SDS (Bohrerschaft)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Einsteckende eines SDS-plus-Bohrers

Der Begriff SDS bezeichnet ein Bohrerschaft-System für schlagende und drehende Elektrowerkzeuge wie Bohrmaschinen und Bohrhämmer. Bei diesem Einstecksystem ist der Bohrerschaft mit speziellen Nuten versehen, die eine bessere Kraftübertragung gewährleisten. Im Gegensatz zu anderen Einstecksystemen ermöglicht der SDS-Bohrerschaft einen werkzeuglosen und schnellen Wechsel von Bohrern und Meißeln.

Die Abkürzung SDS besitzt mehrere Bedeutungen. Ursprünglich wurde das System unter der Bezeichnung Steck-Dreh-Sitz von Bosch entwickelt und später unter der Bezeichnung Spannen durch System weiterentwickelt. Heute benutzt Bosch auf internationaler Ebene den Begriff Special Direct System.[1]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der zunehmenden Verbreitung von elektrischen Bohrmaschinen und Bohrhämmern in den 1960er Jahren entwickelten die Hersteller unterschiedliche, untereinander nicht kompatible Bohrerschaftsysteme und Werkzeugaufnahmen. So führte die Firma Hilti 1967 ein 10-mm-Einstecksystem für leichte Maschinen ein, die Hilti-TE-Aufnahme. Im Jahre 1975 entwickelte die Firma Robert Bosch daraus das „SDS-plus“ genannte Einstecksystem mit einem einheitlichen Schaftdurchmesser von 10 mm.[1] Ein Vorteil dieser Weiterentwicklung war, dass die SDS-plus-Bohrer auch in die TE-C-Aufnahme der Hilti-Maschinen passten.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Hilti-TE-Aufnahme wurde durch eingreifende Walzen (an Stelle der Kugeln) auch die Drehmomentübertragung mittels der flacheren Nuten (mit dem halbkreisförmigen Querschnitt) bewirkt, die bei SDS lediglich die axiale Bewegung begrenzen. Die Schwäche der TE-Bohrer war der Verschleiß an den extrem beanspruchten Kanten dieser Nuten, was dort im Extremfall zu Materialaufwerfungen (Bartbildung) führte, so dass die Werkzeuge mitunter in der Aufnahme festklemmten.

Die Bohrerverriegelung und die Drehmomentübertragung (mit 60 mm² Auflagefläche) erfolgen bei SDS getrennt voneinander und sind nahezu verschleißfrei. Die Bohrerverriegelung erfolgt mittels zweier gegenüberliegender Nuten (Halbkreis-Querschnitt), in die jeweils eine im Futter integrierte Kugel einrastet. Das Drehmoment wird dagegen über zwei bis zum Ende durchgehende Nuten übertragen, in die balkenförmige Erhebungen (Stege) im Futter formschlüssig greifen. Bei axialer Bewegung des Bohrers rollt die Kugel ab und die Erhebungen gleiten in den Nuten. Während des Hammerbohrens wird meist nur ein kleiner Teil des insgesamt 13 mm betragenden Längsspiels genutzt.

Varianten SDS-max und SDS-quick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Patente für SDS-plus sind ausgelaufen, daher ist das Angebot nicht mehr auf den Anbieter Bosch beschränkt. Technische Weiterentwicklungen der patentierten Aufnahme sind nicht auf dem Markt, hingegen Varianten mit kleinerem und größerem Schaftdurchmesser. Diese Varianten sind nicht austauschbar.

Bezeichnung Schaftdurch-
messer
Auflagefläche
für Drehmoment-
übertragung
Beschreibung
SDS-max 18 mm 160 mm2 Diese Variante wird bei schweren Bohrhämmern genutzt und hat sich inzwischen weitgehend gegen ältere Aufnahmesysteme (Keilwelle, Sechskant) durchgesetzt.
SDS-top 14 mm Wurde von Bosch für die immer höhere Leistung auch kleinerer Maschinen entwickelt, hat sich aber nicht als Markterfolg herausgestellt. Selbst Bosch bietet seit dem Jahr 2009 keinen Bohrhammer mit SDS-top mehr an.
SDS(-plus) 10 mm 060 mm2 Die ursprüngliche und erste Variante, 1975 von Bosch entwickelt.
SDS-quick 6,5 mm Neu von Bosch entwickelt, steht diese Variante (Stand 2013) nur für die Akkubohrhammer Bosch-Uneo und Bosch-Uneo Maxx zur Verfügung.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Entwicklung von SDS-plus und SDS-max bei Bosch. Abgerufen am 15. Juli 2013.