Scheidegger Wasserfälle

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Die beiden großen Scheidegger Wasserfälle des Rickenbachs
Wasserfall des Scheibenbachs (Oberer Wasserfall)
Riedbach-Zufluss

Die Scheidegger Wasserfälle sind ein Geotop westlich von Lindenberg im Allgäu im Landkreis Lindau, etwa 1,5 km östlich der deutsch-österreichischen Staatsgrenze. Die Scheidegger Wasserfälle setzen sich aus mehreren Felsstufen zusammen, über die der Rickenbach insgesamt einen Höhenunterschied von über 40 m überwindet.[1]

Das Geotop Scheidegger Wasserfälle ist vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als geowissenschaftlich wertvolles Geotop (Geotop-Nr. 776R007) eingestuft worden.[1] Im Jahr 2004 wurden die Scheidegger Wasserfälle zudem in die Liste der 100 schönsten Geotope Bayerns aufgenommen.[2]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gelände vereinigen sich unterhalb des Besucher-Parkplatzes der Riedbach und Scheibenbach, um dann als Rickenbach weiterzufließen. In seinem Unterlauf in der Rohrachschlucht bildet der Rickenbach das Grenzgewässer zwischen Deutschland und Österreich bis er dann in der Leiblach aufgeht. Der Rickenbach fällt auf kurzer Strecke über drei Felsstufen, wobei sich die oberste Wasserfall unmittelbar unterhalb des Parkplatzes befindet und von seinem Zufluss Scheibenbach gebildet wird. Der von Süden zufließende Riedbach fließt auf einer Nagelfluh-Schichtfläche dem Scheibenbach zu und unterhöhlt stellenweise das harte Felsgestein.

Die beiden großen Wasserfälle sind unterhalb des Freizeit- und Spielgeländes gelegen und durch Wege, Stege und Aussichtsplattformen touristisch erschlossen.

Geologische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserfall mit Wechsellagerung zwischen Nagelfluh und Mergel. Am Fuß des Wasserfalls ist eine Gumpe ausgebildet.
Wechsellagerung von Nagelfluh (oben), Sandstein und Mergelsteinen (grau), partiell tektonisch deformiert

In der geologischen Raumeinheit der Rhein-Jungmoränenregion gelegen, durchschneidet der Rickenbach die Gesteine der Oberen Süßwassermolasse (OSM). In der Schlucht sind Wechselfolgen aus konglomeratischem Nagelfluh, der aus dem Pfänder-Schuttfächer abgesetzt wurde sowie weicheren gelblichgrauen bis dunkelgrauen Sand- und Mergelsteine aufgeschlossen. Da der Sandstein und Mergelstein weniger verwitterungsresistent ist, wurde er durch das sedimentbeladene Bachwasser ausgespült und bildet am Fuß der Wasserfälle ausgedehnte Gumpen. Die verwitterungsrestistenten Nagelfluhbänke bilden die überhängende Steilstufen, über die das Bachwasser 22 bzw. 18 Meter in die Tiefe stürzt. Im Bereich der weicheren Mergelsteine sind im unteren Profilbereich tektonische Deformierungen, die auf die Auffaltung der Alpen zurückzuführen sind, zu beobachten.

Bei den hohen Hangneigungen bilden die Mergel- bzw. Tonmergelsteine häufig die wasserstauenden Schichten aus, auf denen ganze Gesteinspakete abrutschen können. Auf der Nordseite des Tales ist eine Hangrutschung zu beobachten, die 1999 zum Abrutschen von 500 Kubikmeter Fels und Geröll geführt hat. Der intensiv durchfeuchtete Schuttkörper ist heute durch einen charakteristischen Bewuchs von Riesen-Schachtelhalmen gekennzeichnet; die Bäume zeigen mehr oder weniger intensives Hakenschlagen.

Die Gesteine wurden vor 17 bis 15 Millionen Jahren, im Miozän unter festländischen Ablagerungsbedingungen sedimentiert. Während die groben Konglomerate aus dem Pfänder-Gebiet durch Flüsse in das den Alpen vorgelagerte Molassebecken transportiert wurden, bildeten sich die Sand- und vor allem die Mergelsteinlagen aus Überschwemmungs- und Altwasserbildungen mäandrierender Flüsse.[3]

Während der letzten Eiszeit begann die verstärkte Tiefenerosion des Rickenbaches und zur Ausbildung der tiefen Rohrbachschlucht. In der Umgebung gibt es weitere Wasserfälle, die auf ähnliche Bildungsprozesse zurückzuführen sind.

Zu den jüngsten Gesteinsbildungen zählen – neben den Rutschmassen – Kalktuffbildungen im Bereich kleiner Bachläufe, die durch Karbonat-Ausfällung aus kalkgesättigtem Bachwasser unter Beteiligung von Moosen entstehen.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Scheidegger Wasserfälle sind über mehrere Wege und Aussichtsplattformen für den Tourismus erschlossen. Auf zahlreichen Informationstafeln werden Informationen über die Entstehung der Gesteine und der Schlucht, aktu-geologische Prozesse sowie über die Nutzung der Wasserkraft gegeben. Das Thema Wasserkraft wird durch zum Teil interaktiv zu bedienende Maschinen und Schaubilder neben und auf dem Wasserspielplatz erklärt, der 2007 eröffnet wurde.[4] Es gibt dort einen funktionsfähigen Hydraulischen Widder zu sehen sowie die Möglichkeit eine Archimedische Schraube (Schneckenpumpe) zu bedienen. Die Scheidegger Wasserfälle sind Station der Westallgäuer Wasserroute.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Scheidegger Wasserfälle NW von Scheidegg. In: Geotopkataster Bayern. Bayerisches Landesamt für Umwelt, 11. August 2016, abgerufen am 17. August 2016.
  2. Scheidegger Wasserfälle. In: Bayerns schönste Geotope. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 17. August 2016.
  3. Herbert Scholz: Bau und Werden der Allgäuer Landschaft. 3. Auflage. Schweizerbart, Stuttgart 2016, S. 175 ff.
  4. Scheidegger Wasserwelt. Geopark Allgäu, abgerufen am 17. August 2016.
  5. Westallgäuer Wasserwege. Westallgäu-Bayerischer Bodensee Fördergesellschaft mbH, 2015, abgerufen am 17. August 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Scheidegger Wasserfälle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 35′ 30″ N, 9° 50′ 22″ O