Europäische Route Historische Theater

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Europäische Route Historische Theater (englisch: European Route of Historic Theatres (ERHT)) ist ein Netzwerk von historisch bedeutsamen, erhaltenswerten Theatern in Europa. Die Route wurde von den Mitgliedern der Organisation „Perpectiv – Gesellschaft der historischen Theater Europas e.V.“ eingerichtet, die sich im Oktober 2003 mit dem Ziel gründete, das Kulturerbe von historischen Theatern in Europa zu erhalten. Die Route wurde auf Deutsch zunächst „Europastraße“ genannt. Inzwischen wird aber überwiegend die Bezeichnung „Europäische Route“ verwendet.[1] Die Route verbindet Städte mit insgesamt 120 (Stand 2017) bedeutenden historischen Theatern aus der Zeit zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert. Jede Route verbindet 9 bis 12 Städte mit großer Theatertradition.[2]

Auf einer Landkarte von Europa versucht der Verein, die Standorte der geförderten Theater durch eine als „Straße“ zu denkende Schlangenlinie miteinander zu verbinden. Diese ist in zwölf „Routen“ aufgeteilt, die aneinander anschließen, und zwar die Iberische Route, die Französische Route, die Ärmelkanalroute, die Deutsche Route, die Nordische Route, die Baltische Route, die Schwarzmeerroute, die Adriaroute, die Kaiserroute, die Alpenroute, die Norditalienische Route und die Grand Tour-Route Der vorgeschlagene Kurs beginnt in Lissabon (Portugal). Er führt über Spanien, Frankreich, England, Wales, Irland, Nordirland, Schottland, wiederum England, die Niederlande, Belgien, Deutschland, Schweden, Dänemark, Norwegen, wiederum Schweden, Finnland, Polen, Litauen, Lettland, nach Estland. Die theoretisch mögliche Strecke durch Russland und Weißrussland gehört nicht zur ERHT. Der zweite große Abschnitt der ERHT führt durch die Ukraine, Moldawien, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Albanien, Montenegro, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien, Österreich, Ungarn, die Slowakei, wiederum Österreich, Tschechien, wiederum Deutschland, die Schweiz und Italien nach Malta. Der Kulturreisende kann (außer von Lissabon oder Malta aus) weiter vom jeweiligen Anfangs- oder Endpunkt einer einzelnen Route direkt zu einer sich anschließenden Route gelangen, wenn er das will (außer von der Baltischen zur Schwarzmeerroute oder umgekehrt).[3] Sitz des gemeinnützigen Vereins ist Berlin.

Die „Europäische Route Historische Theater“ gehört nicht zu den Kulturwegen des Europarats.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2003 wurde die „Gesellschaft der historischen Theater Europas (PERSPECTIV)“gegründet. Die Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, sehens- und erhaltenswerte historische Theater einer interessierten Öffentlichkeit näher zu bringen. Diesem Zweck soll auch die „Europastraße Historische Theater“ dienen.[4]

Ursprünglich sollte die Gesamtroute aus fünf Teilrouten bestehen, die bis 2009 fertig sein sollten, und zwar aus der „Deutschlandroute“ (ab 2007), der „Nordischen Route“ (ab 2008), der „Kanal-Route“ (ab 2008), der „Italien-Route“ (ab 2009) und der „Kaiser-Route“ (ab 2009).[5]

Routen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ärmelkanal-Route[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Royal Opera House Illustration von 1808
  • Chimay (Belgien) – Théâtre du château, 1861 bis 1863 vom französischen Architekten und Bühnenbildner Charles-Antoine Cambon (1802–1875) nach dem Vorbild des ersten Schlosstheaters in Fontainebleau erbaut.
  • Gent (Belgien) – Opera, 1840 eingeweihtes luxuriöses, von Industriellen finanziertes Opernhaus.
  • Brüssel (Belgien) – Théâtre Royal du Parc, entstanden im Jahr 1782 als Ergänzung eines Vauxhall, eines Lustgartens mit Café im Freien nach englischem Vorbild am Rande eines Parks. Architekt war Louis Montoyer.
  • Leiden (Niederlande) – Schouwburg, erstes öffentliches Theater Hollands, errichtet 1705 von Schauspieler Jacob van Rijndorp, Erweiterung 1865 durch den Architekten Jan Willem Schaap.
  • Bury St Edmunds (England) – Theatre Royal, 1819 vom Architekten William Wilkins errichtetes neoklassizistisches Theater im Regency-Stil.
  • London (England) – Das seit 1732 existierende Theater Royal und heutige Royal Opera House in Covent Garden und das Theatre Royal Drury Lane; das Theater Royal in Covent Garden wurde 1848 zum Opernhaus, das Gebäude stammt von 1858; Royal Drury Lane eröffnete 1663, das heutige Theater stammt von 1812, der Zuschauerraum von 1922.
  • Craig-y-Nos (Wales) – Adelina Patti Theatre, die Sopranistin Adelina Patti ließ sich 1891 von den Architekten Bucknall & Jennings ihr Privattheater erbauen.
  • Nottingham (England) – The Malt Cross, historische Theater- und Musikhalle, heute Café/Bar mit kulturellen Veranstaltungen.
  • Richmond (England) – Georgian Theatre Royal, Stadttheater und Theatermuseum, 1788 eröffnet, 1848 geschlossen und 1963 wiedereröffnet, besterhaltenes Theater aus Georgianischer Zeit.

Deutschland-Route[6][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bühne des Ekhof-Theaters
Theatermuseum Meiningen, Bühnenbild Wintermärchen

Die Deutschland-Route wurde im November 2007 vom damaligen Tourismusbeauftragten der Bunderegierung Ernst Hinsken (CSU) und dem Präsidenten von Perspectiv eröffnet.[7]

Nordische Route[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salon und Bühne im "Confidensen", 2011.

Die Nordische Route wurde im Frühjahr 2008 eröffnet.

Kaiser-Route[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Opernhaus Graz, Zuschauer-Galerien

Alpenroute[8][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Norditalienische Route[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teatro Farneses Zuschauerraum
  • Vicenza – 1580 bis 1585 erbautes Teatro Olimpico, erstes überdachtes Theater der Neuzeit in Europa, Architekt: Andrea Palladio.
  • Sabbioneta – erstes freistehendes Theater der Neuzeit, Teatro Olimpico, erbaut von 1588 bis 1590 vom Architekten Vincenzo Scamozzi nach dem Vorbild des Teatro Olimpico in Vicenza.
  • ParmaTeatro Farnese am Palazzo della Pilotta, errichtet 1617/1618 von Giovanni Battista Aleotti.
  • Mantua – wissenschaftliches Theater Teatro Scientifico, entstand von 1767 bis 1769 für die Accademia degli Invaghiti nach Plänen von Antonio Galli da Bibiena.
  • CarpiStadttheater, 1861 erbautes, typisch italienisches Logentheater.
  • BolognaStadttheater, wurde nach den geänderten Originalplänen des Architekten Antonio Galli da Bibiena am 14. Mai 1763 eröffnet.
  • Bologna – Theater der Villa Aldrovandi Mazzacorati, original erhaltenes kleines Theater in einer Villa, eröffnet am 24. September 1763.
  • San Giovanni in PersicetoStadttheater, im Jahre 1626 einen Saal als Theater eingerichtet, 1659 Umbau zu einem Theater mit Logenrängen, Zuschauerraum 1790 ersetzt vom Architekten Giuseppe Tubertini.
  • FaenzaStadttheater Masini, in einem Innenhof der Piazza del Popolo, 1788 vom Architekten Giuseppe Pistocchi erbaut.
  • CesenaTheater Bonci, neoklassizistisches Gebäude, errichtet zwischen 1843 und 1846 nach Plänen des Architekten Vincenzo Ghinelli.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Förderzeitraum 2007–2013 wurde die Kulturstraße mit 1.236.000 € aus dem Programm „KULTUR“ der Europäischen Union zu 50 % kofinanziert.[9] Mit der Erweiterung der „Straße“ auf die vorgesehene Anzahl von zwölf Routen im März 2017 lief die Förderung durch die EU planmäßig aus. Ursprünglich war vorgesehen gewesen, das Projekt über einen Zeitraum von zwei Jahren mit insgesamt 400.000 € zu fördern.[10]

Arbeit des Trägervereins 2012–2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entsprechend den Bedingungen, unter denen die EU dem Verein „Perspectiv“ eine Förderung zugesagt hatte, nahm dieser die folgenden Aufgaben in Angriff:

  • Bis 2017 wurden sämtliche noch erhaltenen historischen Theaterbauten in ganz Europa recherchiert und erstmals in Form einer frei zugänglichen Online-Datenbank präsentiert.
  • Die „besterhaltenen und interessantesten Theatergebäude aus jeder Epoche“ wurden ausgewählt und zu einer durchgehenden touristischen Kulturstraße verbunden, die durch ganz Europa führen soll; diese Europastraße besteht aus 12 Teilrouten, jede mit 10 bis 12 Theatern; circa alle sechs Monate wurde eine neue Route eröffnet.
  • Die Europastraße wurde in vielen Ländern mit Faltblättern, Pressearbeit usw. beworben.
  • Eine Wanderausstellung wurde kreiert, die die Theater im Kontext präsentierte, unter dem Titel: „Die Geschichte Europas – erzählt von seinen Theatern“; sie wurde am 9. Februar 2015 in Warschau eröffnet und auch an anderen Standorten der Gesamtroute präsentiert.
  • Die Zusammenarbeit unter den Partnern und den circa 120 Theatern in über 30 Ländern wurde ausgebaut, vor allem in Form von regelmäßigen Routentreffen und einer jährlichen Konferenz mit Vertretern aller Theater.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. v.a. [1]
  2. „PERSPECTIV – Gesellschaft der historischen Theater Europas“ e.V.: Satzung, § 1 (3). 2015
  3. ERHT: The European Route of Historic Theatres
  4. Theatertreffen auf Rügen: Europastraße historischer Theater wird ausgebaut. Osthessen News. 3. April 2012
  5. Deutsche Route der Europastraße Historische Theater eröffnet – Routes along the roots. nachtkritik.de. 17. November 2007
  6. Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen Schloss Nymphenburg: Die Deutschland-Route. Flyer 2016
  7. Deutsche Route der Europastraße Historische Theater eröffnet – Routes along the roots. nachtkritik.de. 17. November 2007
  8. Stiftung Theater und Orchester Biel Solothurn TOBS: Die Alpenroute. Flyer
  9. Creative Europe Desk: Europastraße Historische Theater. 8. Oktober 2014
  10. «Europastraße Historische Theater» eröffnet. Neue Musikzeitung (nmz). 15. November 2007
  11. Perspectiv: Das Projekt Europäische Route 2012-2017