Sankt-Adalbert-Kathedrale (Esztergom)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Frontansicht des Domes von Esztergom
Innenansicht
Der Dom bei Nacht
Luftaufnahme des Areals der Basilika

Die Kathedrale Unserer Lieben Frau und des heiligen Adalbert (ung. Nagyboldogasszony és Szent Adalbert prímási főszékesegyház), der Dom von Esztergom, ist die Kathedralkirche des römisch-katholischen Erzbistums Esztergom-Budapest. Sie befindet sich in Esztergom (deutsch: Gran), der früheren ungarischen Hauptstadt.

Der Dom ist der in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter Maria und dem heiligen Adalbert von Prag geweiht. Seine Entstehungsgeschichte reicht von 1001 bis 1869. Als caput, mater et magistra ecclesiarum hungariae („Haupt, Mutter und Lehrerin der ungarischen Kirchen“) ist sie die größte Kirche Ungarns und steht auf Platz 18 der größten Kirchen der Welt.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem ungarischen König Stephan dem Heiligen wurde die erste Kirche von 1001 bis 1010 errichtet. Sie bestand bis zum 12. Jahrhundert und wurde durch einen Brand zerstört. Nach einem Neubau überstand die neue Kathedrale 1242 den Mongoleneinfall in Ungarn. Unter Wenzel III. von Böhmen, der für den ungarischen Thron kandidierte, wurde sie repariert und zur Bischofskirche erhoben. Die Bischöfe vergrößerten und verschönerten sie in den folgenden Jahrhunderten. Bei der Basilika wurde eine Bibliothek gegründet, die als zweitbedeutendste Ungarns galt.

Im Jahr 1543 wurde die Basilika von osmanischen Truppen eingenommen. Erzbischof Pál Várdai (1526–12. Oktober 1549) und das Domkapitel waren jedoch bereits zuvor nach Nagyszombat (heute Trnava (Tyrnau) nordöstlich von Bratislava in der Slowakei) geflohen und konnten so einen Großteil des Domschatzes retten. Bis 1820 blieb das Domkapitel im Exil in Nagyszombat. Während der 140-jährigen Besetzung durch die Osmanen wurde der Burgberg viermal wochenlang unter Beschuss genommen und die dort vorhandenen Gebäude daher weitgehend zerstört: bei der Eroberung von 1543, bei der erfolglosen Belagerung von 1594 durch österreichische Truppen, 1595, als der Burgberg für zehn Jahre von den Österreichern zurückerobert wurde und bei der endgültigen Rückeroberung im Jahre 1686 durch die Truppen der Habsburger. Erheblichen Schaden richteten auch die aufständischen Kurutzen unter Franz II. Rákóczi(* 1676, † 1735) an, die 1706 den Burgberg eroberten, wobei von der Kathedrale lediglich die Grabkapelle des Erzbischofs Tamás Bakócz (1489–1521) unversehrt erhalten blieb. Anschließend war der strategisch gelegene Burgberg von österreichischen Truppen bis 1771 besetzt.[2]

Kardinal-Primas Sándor Rudnay, unter dem 1822 der Grundstein zur neuen Kathedrale gelegt wurde

Erst 1820 unter Erzbischof Sándor Rudnay wurde der Sitz des Erzbistums und das Domkapitel wieder nach Esztergom verlegt und der Neubau der Kathedrale beschlossen. Sie erhielt hierbei den Status der Mutterkirche des Landes Ungarn.

Als ersten Schritt beauftragte Rudnay den Leiter des kaiserlichen Hofbauamtes in Wien, Ludwig Remy, Entwürfe für ein neues geistliches Zentrum auf dem Burgberg in Gran anzufertigen. Da das Arbeitstempo Remys nicht den ungeduldigen Erwartungen des Primas entsprach, beauftragte er auch Paul Kühnel – einen Untergebenen Remys aus Sopron (Ödenburg) – mit der Planung. Als Remy davon erfuhr, legte er den Auftrag gekränkt zurück. Kühnel gelang es jedoch wenige Monate später fertige Entwürfe vorzulegen, aufgrund derer die Fundamentierungsarbeiten begonnen werden konnten und am 23. April 1822, am Tag des Heiligen Adalbert von Prag († 997), des Schutzheiligen des Erzbistums, im Rahmen eines Festaktes der Grundstein für den Bau gelegt wurde.

Zur Durchführung der Pläne ersuchte der kränkliche Kühnel seinen Neffen, Johann Baptist Packh um Unterstützung. Dieser leitete nach dem Tod Kühnels im Jahre 1824 allein die Bauarbeiten, die an mehreren Stellen gleichzeitig durchgeführt wurden. Nach der Fertigstellung der Krypta wurde die Bakócz-Kapelle um 17 Meter und auf einen 8 Meter höheren Standort verlegt. Rudnays rastlose Anstrengungen stießen bei niemandem auf Sympathie, sodass die Hofkammer in Wien nach Rudnays plötzlichem Tod 1831 die Bautätigkeit sofort einstellte.[3]

Acht Jahre später ließ die Hofkammer durch Peter von Nobile (* 1774; † 1854), den Nachfolger Remys als Leiter des kaiserlichen Hofbauamtes in Wien, neue, einfachere Pläne anfertigen, wogegen sich Packh vehement wehrte.

Architekt József Hild, auf den der klassizistische Umbau zurückgeht

Seit 1838 war József Kopácsy, Erzbischof von Gran, unter dem die Arbeit reorganisiert wurde, die jedoch durch die Ermordung von Johann Baptist Packh unterbrochen wurde. Er beauftragte daher József Hild (* 1789; † 1867) mit der Bauleitung in Gran. Dabei kam es zu wesentlichen Änderungen der Pläne, denn der Bau wurde nunmehr im klassizistischen Stil weitergeführt, wobei auf die Seitengebäude der Kathedrale, d. h., auf den Primatenpalast und auf das große Priesterseminar verzichtet wurde. Zugleich wurden die Seitenmauern erhöht, die Tragpfeiler der Kuppel abgetragen und stärker wieder aufgebaut, das Gewölbe der Kuppel erhöht und die Fassade zur Donau umgebaut. Beim Tod von Erzbischof Kopácsy im Jahre 1847 war das Bauwerk schon überwölbt.

Während des Freiheitskampfes von 1848/49 kam die Bautätigkeit zum Erliegen und wurde erst 1849 durch den Kardinal-Primas János Krstitel Scitovszký de Nagy-Ker energisch fortgesetzt. Als das Bauwerk zwar bei weitem noch nicht fertig, aber verwendbar war, erfolgte am 31. August 1856 in Gegenwart des Apostolischen Königs von Ungarn – Franz Joseph I. Kaiser von Österreich – unter den Klängen der von Franz Liszt für diesen Anlass komponierten Graner Messe, der Missa solemnis zur Einweihung der Basilika in Gran die feierliche Einweihung der Kathedrale.

Kardinal-Primas János Simor unter dem die Kathedrale von Gran 1869 fertiggestellt wurde

Ab 1867 war Kardinal János Simor(† 1891) Primas von Ungarn, dem es gelang, den Bau der mächtigen Basilika in zwei Jahren fertigzustellen, sodass am 1. November 1869 der Schlussstein eingesetzt werden konnte.[4]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dom von Esztergom ist eine langgestreckte Saalkirche mit einem kurzen Querhaus. Zwei Kapellen, die Domschatzkammer und ein Empfangssaal ergänzen den Grundriss zum Rechteck.[5] Über der Vierung im Zentrum des Bauwerks erhebt sich die weithin sichtbare Kuppel auf einem Säulentambour. Die Portalfront, ein repräsentativer antikisierender Portikus, wird von zwei Anbauten mit den Glockentürmen flankiert.

Der Innenraum der Basilika erstreckt sich auf einer Fläche von 5.600 m², sie ist 118 m lang und 49 m breit. Zwölf Fenster durchfluten den Kirchinnenraum mit Licht. Mit der Kuppel (Durchmesser 33,5 m), hat die Kathedrale eine Innenhöhe von 71,5 m und eine Außenhöhe von maximal 100 m, von der Krypta aus gemessen.

Das Altarbild mit seinen Ausmaßen von 13,5 x 6,5 m ist die Darstellung der Mariä Aufnahme in den Himmel, geschaffen von Michelangelo Grigoletti. Sie ist das größte Gemälde der Welt, das auf einem einzigen Stück Leinwand gemalt worden ist.

Die Tamás-Bakócz-Kapelle ist ein Werk italienischer Meister von 1506 bis 1507. Sie wurde aus rotem Marmor von Süttő geschaffen, und ihre Wände sind mit toskanischen Renaissance-Motiven geschmückt. Die Kapelle ist ein Beispiel für die Renaissance-Kunst in Ungarn.

Die letzte Ruhestätte für die späten Erzbischöfe des Erzbistums Esztergom-Budapest ist die Krypta, die im altägyptischen Stil errichtet wurde. In ihr ruhen unter anderem die Gebeine des ungarischen „Märtyrers“ József Kardinal Mindszenty, der ein starker Gegner des Kommunismus in Ungarn war.

Seine Gebeine wurden am 4. Mai 1991 vom österreichischen Mariazell nach Esztergom überführt.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die große Orgel der Basilika

Die Orgel der Basilika ist ein Werk Ludwig Moosers, der 1863 seine Werkstätte von Salzburg nach Eger verlegt, weil er vermehrt Aufträge aus Ungarn erhalten hatte. Am 19. September 1854 wurde die Orgel begonnen, die Fertigstellung dauerte bis zum 31. August 1856, dem Tag der Einweihung der Kathedrale. Sie hatte 49 Register auf drei Manualen und einem Pedal und war mit 3530 Pfeifen versehen. Die dafür benötigten Teile wurden per Schiff auf der Donau angeliefert.

In den 1920er Jahren wurden die im Ersten Weltkrieg abgelieferten Prospektpfeifen von der Firma Angster durch Zinkpfeifen ersetzt. Die Orgel war bis Ende des Zweiten Weltkrieges nahezu original erhalten, dann aber durch Kriegseinwirkung irreparabel beschädigt. Die Fa. Rieger (mit Filiale in Budapest) nahm 1947 eine Generalsanierung vor, in der die Orgel großzügig umgestaltet wurde. Nach den 1970er Jahren baute man die Orgel noch einmal um, wobei Teile der Mooser-Orgel restauriert und in die Neukonzeptionierung einbezogen wurden. Die heutige Orgel umfasst 147 Register, verteilt auf fünf Manualen und einem Pedal und mit Schleifladen mit elektrischer Traktur, Umstände, die ihr einen überwältigenden Klang verleihen.[6][7]

Der derzeitige Titularorganist ist István Baróti, der auch an der theologischen Akademie in Esztergom Kirchenmusik unterrichtet.

Disposition der Orgel

Pedal C–
1 Majorbass 32'*
2 Infrabass 32' M*
3 Principal 16'
4 Flûte 16'
5 Kontrabass 16' M*
6 Subbass 16' M*
7 Violon 16'
7 Bourdon 16'
8 Salicet 16'*
9 Quint 102/3'
10 Grand Cornet IV 102/3'
11 Octavbass 8'*
11 Flûte 8'
12 Aperta 8'*
13 Gedackt 8'
14 Cello 8'*
14 Terzsept II 62/5'
15 Rauschbass II 51/3'*
16 Zink IV 51/3'
17 Spitzprincipal 4'
18 Tibia 4'
19 Violoncello 4'
160 Rauschpfeife III 22/3'
161 Flöte 2'
162 Compensum VII 22/3'
163 Mixtur IV 2'
164 Bombarde 32'*
165 Posaune 32' M*
166 Bombarde 16'
167 Posaune 16'*
167 Basson 16'
168 Dulcian 16'
169 Tromba 8'*
170 Clairon 4'*
I Unterwerk C–
19 Gedackt 16'
20 Holzprincipal 8'
21 Gedackt 8'
22 Fugara 8' M
22 Salicet 8'
23 Quintatön 8'
24 Harfpfeife 8'
25 Principal 4'
26 Koppelflöte 4'
27 Flûte d’amour 4'
28 Violine 4'
29 Nasat 22/3'
30 Octave 2'
31 Spitzflöte 2'
32 Terz 13/5'
33 Larigot 11/3'
34 Sifflöte 1'
35 Mixtur IV 2'
36 Cymbel IV 1/2'
37 Cymbelpfeife 1/6'
38 Spillregal 16'
39 Trichterregal 8'
40 Vox humana 8'
II Hauptwerk C–
107 Bourdon 32'
108 Praestant 16'*
109 Bourdon 16' M
110 Principal 8' M*
110 Octave 8'
111 Spitzflöte 8'
112 Coppel 8' M*
113 Gamba 8'
114 Quint major 51/3' M*
115 Octave 4' M*
116 Waldflöte 4' M*
117 Rohrflöte 4'
118 Cornet III 31/5' M*
119 Quint 22/3' M*
120 Piccolo 2' M
121 Rauschwerk VIII–X 2' M*
122 Cimpel III-V 11/3' M*
123 Trompete 16'
124 Tromba 8'
125 Trompeta imperial 32'*
126 Clarin de batalla 16'*
127 Trompeta real 8'*
128 Bajoncillo 4'*
III Positiv C–
45 Principal 16'*
46 Quintatön 16'*
47 Praestant 8'*
48 Rohrflöte 8'*
49 Trichtergedackt 8'
50 Salizional 8'*
50 Viola di Gamba 8'
51 Quintatön 8' M*
52 Octave 4'*
53 Blockflöte 4'
54 Gemshorn 4'*
55 Nasat 22/3'
56 Prinzipal 2'*
57 Waldflöte 2'
58 Terz 13/5'
59 Sifflöte 11/3'*
60 Septime 11/7'
61 Octave 1'*
62 None 8/9'
63 Undecim-tredecim 8/11 + 8/13'
64 Scharf IV-V 11/3'
65 Terzianscharf IV 2/3'*<br
66 Holzdulzian 16'*
67 Krummhorn-Schalmey 8'*
67 Clarinette 8'
68 Rohrschalmey 4'
69 Clarin claro 8'*
70 Clarin brillante 4'*
IV Oberwerk C–
136 Rohrbourdon 16'*
137 Prinzipal 8'*
138 Flûte harmonique 8'*
139 Gemshorn 8'
139 Voce humana 8'
140 Unda maris 8'*
141 Cornet V 8'
142 Nasat 51/3'
143 Octave 4'*
144 Holzflöte 4'
145 Terz 31/5'
146 Rauschpfeife III 22/3'
147 Septime 22/7'
148 Superoctave 2'*
149 Blockflöte 2'
150 Nachthorn 1'
151 Mixtur V-VII 2'*
152 Acuta IV-VI 2/3'
153 Colorian IV 4/9'*
154 Trompeta magna 16'*
155 Tuba mirabilis 8'
155 Trompete 8'
156 Trompete 4'
V Schwellwerk C–
77 Bourdon 16'
78 Gemshorn 16'*
79 Gambe 16'
80 Prinzipal 8'*
81 Flûte 8'*
82 Bourdon à cheminée 8' M*
82 Aeoline 8'
83 Gambe 8'*
84 Voix céleste 8'*
85 Cornet VI 8'*
86 Couleur cornet V 51/3'*<br
87 Octave 4'*
87 Violine 4'
88 Flauto 4' M*
89 Flûte octaviante 4'*
90 Dulciane 4'*
91 Nasard 22/3'*
92 Plein jeu III-IV 22/3'*
93 Doublette 2'*
94 Flûte conique 2'*
94 Tierce 13/5'
95 Carillon 1 + 1/2'*
96 Mixtur IV-V 11/3'*
97 Cymbal IV 1/4'*
98 Bombarde 16'*
99 Trompette harmonique 8'*
100 Hautbois 8'*
101 Musette 8'*
102 Clairon 4'*
  • Koppeln: 171 P+I; 172 P+II; 173 P+III; 174 P+IV; 175 P+V; 176 P+IV super; 41 I+III; 42 I+IV; 43 I+V; 44 Tremolo; 129 II+I; 130 II+III; 131 II+IV; 132 II+V; 133 II+II super; 134 II+IV super; 135 II+V super; 71 III+I; 72 III+IV; 73 III+V; 74 Tremolo; 75 Echo kombination; 76 Echo pleno; 157 IV+V; 158 IV+V super; 159 Tremolo; 103 Tremolo**
  • Nebenregister
  • Spielhilfen
Altarbild Mariä Aufnahme in den Himmel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sankt-Adalbert-Kathedrale (Esztergom) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.zoom.hu
  2. Pál Cséfalvay: Die Basilika, der Domschatz und der Burgberg zu Esztergom. Helikon Verlag, 1992, ISBN 963-208-253-2, S. 8
  3. Pál Cséfalvay: Die Basilika, der Domschatz und der Burgberg zu Esztergom. Helikon Verlag, 1992, ISBN 963-208-253-2, S. 9
  4. Pál Cséfalvay: Die Basilika, der Domschatz und der Burgberg zu Esztergom. Helikon Verlag, 1992, ISBN 963-208-253-2, S. 9
  5. Grundriss
  6. Informationen über die Orgel
  7. Website über die Orgel

Koordinaten: 47° 47′ 56″ N, 18° 44′ 12″ O