund der Tendenz der Südtiroler Mittelschulverbindungen sich dem TMV anzuschließen, um das Bekenntnis zu einem vereinten Tirol auch in der Praxis umzusetzen, hat der StMV heute an Bedeutung verloren und besteht nur mehr als Altherrenverband.

Ziele[Bearbeiten]

  • Der StMV will Schüler an höheren Schulen zur kritischen Auseinandersetzung mit der Welt und der Gesellschaft auf dem Boden eines durch die dynamischen Prinzipien religio, patria, scientia und amicitia bestimmten katholischen Weltbildes anregen.
  • Die Mitglieder der Verbindungen sollen zum Wirken im öffentlichen Leben und in der Gesellschaft befähigt werden und die Wertvorstellungen katholischen Couleurstudententums in Familie, Beruf und Gesellschaft verwirklichen.
  • Als eigenständige katholische Laienorganisation will der StMV seinen Beitrag zum Aufbau einer menschenwürdigen Gesellschaft und einer dem göttlichen Schöpfungsauftrag folgenden Welt leisten.

Prinzipien und Wahlspruch[Bearbeiten]

Die vier Prinzipien des StMV lauten patria, religio, scientia und amicitia, der Wahlspruch Pro Deo et Patriae.

  • Religio: Die Förderung des katholischen Seins, die Förderung der Toleranz der christlichen Konfessionen untereinander und die aktive Gestaltung des eigenen Lebens aus dem katholischen Glauben in Verantwortung vor Gott, den Menschen und der Schöpfung.
  • Patria: Die Liebe zum Vaterland. Laut Statut des StMV ist: Tiroler zu sein ist für uns Ehre und Verpflichtung zugleich. Jeder Staat lebt durch die Verantwortung eines jeden Bürgers für den Staat. Die aktive Mitgestaltung auf allen Ebenen des Gemeinwesens ist eine Bürgerpflicht. Die Verwurzelung in der Geschichte Tirols sind wesentliche Grundlage für die Weiterentwicklung dieses Gemeinwesens auch in einem vereinten Europa.
  • Scientia: Für den StMV ist die Bildung seiner Mitglieder eine wichtige Aufgabe. Daher ist der Abschluss einer höheren Schule mit Matura Voraussetzung für den Verbleib eines Mitglieds in einer Verbindung des StMV.
  • Amicitia: Als prägendes Element des Verbandes ist die persönliche Freundschaft quer durch alle Generationen als Lebensbundprinzip eine Selbstverständlichkeit, die über das Studium hinausgeht. Der Umgang miteinander ist von der Verantwortung für diese lebenslange geistige und materielle Verpflichtung geprägt.

Kritik[Bearbeiten]

Hinweis: Der Eintrag Studentenverbindungen erläutert die häufig auftauchenden Kritikpunkte ausführlich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Obermüller: Verboten und Verfolgt; Katholische Verbindungen an mittleren und höheren Schulen in Österreich und den Nachfolgestaaten der Monarchie, Von den Anfängen bis 1918; Band 1 der Reihe „Tradition und Zukunft“ Hg. vom Österr. Verein f. Studentengeschichte; Wien 1991
  • Heinrich Obermüller: Aufbruch und Untergang; Katholische Verbindungen an mittleren und höheren Schulen im deutschen Sprachraum, Von 1918 bis 1945; Band 5 und 8 der Reihe „Tradition und Zukunft“; Hg. vom Österr. Verein f. Studentengeschichte; Wien 2000 u. 2003
  • Wilhelm Schmied: Der Mittelschüler-Kartell-Verband (MKV);Beiträge zur Österreichischen Studentengeschichte - Band 1; Hg. vom Österr. Verein f. Studentengeschichte; Wien, 1973
  • Gerhard Stanzel: Das Farbstudententum in Südtirol; im Selbstverlag; Bozen, 1983