Alcatel-Lucent

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Alcatel-Lucent S.A.
Logo
Rechtsform Société Anonyme
ISIN FR0000130007
Gründung 1. Dezember 2006
Auflösung 14. Januar 2016
Auflösungsgrund Fusion mit Nokia
Sitz Boulogne-Billancourt, Frankreich
Leitung Philippe Camus (PDG)[1]
Mitarbeiter 52.600 (2014)[2]
Umsatz 13,2 Mrd. EUR (2014)[2]
Branche Telekommunikation
Website www.alcatel-lucent.com

Alcatel-Lucent war ein führender Hersteller und Anbieter im Bereich Telekommunikations- und Netzwerkausrüstung. Das Unternehmen entstand 2006 aus der Fusion des französischen Konzerns Alcatel und des US-amerikanischen Konzerns Lucent Technologies. Der Hauptsitz des neuen Unternehmens befand sich in Boulogne-Billancourt, Frankreich. Der Unternehmenssitz in den Vereinigten Staaten war der bisherige Lucent-Hauptsitz in Murray Hill (New Jersey).

Das Unternehmen befand sich seit Jahren im Umbruch. Zahlreiche Unternehmensbereiche, wie z. B. die Herstellung von Mobiltelefonen, wurden zwischenzeitlich verkauft. Die aktuellen Alcatel One Touch-Geräte werden nicht von Alcatel-Lucent, sondern von TCL hergestellt.[3]

Nach erfolgreicher Fusion mit Nokia ist das Unternehmen seit dem 14. Januar 2016 Teil des finnischen Nokia-Konzerns; die Marke Alcatel-Lucent wird nicht mehr verwendet.[4]

Gründung[Bearbeiten]

Firmensitz in Boulogne
Historisches Logo

Bereits 2001 unternahmen die beiden Konzerne den ersten Anlauf zu einer Fusion. Sie scheiterte jedoch zunächst an der Bewertung der amerikanischen Lucent Technologies.

Am 2. April 2006 wurde erneut die Fusion bekanntgegeben.[5] Der Alcatel-Verwaltungsrat billigte die Übernahme von Lucent am 30. November 2006 mit Wirkung zum 1. Dezember 2006.

Operativ wurde der Konzern zunächst von der bisherigen Lucent-Chefin Patricia Russo als CEO geführt. Sie war damit die erste Amerikanerin an der Spitze eines französischen Großkonzerns. Alcatel-Chef Serge Tchuruk übernahm als Präsident des Verwaltungsrates eine Aufsichtsfunktion. Die Übernahme durch die französische Alcatel bedurfte der Genehmigung des US-Präsidenten George W. Bush, da Lucent als amerikanisches Hightech-Unternehmen galt, das mit den Bell Labs an militärischen Forschungen arbeitet.

Vom 2. September 2008 bis 31. März 2013 wurde das Unternehmen von Ben Verwaayen als CEO geführt, diese Aufgabe wurde am 1. April 2013 von Michel Combes übernommen. Im Zuge der Übernahme durch Nokia verließ Combes das Unternehmen zum 1. September 2015. Er erhielt 14 Millionen Euro an Abfindung in Aktien. Zum Interims- und letzten CEO vor der Fusion mit Nokia wurde der Verwaltungsratsvorsitzende Philippe Camus ernannt.

Im April 2015 legte der finnische Konzern Nokia dem Unternehmen ein Übernahmeangebot für 15,6 Milliarden Euro in Aktien vor.[6] Bis zum 4. Januar 2016 wurden Nokia etwa 80 Prozent der Aktien angedient. Am 6. Januar 2016 wurden die entsprechenden Aktien in Nokia-Aktien getauscht und Alcatel-Lucent im CAC 40 durch Nokia ersetzt.[7] Seit dem 14. Januar 2016 treten die beiden Firmen gemeinsam auf; der Markenname Alcatel-Lucent verschwand dabei komplett.[8] Über ein neues öffentliches Übernahmeangebot sollen nun die restlichen 20 Prozent der Aktien von Alcatel-Lucent aufgekauft und die Firma dann von der Pariser Börse genommen werden.[9] Die ehemalige Tochter Alcatel-Lucent Enterprise wird allerdings weiterhin unter altem Namen firmieren.

Entwicklung[Bearbeiten]

Im Rahmen der Fusion wurden die Bereiche Sicherheits- und Signaltechnik im Januar 2007 an Thales abgegeben und im Gegenzug die Beteiligung am französischen Rüstungsunternehmen von 9,46 % auf 20,95 % erhöht. Im April folgte das Satellitengeschäft, das ebenfalls an Thales abgegeben wurde. Im Frühjahr 2009 verkaufte Alcatel-Lucent ihren Thales-Anteil an Dassault Aviation.[10]

Das erste Geschäftsjahr des neuen Unternehmens war durch Schwierigkeiten bei der Restrukturierung und hohem Druck durch die Konkurrenz am Telekommunikationsmarkt geprägt.[11] Gleich mehrfach mussten Gewinnwarnungen wegen hoher Verluste in den Quartalsbilanzen ausgesprochen werden. Der Finanzvorstand wurde ausgewechselt. Statt der ursprünglich angekündigten 12.500 sollten bis 2009 weitere 4000 Stellen gestrichen werden[12]. Weitere Restrukturierungsmaßnahmen folgten.

Im Juni 2009 bildet Alcatel-Lucent mit Hewlett-Packard (HP) eine „globale Allianz“.[13]

Ende 2014 gliederte das Unternehmen seine Enterprise-Sparte Alcatel-Lucent Enterprise aus, in der es mit ca. 2700 Mitarbeitern sein Geschäft mit Kommunikationsanlagen und Servern für Geschäftskunden gebündelt hatte und überließ es für 202 Millionen der Industrie-Investmentgesellschaft China Huaxin.[14]

Organisationsstruktur von Alcatel-Lucent[Bearbeiten]

Alcatel-Lucent ist in drei geografische Regionen eingeteilt: Eine Region umfasst Asia-Pacific & China (APAC), die zweite Europe Middle East & Africa (EMEA) und die dritte die amerikanischen Kontinente Americas, bestehend aus North America Region (NAR) und Carribbean and Latin America (CALA). Zu den drei Geschäftsfeldern gehören die Carrier Product Group, für den Betreibermarkt, die Enterprise Product Group für Unternehmenskunden und die Services Group als Dienstleistungssparte für alle Kundensegmente. Zusätzlich gibt es verschiedene zentrale Funktionen im Unternehmen wie zum Beispiel das weltweit integrierte Supply-Chain- und Beschaffungswesen, Finanzwesen, Informationstechnologie, Marketing, Personal-, Rechts- und Kommunikationsabteilungen.

Forschung und Innovationen[Bearbeiten]

Nach Unternehmensangaben sind rund 23.000 Mitarbeiter von Alcatel-Lucent in der Forschung und Entwicklung tätig[15] (einschließlich eines Kernforschungsteams von 1.000 Wissenschaftlern und Forschern in acht Ländern). Dazu gehören die Bell Labs mit Sitz in New Jersey, USA. Alcatel-Lucent hat im Jahr 2009 rund 2,4 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert und hält 27.600 aktive Patente. Damit betrachtet sich Alcatel-Lucent als einer der Innovationstreiber in der weltweiten Kommunikationsforschung und -entwicklung. Rund 500 Experten von Alcatel-Lucent sind in über 100 weltweiten Standardisierungsgremien vertreten.

Anwendungen[Bearbeiten]

  • Lösungen für Sprach- und Datennetze für Unternehmen und Netzbetreiber (vom LAN und WLAN bis hin zu Metronetzen inklusive ISDN, SDH, PDH, Telefonvermittlungsstellen, DSLAM-Technik für xDSL Zugangstechnologien, ATM/IP-Switches und Router)
  • Mobilfunknetze (GSM GPRS, UMTS, LTE, CDMA2000, WiMAX)
  • Lösungen für die Kommunikation in Unternehmen und Behörden (TK-Anlagen, IP-Telefonie mit SIP, IP-Netzinfrastruktur, Netzmanagement, Sicherheitslösungen, Contact Center und Unified Communications)
  • Multimedia-Dienste für Netzbetreiber (Triple-Play-Lösungen, IPTV-Applikationen und -Systemintegration, Mobile TV)

Corporate Design[Bearbeiten]

Das Logo von Alcatel-Lucent ist ein stilisiertes Unendlichkeitssymbol. Darin eingebettet sind ein „A“ und ein „L“. Der Entwurf stammt von Euro RSCG, einer Werbeagentur der französischen Havas-Gruppe.

Alcatel-Lucent in Deutschland[Bearbeiten]

Hauptartikel: Alcatel-Lucent Deutschland

Alcatel-Lucent ist in Deutschland durch verschiedene Vorgängergesellschaften und Firmenübernahmen seit über 100 Jahren aktiv. Die Zentrale befindet sich in Stuttgart; weitere Standorte sind Berlin, Bonn, Düsseldorf, Hannover, München, Neu-Isenburg und Nürnberg. Geschäftsstellen in größeren Städten betreuen die Unternehmenskunden vor Ort. Außerdem betreibt Alcatel-Lucent in Deutschland seit dem 1. Juli 2010 das BOS-Digitalfunknetz für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) wie Polizeibehörden, Rettungsdienste, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Bundeswehr. Vom März 2007 bis Januar 2014 übernahm Alcatel-Lucent den Netzbetrieb des E-Plus-Netzes.

Zu den wichtigen Kunden von Alcatel-Lucent in Deutschland zählen: BT Global Services, Deutsche Telekom, E-Plus, Netcologne, O₂ Germany, QSC, Vodafone sowie die Bundeswehr und Unternehmenskunden wie z. B. E.ON, die Henkel-Gruppe oder das Pharmaunternehmen Merck.

Alcatel-Lucent in der Schweiz[Bearbeiten]

Alcatel-Lucent ist in der Schweiz seit über 70 Jahren aktiv. Der Hauptsitz liegt in Zürich, weitere Standorte befinden sich in Bern und Genf. Mit der Übernahme der ersten Anbieternetzwerkausgliederung in der Schweiz für das Mobilfunknetz von Orange stießen zum 1. Januar 2008 146 Orange-Mitarbeiter zu Alcatel-Lucent Schweiz. Zum 1. August 2008 lagerte Sunrise ebenfalls seinen Netzbetrieb aus und 290 Mitarbeiter wechselten zu Alcatel-Lucent.[16] Per 1. August 2008 arbeiten 693 Mitarbeitende bei Alcatel-Lucent Schweiz, der Umsatz im Jahr 2007 betrug 180 Millionen CHF.

Zu den Kunden von Alcatel-Lucent Schweiz zählen unter anderem Swisscom, Cablecom, SBB, BLS, Nestlé, Swatch, die Kantonalbanken, Manor, das CERN und Calida.

Unter anderem hat Alcatel-Lucent in der Schweiz die Infrastruktur für die IP-Telefonie des größten Kabelnetzbetreibers Cablecom (rund 250.000 „digital phone“-Kunden) sowie den Breitband-Zugang von Swisscom (rund 1,5 Millionen ADSL-Kunden) aufgebaut.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alcatel-Lucent - Leadership team
  2. a b Alcatel-Lucent Fast Facts auf der Unternehmenshomepage
  3. alcatelonetouch.com: Wir über uns
  4. Fusion mit Alcatel-LucentDas ist der neue Nokia-Konzern auf wiwo.de
  5. http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/telekommunikation_aid_107066.html
  6. Varinia Bernau: Nokia bietet 15,6 Milliarden für Rivalen Alcatel. In: Süddeutsche Zeitung. 15. April 2015, abgerufen am 28. April 2015.
  7. http://globenewswire.com/news-release/2016/01/07/800138/10158973/en/Nokia-announces-settlement-of-its-public-exchange-offer-for-Alcatel-Lucent-securities-the-registration-of-new-shares-and-its-inclusion-in-the-CAC-40-index.html?f=22&fvtc=2&fvtv=1
  8. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Nokia-sichert-sich-Kontrolle-ueber-Alcatel-Lucent-3057793.html
  9. https://www.alcatel-lucent.com/news/2016/nokia-reopens-public-exchange-offer-outstanding-alcatel-lucent-securities
  10. Alcatel-Lucent verkauft Thales-Anteil an Dassault Aviation. boersen.manager-magazin.de. 8. Dezember 2008. Abgerufen am 4. Juli 2009.
  11. Der Standard, 10. Dezember 2007, Dunkle Wolken über Geburtstagsfeier
  12. heise online, 31. Oktober 2007 ,Alcatel-Lucent will weitere 4000 Stellen abbauen
  13. HP und Alcatel-Lucent schließen globale Allianz. alcatel-lucent.com. 18. Juni 2009. Abgerufen am 4. Juli 2009.
  14. Für Alcatel-Lucent Enterprise beginnt eine neue Ära nach der Übernahme durch China Huaxin. In: Pressemitteilung. Alcatel-Lucent Enterprise, 1. Oktober 2014, abgerufen am 28. April 2015.
  15. Pressemitteilung vom 30. November 2006 (PDF; 19 kB) Abgerufen am 15. September 2010.
  16. Sunrise konzentriert sich aufs Kerngeschäft. Sunrise, 3. Juni 2008, abgerufen am 8. August 2012.