Salambo (Nachtlokal)

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Blick in die Straße Große Freiheit mit dem „Salambo“-Schriftzug. Frontseite eines Triptychons des Hamburger Malers Otto Ruths aus dem Jahre 1989.

Das Erotik-Theater Salambo, alternativ auch René Durands Salambo, war ein Nachtclub auf der Großen Freiheit im Hamburger Stadtteil St. Pauli.

René Durand im Salambo

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Salambo (vorn links) in der Großen Freiheit 11

Das Salambo wurde in den 1960er-Jahren von seinem Betreiber René Durand an der Großen Freiheit 11, dem sogenannten Paradieshof, eröffnet. Anfangs agierte er sogar selbst auf der Bühne.[1] In den 1970er-Jahren wechselte das Geschäft in die Große Freiheit 39 in die Räumlichkeiten des ehemaligen Star-Clubs.[2]

In einer Zeit, in der bei öffentlichen Darbietungen der Gummi des Slips mindestens fünf Zentimeter über dem Schamdreieck der Damen anliegen musste und Brustwarzen nicht zu sehen sein durften,[3] war hier Live-Sex auf der Bühne zu sehen. Die äußerst freizügigen Shows wurden von Durand aufwändig und meist auch mit einem Funken Ironie inszeniert. Der gebürtige Franzose mit dem charmanten Lyoner Akzent liebte es, die Zuschauer während der oft derben erotischen Darbietungen nicht nur zu erregen, sondern auch zum Lachen zu bringen.[4] In seinem erotischen Theater wurde neben phantasievollem Striptease mit zum Teil transsexuellen Darstellern aus Südamerika[5] auch Geschlechtsverkehr in allen Variationen gezeigt. Nicht selten durften interessierte Gäste aus dem Publikum auch am Bühnengeschehen teilnehmen oder wurden von pausierenden Sexartisten in den Sitznischen und Séparées des Lokals bedient.[6][7]

Das Salambo-Theater wurde mehrmals wegen des Verdachts der Förderung der Prostitution geschlossen, aber immer wieder eröffnet, da sich diese Anklagen nie einwandfrei beweisen ließen. Die Ära des Salambo wurde 1983 jäh unterbrochen, als Konkurrenten das Lokal abbrannten. Durand zog mit seinem Sex-Theater daraufhin in das Gebäude des einstigen Star Clubs. 1993 übernahm seine Tochter Yvonne die Geschäftsleitung, während sich der Vater vier Jahre im Ausland aufhielt. 1997 wurde das Nachtlokal vom Bezirksamt Mitte „pünktlich zum 25-jährigen Salambo Jubiläum“ endgültig geschlossen.[3] In seinen Räumen befindet sich heute ein Tabledance-Club.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Zint, Klaus Martens: Große Freiheit 39. Vom Beat zum Bums, vom „Starclub“ zum „Salambo“. Heyne, München 1987, ISBN 3-453-00719-0
  • Renate Durand: Eine St. Paulianerin: Von der Großen Johannisstraße bis zum Salambo. Verlag Casa, Hamburg 2005, ISBN 3-9809756-1-4
  • Lust und List. In: Der Spiegel. Nr. 35, 1970 (online).
  • Günter Zint, Die Salambo Story - Sankt Pauli Museum und Junius Verlag, Hamburg 2019

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. René Durand. Autobiografisches Porträt in: Jörg Meier: Ich möchte keine Minute missen. Menschen auf St. Pauli erzählen. 1. Aufl., Greno, Nördlingen 1987, ISBN 3-89190-846-6. S. 69 ff
  2. Beerdigung von „Salambo“-Chef René Durand: Letzte Erotik-Show für die Kiez-Legende. In: bild.de. 29. Januar 2013, archiviert vom Original am 12. April 2013; abgerufen am 9. August 2022.
  3. a b Clemens Höges: Die Warzen auf der Nase. In: spiegel.de. 19. Juli 1992, abgerufen am 9. August 2022.
  4. René Durand: „Ich bin eine Mensch von Theater ...“ In: Jörg Meier: Ich möchte keine Minute missen. Menschen auf St. Pauli erzählen. 1. Aufl., Greno, Nördlingen 1987, ISBN 3-89190-846-6. S. 69
  5. Mariella Loue, Artistin im Sex-Theater Salambo: „In Venezuela die Travestie nicht machen Pornographie in die Programm, keine Séparée, keine Bumsen.“ In: Jörg Meier: Ich möchte keine Minute missen. Menschen auf St. Pauli erzählen. 1. Aufl., Greno, Nördlingen 1987, ISBN 3-89190-846-6. S. 162
  6. Elio Orlando Carmona, Artist im Sex-Theater Salambo: „Und ich muß (mich auf der Bühne) auch konzentrieren nicht spritz (nicht zu ejakulieren). Manchmal passiert schon. ... Zum Beispiel wenn kommt schöne Blonde. Ist Gast hier in Salambo.“ In: Jörg Meier: Ich möchte keine Minute missen. Menschen auf St. Pauli erzählen. 1. Aufl., Greno, Nördlingen 1987, ISBN 3-89190-846-6. S. 156
  7. Maria Sch., Artistin im Sex-Theater Salambo: „... mir gefällt das irgendwie, den Gast zu überreden, daß er sich da net genieren muß, weil das ist ja nicht Liebe auf weiß Gott wie lang. Das ist einfach Sex ...“ In: Jörg Meier: Ich möchte keine Minute missen. Menschen auf St. Pauli erzählen. 1. Aufl., Greno, Nördlingen 1987, ISBN 3-89190-846-6. S. 164
  8. Kiez trauert um Salambo-Gründer René Durand. In: Abendblatt.de. 18. Januar 2013, abgerufen am 9. August 2022.