S (Statistiksprache)

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S
Paradigmen: imperativ, objektorientiert
Erscheinungsjahr: 1976
Designer: Richard A. Becker, John M. Chambers, Allan R. Wilks
Typisierung: dynamisch, stark
Dialekte: R, S-PLUS
Beeinflusst von: C, APL, PPL, Scheme
Betriebssystem: Windows, Linux, Mac OS, Mac OS X, Solaris, NetBSD, FreeBSD
Lizenz: Abhängig von der Implementierung
http://ect.bell-labs.com/sl/S/

S ist eine statistische Programmiersprache, die ursprünglich von Richard A. Becker, John M. Chambers und Allan R. Wilks an den Bell Laboratories (heute Teil von Alcatel-Lucent) entwickelt wurde. Das Ziel der Sprache bestand den Worten von John Chambers nach darin, Ideen schnell und sinngetreu in Software zu verwandeln („to turn ideas into software, quickly and faithfully“).

Heute sind die beiden S-Implementierungen R und S-PLUS verfügbar, die weitgehend, jedoch nicht vollständig, kompatibel sind. Die R-Implementierung wird im TIOBE-Index (Stand Januar 2016) auf Platz 19 aufgeführt, S-PLUS und generisches S tauchen dagegen unter den 100 verbreitetsten Programmiersprachen nicht mehr auf.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Old S[Bearbeiten]

Bereits 1969 veröffentlichte Chambers die Grundzüge einer statistischen Sprache.[2] Damals war es für statistische Berechnungen oft nötig Fortran-Routinen direkt aufzurufen.

Die erste S-Implementierung (S1) entstand zwischen 1975 und 1976. Ziele der damals auf Honeywell Großrechnern unter dem Betriebssystem GCOS laufenden Sprache waren insbesondere Flexibilität und Programmierbarkeit.

Für die Folgeversion S2 (1980) wurden erstmals Lizenzen vergeben. Die Sprache unterstützte seitdem Unix-Maschinen.

New S[Bearbeiten]

Durch die Einführung von S3 im Jahre 1988 wurden fundamentale Änderungen in S und seiner Syntax eingeführt. Unter anderem erlaubte die neue Version erstmals die Formulierung statistischer Modelle. Ein kommerzieller Zweig (S-PLUS) entstand.

Im Jahre 1992 wurde mit R die erste freie Version von S veröffentlicht. R ist für unterschiedliche Plattformen (Mac OS, Mac OS X, Linux, Solaris und Microsoft Windows) verfügbar.

S4[Bearbeiten]

S4 führte 1998 ein neues, erheblich erweitertes Objekt- und Klassenmodell ein. Dieses wurde im Jahre 2000 von R übernommen.

Die Entwicklung von R wurde stark gefördert durch die Formierung des R Development Core Team (1997) und die Gründung der R Foundation (2002).

Heute stehen zwei Implementierungen der Sprache S zur Verfügung: Die kommerzielle Version S-PLUS des Anbieters TIBCO und die freie Statistik-Umgebung R, ein GNU-Projekt. Die Mehrzahl der Programme, die für S-PLUS geschrieben wurden, sind unter R lauffähig und umgekehrt. Unterschiede bestehen insbesondere in der Implementierung komplexer Graphiken.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  William N. Venables, Brian D. Ripley: Modern Applied Statistics with S. 4. Auflage. Springer, New York 2002, ISBN 0-387-95457-0 (Material).
  •  William N. Venables, Brian D. Ripley: S Programming. Springer, New York 2000, ISBN 0-387-98966-8 (Material).
  •  John M. Chambers: Programming with Data. A Guide to the S Language. Springer, New York 1998, ISBN 0-387-98503-4 (Material).
  •  Phil Spector: An Introduction to S & S-PLUS. Duxbury Press, Belmont 1993, ISBN 9780-53-419866-4 (Material).
  •  John M. Chambers, Trevor J. Hastie: Statistical Models in S. Chapman & Hall, London 1992, ISBN 978-0-41283-040-2.
  •  Richard A. Becker, John M. Chambers, Allan R. Wilks: The New S Language. Chapman & Hall, London 1988.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikibooks: GNU_R – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. TIOBE Software: TIOBE Index for January 2016. In: TIOBE Software. TIOBE Software BV, abgerufen am 11. Januar 2016 (englisch).
  2.  John M. Chambers: A Statistical Data Language. In: Roy C. Milton, John A. Nelder (Hrsg.): Statistical Computation. Academic Press, New York 1969, S. 179-199.