Schauspielhaus Neubrandenburg

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Schauspielhaus Neubrandenburg

Das Schauspielhaus Neubrandenburg ist das älteste erhaltene Theatergebäude in Mecklenburg-Vorpommern und eine der Stammbühnen der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz. Das Fachwerkhaus befindet sich in der Pfaffenstraße in Neubrandenburg.

Die Historie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herzog Adolf Friedrich IV., der Regent des Landesteils Mecklenburg-Strelitz, wählte Neubrandenburg 1775 zu seiner Sommerresidenz. Für die seit diesem Jahr regelmäßig hier gastierende Theatertruppe des Peter Florenz Ilgener und das wenig später gegründete herzogliche Hoftheater dienten zunächst verschiedene Gebäude in der Stadt, unter anderem das Rathaus, als Spielstätte. Zwischen 1780 und 1794, in der Literatur werden unterschiedliche Jahreszahlen angegeben, ließ der Herzog mit dem „Comödienhaus“ in der Pfaffenstraße eine feste Spielstätte erbauen. Sein Nachfolger Karl II. löste das Hoftheater wegen knapper Kassen auf.

Modell des Schauspielhauses (mit Erker aus den 1890er Jahren) im früheren Modellpark Neubrandenburg

In den folgenden Jahrzehnten wurde das Gebäude von verschiedenen Wanderbühnen und -theatern bespielt, ab 1822 auch vom wiedergegründeten Strelitzer Hoftheater. 1825 erfolgten unter der Leitung von Friedrich Wilhelm Buttel Umbauarbeiten. Im Verlauf der Revolution 1848/49 wurden im Schauspielhaus mehrere Volksversammlungen abgehalten. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 diente das Gebäude als Lazarett. Unter Großherzog Friedrich Wilhelm (II.) wurde das Gebäude 1890 an den Arzt Dr. Ludwig Mercker (1840–1920) verkauft. Dieser ließ Fassade und Innenräume umgestalten, um darin eine „Anstalt für Bewegungskuren“ einzurichten. Im Zuge dieser Umbauten erhielt das Schauspielhaus auch einen Erker.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde im Haus erneut ein Lazarett eingerichtet. Nach 1945 waren im Gebäude zwischenzeitlich Wohnungen und eine Vulkanisier- und Motorradwerkstatt untergebracht und eine Kirchgemeinde hatte hier ihren Versammlungssaal. Trotzdem war das Haus dem Verfall ausgesetzt. Die ursprüngliche Innenausstattung ging vollständig verloren.

Nach der Wende wurde das Gebäude wieder zu einem Schauspielhaus umgebaut. Bei der Sanierung erhielt es seine ursprüngliche äußere Gestalt. Der inzwischen baufällig gewordene, über Jahrzehnte stadtbildprägend gewesene Erker wurde dabei wieder entfernt. Zum ersten Mal hob sich der Vorhang bei der feierlichen Wiedereröffnung im April 1994.

Das heutige Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 180 Zuschauer fassende Theater (mit Logenplätzen bis zu 200 Zuschauer) ist mit moderner Bühnentechnik, inklusive Drehscheibe und Orchestergraben, ausgestattet. Für den Saal fertigte der Künstler Klemens Kühn auf dem historischen Tonnengewölbe ein zeitgenössisches Deckengemälde an. Eine bauliche Besonderheit ist das aus vielen Einzelpodesten bestehende Parkett, das den Bühnenbildnern die Möglichkeit gibt, die Sitzreihen variabel zu gestalten und bei Bedarf den Zuschauerraum in das Bühnenbild einzubeziehen oder zum Beispiel ein kleines Orchester zu platzieren. In manchen Inszenierungen nahm das Publikum auch schon direkt auf der Bühne Platz und der Zuschauersaal diente als Bühne. So erschließen sich dem Publikum immer wieder neue, interessante Perspektiven auf das Theatergebäude und auf die Stücke.

Im Foyerbereich des Schauspielhauses befindet sich ein Café, das sich sowohl zu Aufführungen als auch an veranstaltungsfreien Tagen geöffnet ist. Gelegentlich finden auch hier Lesungen und kleine Konzerte statt. Zum Gebäudeensemble gehört ebenfalls ein benachbartes, mehrgeschossiges Fachwerkhaus – bekannt als Greve-Haus wegen der dort über Jahrzehnte arbeitenden Buchdruckerei der gleichnamigen Familie –, in dem der Besucherservice und ein Teil der Verwaltung zu finden sind. Eine zwischen beiden Gebäuden liegende Baulücke wurde durch einen modernen, gläsernen Verbindungsbau geschlossen, der heute den Eingangsbereich zum Schauspielhaus bildet.

In unmittelbarer Nähe des Schauspielhauses befindet sich zudem eine Probebühne. Das Gebäude, der ehemalige (groß-)herzogliche Marstall, wurde 2004 ausgebaut und beherbergt nun außerdem Theaterwerkstätten, einen kleinen Fundus und das Notenarchiv der Neubrandenburger Philharmonie.

Seit 2006 gehört das Schauspielhaus Neubrandenburg zum von der EU anerkannten schützenswerten kulturellen Erbe Europas und ist Teil der Deutschlandroute auf der Europastraße Historische Theater, die von PERSPECTIV, der „Gesellschaft der historischen Theater Europas“, ins Leben gerufen wurde.

Der Spielplan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst vom Neubrandenburger Kammertheater bespielt, ist das Schauspielhaus heute – zusammen mit dem Landestheater Neustrelitz – die Stammspielstätte der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz. Auf dem Spielplan stehen vor allem Schauspiele aller Epochen und Genres, so gibt es hier klassische Bühnenwerke von Schiller, Molière oder Shakespeare zu sehen, aber auch Stücke moderner Autoren wie George Tabori, Yasmina Reza oder Christoph Hein, sowie eine Vielzahl von Komödien und Lustspielen, von deren Beliebtheit beim Publikum die seit 2007 mit großem Erfolg fortgeführte Reihe „Kleine Komödie im Schauspielhaus“ zeugt. Außerdem hat sich das Schauspielhaus als Spielort für zeitgemäße Kinder- und Jugendstücke etabliert.

Weiterhin kommen pro Spielzeit eine bis zwei Musiktheaterinszenierungen (Opern, Operetten, Musicals und Chorprogramme) mit kleiner Orchester- oder Bandbesetzung zur Premiere, szenische Liederabende, Kammerkonzerte, Soiréen und Lesungen vervollständigen den Spielplan. Seit vielen Jahren sehr beliebt ist auch die „Märchenkammer“ auf der Probebühne, in der jeden Samstagnachmittag Puppenspiele und Märchen für Kinder und Erwachsene dargeboten werden.

Am Ende jeder Spielzeit (Ende Mai bis Anfang Juni) finden im Schauspielhaus die „Neubrandenburger Amateurtheatertage“ statt, bei denen Laienspielgruppen aus der Stadt und der Umgebung die Möglichkeit erhalten, ihre Stücke auf einer großen Bühne einem breiten Publikum zu präsentieren. Mit den (K)ammerteuren hat das Schauspielhaus auch eine eigene Laientheatergruppe, die eine Inszenierung im Jahr erarbeitet. Außerdem bringt die Niederdeutsche Bühne Neubrandenburg ihre ein bis zwei Stücke je Spielzeit im Schauspielhaus zur Premiere.

Pro Saison gehen bis zu 200 Theateraufführungen und Veranstaltungen über die Bühne des Schauspielhauses.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Wolf: Theater in Neubrandenburg. 2 Bände. Schriftenreihe des Regionalmuseums Neubrandenburg, Nr. 31 (1999) und 32 (2000).
  • Gudrun Mohr: Wundervolle Tollense. Unterwegs an See und Fluss gestern und heute. Steffen, Friedland/Mecklenburg 2005, ISBN 3-937669-48-5, S. 124–125.
  • Volker Schmidt: Neubrandenburg. Ein historischer Führer. Hinstorff, Rostock 1997, ISBN 3-356-00726-2, S. 90–91.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 53° 33′ 18″ N, 13° 15′ 47,8″ O