Sandsack

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Dieser Artikel behandelt den Sandsack als Mittel zur Abdichtung gegen Überflutungen, insbesondere von Deichen. Zum Trainingsgerät für Boxer siehe Boxsack.
Aus Sandsäcken gebauter Wall zum Hochwasserschutz
Sandsäcke beim Schutz einer Tankstelle vor Treffern im Zweiten Weltkrieg

Sandsäcke werden sowohl zum Hochwasserschutz und zur Deichverteidigung, als auch zum Bau einfacher Behausungen oder ganzer Gebäudekomplexe eingesetzt. Man kann mit ihnen Sandsackdeiche bauen, vorhandene Deiche erhöhen, Deichfuß-Sicherungen durchführen, Quellkaden errichten oder Gebäude schützen. Sandsäcke werden auch im militärischen Bereich verwendet. Dort dienen sie als Deckung vor Granatsplittern und Einschüssen. Gegenüber einer festen Deckung haben sie den Vorteil, dass es keine Abprallschüsse gibt. Sandsackdämme können auch zum Auffangen kontaminierten Löschwassers verwendet werden.

Statik[Bearbeiten]

Mauern oder Barrieren aus Sandsäcken sind grundsätzlich den Gesetzmäßigkeiten von Schwergewichtsmauern unterworfen. Sie können sehr große Höhen erreichen, sind allerdings stets unten breiter als oben auszuführen. Die stärkere Neigung sollte dabei an der dem Wasser zugewandten Seite liegen, um deren Eigenmasse zur Stabilisierung auszunutzen. Es ist allerdings logistisch kaum ausführbar, große Bauwerke aus Sandsäcken zu errichten, auch wenn dies technisch möglich wäre. Aufgrund der dynamischeren Belastung sind Sandsäcke als Hochwasserschutz am Meer weniger verbreitet als an Flüssen.

Material[Bearbeiten]

Sandsäcke zur Befestigung eines Hochwasserschutzes aus Paletten.
THW und Feuerwehr bauen einen Sandsackwall
Sandsäcke zur Sicherung von Hauseingängen beim Oderhochwasser 2010 in Słubice

Sandsäcke bestehen aus Naturfasern (z.B. Jute[1]) oder Kunststoff (z.B. Polypropylen[1]). Zum Hochwasserschutz werden sie zu 2/3 mit Sand gefüllt. Säcke aus Kunststoff haben den Nachteil, dass sie wesentlich leichter wegrutschen als Naturfasersäcke. Kommen Naturfasersäcke mit Wasser in Berührung, saugen sie sich voll und quellen auf. Dadurch wird der Sandsackdeich noch zusätzlich abgedichtet. Außerdem vermodern die Naturfasern, wenn Säcke im Deich liegen gelassen oder vom Fluss mitgerissen wurden.

Kunststoffsäcke sind vorzuziehen, wenn gefüllte Säcke auf Vorrat längere Zeit gelagert werden sollen. Dies ist bei Deichschutzverbänden in hochwassergefährdeten Gebieten regelmäßig der Fall.

Meist werden die Säcke mit Band oder Rödeldraht verschlossen. Man kann sie aber auch mit speziellen Sacknähmaschinen zunähen. Dies hat den Vorteil eines festeren Verschlusses, besseren Verbaus und sichereren bzw. effektiveren Transports. Wenn die Zeit zum Verschließen nicht vorhanden ist, können sie jedoch auch offen verwendet werden. Dabei wird die Öffnung umgeklappt und unter den Sack gelegt. Das Gewicht des Sands liegt so auf der Öffnung. Beim Verbau der Säcke ist ferner darauf zu achten, dass keine Lücken vorhanden sind. Um dies zu erreichen, werden die liegenden Säcke mit dem Fuß festgetreten.

Befüllung[Bearbeiten]

Die Befüllung der Sandsäcke kann komplett manuell aber auch maschinell mit einer Sandsackfüllmaschine erfolgen.

Transport von Sandsäcken bei Hochwasser[Bearbeiten]

Eine Menschenkette (Reißverschluss)

Der Transport der gefüllten Säcke zur Einsatzstelle kann meist nicht vollständig durch LKW, Boote oder Hubschrauber durchgeführt werden. Grund dafür sind durchweichte Deiche oder unpassierbare Brücken. Deswegen geschieht der Transport zur Verlegestelle fast ausnahmslos über eine Menschenkette.

Die Helfer stellen sich dabei in einigem Abstand gegenüber (Reißverschluss). Der Abstand sollte so gewählt werden, dass die Sandsäcke ohne Standortwechsel bequem gereicht werden. Sandsäcke sollen nicht geworfen werden, da dies auf Dauer zu anstrengend ist und zu Verletzungen führen kann, falls der fangende Helfer noch nicht bereit ist.

Anwendung[Bearbeiten]

Beim Bau eines Sandsackdammes muss in erster Linie auf einen dichten Verbund und eine saubere Verlegetechnik der Sandsäcke untereinander geachtet werden. Nur so ist sichergestellt, dass ein wasserdichter und stabiler Damm entsteht.

  • Ein Sandsack am Fuß wird längs zum Wasser verlegt
  • In der zweiten Lage werden die Sandsäcke quer verlegt
  • Breite entspricht mindestens zweimal der Höhe

Alternative Systeme[Bearbeiten]

Von diversen Anbietern werden Schnelldeichsysteme angeboten.

Als Ersatz und Ergänzung für Sandsäcke werden auch Big Bags (meist 1 m³) eingesetzt. Diese haben den Vorteil, dass bei einem eventuellen Transport mit Helikopter oder Radlader eine schnelle Verlegung möglich ist. Insbesondere bei einem kompletten Deichbruch kann eine erste Hilfe erfolgen. Für eine Aufstockung eines vorhandenen Dammes werden diese aufgrund der hohen Transportkosten selten eingesetzt. Die hohe Einzelmasse ist von Vorteil, in Notsituationen werden diese großen Säcke benutzt, wenn das Verlegen kleiner Sandsäcke nicht mehr möglich ist.

Verwendung zum Hausbau[Bearbeiten]

Der deutsche Architekt Gernot Minke entwickelte unter anderem ein Baukonzept, bei dem mit Bims gefüllte Sandsäcke zum Bau tragender Wände verwendet wurden. Er ist Leiter des Forschungslabors für Experimentelles Bauen an der Universität Kassel.

Der iranische Architekt Nader Khalili entwickelte die sogenannte Earthbag-Architektur, wonach mit Erde und anderen Materialien gefüllte Sandsäcke zum Bau von Häusern vorrangig in der Dritten Welt genutzt werden. Er ist Gründer des Cal-Earth-Instituts in Kalifornien, welches sich mit der Verbreitung und Weiterentwicklung dieser Technologie beschäftigt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Hausbau aus Sandsäcken[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b SPON: Sandsack-Unternehmer vom 4. Juni 2013, Interview mit Geschäftsführer von www.sandsaecke-bs.de