Sapeur

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Sapeurs in Kinshasa (2014)

Ein Sapeur, nach dem informellen französischen Begriff sape für Klamotten, ist ein zugleich auffällig, wie elegant gekleideter Mann in Afrika, dessen Auftreten in deutlichem Kontrast zu seinen Lebensumständen steht. Die Sapeurs entstanden als soziale Bewegung Mitte der 1970er Jahre in der kongolesischen Hauptstadt Brazzaville, als Protestierende gegen die Politik Joseph Mobutus durch formale Kleidung ausdrücken wollten, dass sie keine Rebellen und Unruhestifter waren. Als stilprägend galt damals Papa Wemba.[1]

Als La sape ist die Bewegung der Sapeurs bis heute einer der wenigen Trends, der von Ostafrika in andere Teile der Welt ausstrahlt. Der Begriff wurde später durch das Backronym Société des Ambianceurs et des Personnes Élégantes (entspricht etwa „Gesellschaft der Unterhalter und eleganten Personen“) erklärt.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtigstes Merkmal eines Sapeurs ist sein nach modischer Eleganz und Individualität ausgerichteter Lebensstil, der sich vor allem optisch an Eigenschaften eines klassischen Dandys und Gentlemans orientiert. Das Tragen schicker sowie aufwendig kombinierter Kleidung sagt jedoch nichts über seinen gesellschaftlichen oder monetären Stand aus, sondern verdeutlicht vielmehr den Kontrast zwischen der inneren Freiheit eines Sapeurs und den ihn umgebenden äußeren Umständen.[2] Das aparte Auftreten fungiert dabei primär als Widerstand gegen die Tristesse und Armut der Heimatregion eines Sapeurs.[3] Heute genießt ein jeder Sapeur in seiner Gemeinde durch seinen individuellen Auftritt hohes Ansehen und Respekt. Er selbst sieht sich als Lebenskünstler. Neben seiner Garderobe und einem entsprechenden Ehrenkodex pflegt er ein persönliches Repertoire an aristokratisch anmutenden Gesten.[4]

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihren Ursprung hat die Subkultur in den frühen 1920er Jahren und ist eng an die französische Kolonisation des Kongobeckens gekoppelt. Als Begründer der Bewegung gilt Grenard André Matsoua, der nach einem längeren Aufenthalt in Europa in einem eleganten westlichen Anzug zurückkehrte und einen neuen Kleidungsstil samt entsprechenden Tugenden propagierte, der im Gegensatz zur traditionellen Garderobe seiner Landsleute stand.[5] Ab Mitte der 1960er Jahre entwickelte sich die modische Eigenart der Bewegung zu einer Art politischem Widerstand gegen die nach Ende der Kolonialzeit eintretenden politischen Dogmen.[6]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekanntheit erreichte die Bewegung mittlerweile auch im Ausland, wo sie stellenweise, wie in Südafrika oder Marokko,[7] kopiert wird oder von der Werbeindustrie für entsprechende Zwecke entdeckt wurde.[8]

Die beiden Fotografen Francesco Guisti und Mathilde Lloret widmeten 2011 unter dem Titel Dress(ing) up eine ganze Ausstellung den Mitgliedern der Bewegung.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Société des ambianceurs et des personnes élégantes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Referenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutschlandfunk: Weltmusikstar Papa Wemba ist gestorben, 24. April 2016
  2. http://www.geo.de/GEO/reisen/fotogalerien/fotogalerie-die-sapeurs-von-brazzaville-61145.html
  3. http://www.npr.org/blogs/pictureshow/2013/05/07/181704510/the-surprising-sartorial-culture-of-congolese-sapeurs
  4. http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/mode/die-sapeurs-oscar-wilde-in-den-tropen-1881537.html
  5. http://hectormediavilla.com/index.php/album_photos/12
  6. http://sabotagetimes.com/fashion-style/the-gentlemen-of-bakongo-and-their-cult-of-elegance
  7. http://www.huffingtonpost.com/2014/09/12/hassan-hajjaj-portraits_n_5807750.html
  8. http://www.wuv.de/marketing/guinness_stylishe_herren_aus_kongo_brazzaville
  9. http://www.quoideneufenalsace.com/culture/30-actualites/2582-l-dressing-up-r.html