Bayerisches Landesamt für Umwelt

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Bayerisches Landesamt für Umwelt
– LfU –
Coat of arms of Bavaria.svg
Staatliche Ebene Bayerische Landesbehörde
Stellung Umweltamt
Aufsichtsbehörde Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz
Gründung 1. August 2005
Hauptsitz Augsburg
Behördenleitung Claus Kumutat
Bedienstete > 1.000
Website www.lfu.bayern.de

Das Bayerische Landesamt für Umwelt (kurz LfU) ist eine Landesbehörde im Geschäftsbereich des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz mit Hauptsitz in Augsburg. Es erhebt und bewertet Daten über den Zustand der Umwelt und fungiert als zentrale Fachbehörde für Umwelt- und Naturschutz, Wasserwirtschaft und Geologie in Bayern.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bayerische Landesamt für Umwelt ging aus den drei ehemaligen Landesämtern für Geologie, Umweltschutz und Wasserwirtschaft sowie aus Teilen des Landesamts für Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Sicherheitstechnik hervor und nahm in seiner jetzigen Form am 1. August 2005 seine Arbeit auf.[1] Das Landesamt für Umweltschutz als eine der Vorgängerinstitutionen wurde 1972, unter anderem veranlasst durch das Auftreten neuartiger Walderkrankungen, gegründet.[2]

Heute beschäftigt die Behörde über 1.000 Mitarbeiter. Darunter sind die viele Berufsgruppen vertreten, wie etwa Ingenieure, Techniker, Wissenschaftler, Labor- und Verwaltungskräfte.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht des Dienstgebäudes

Der Standort des Dienstgebäudes befindet sich am südlichen Rand des alten Flughafens im Augsburger Universitätsviertel an der Bürgermeister-Ulrich-Straße. Das in moderner Glasarchitektur mit Dachbegrünung gestaltete Gebäude wurde im Herbst 1999 nach zweieinhalbjähriger Bauzeit eingeweiht.

Mit einer Investitionssumme von rund 144 Millionen Mark wollte man ein ressourcenschonendes Umweltzentrum schaffen, das hinsichtlich seiner umweltgerechten Bauweise einen Vorbildcharakter einnehmen sollte.[3] Aufgrund fehlerhafter Berechnungen hinsichtlich des Energiebedarfs ist das energiesparende Gebäudekonzept allerdings nicht in allen Punkten gelungen.[4] Vom Obersten Rechnungshof wurde die Baumaßnahme 2001 daraufhin sogar als „Energieschleuder“ gerügt.[5] Das Konzept der klimaneutralen Heizung wurde schließlich aufgegeben und ein Anschluss an das Fernwärmenetz der Stadtwerke vollzogen.

Mit der Absicht, die an verschiedenen Standorten betriebenen Labore in Augsburg zusammenzulegen, wurden im Jahre 2009 Pläne für einen Erweiterungsbau vorgebracht. In die Kritik geriet dieses Vorhaben, da für den Neubau wertvolle Biotopflächen südlich des bestehenden Gebäudetraktes geopfert werden sollten.[6] Nach langen Verhandlungen wurde das Biotop auf eine nahegelegene Ausgleichsfläche (ehemaliges Rollfeld) verlegt und schließlich mit dem Bau des Labortraktes begonnen. Das rund 16,3 Millionen Euro teure Vorhaben wurde nach mehrjähriger Bauzeit im Frühjahr 2013 offiziell eingeweiht.

Aufgaben und Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgabe des Landesamtes für Umwelt ist die Erhebung und Bewertung von umweltrelevanten Daten, die Auskunft über den aktuellen und zukünftigen Zustand der bayerischen Umwelt geben sollen. Aus den gewonnenen Ergebnissen soll das Amt mit seinen verschiedenen Abteilungen anschließend Strategien und Ziele für eine nachhaltige Sicherung der Umwelt und einen damit verbundenen Umweltschutz erarbeiten.

Vor Hochwasser in den Flüssen wird mit dem Hochwassernachrichtendienst Bayern gewarnt und die Schifffahrt bei anhaltender Trockenheit im Einzugsgebiet der Wasserstrassen mit dem Niedrigwasser-Informationsdienst (NID) informiert.

Das LfU tritt sowohl als Aufsichts- als auch als Genehmigungsbehörde auf und erstellt darüber hinaus Gutachten und Stellungnahmen zu Anfragen von anderen Behörden, öffentliche Einrichtungen oder Instituten. Das Amt berät außerdem unabhängige Unternehmen und Organisationen und veranstaltet Kongresse und Fachtagungen.

Die Leitung des LfU obliegt seit 2011 dem Präsidenten Claus Kumutat sowie dem Vizepräsidenten Dr. Richard Fackler. Ihnen unterstellt sind zehn fachspezifischen Abteilungen sowie die „Abteilung Z“ für zentrale Aufgaben und Dienstleistungen. Vorgänger von Kumutat war Albert Göttle.

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Landesamt für Umwelt hat seinen Hauptsitz im Süden von Augsburg unweit der Universität, mit der auch eine enge Zusammenarbeit besteht. Weitere Dienststellen befinden sich in Hof, Kulmbach (Schloss Steinenhausen), Marktredwitz und Wielenbach. Außerdem betreibt die Behörde das Josef-Vogl-Technikum in Augsburg und die Staatliche Vogelschutzwarte in Garmisch-Partenkirchen. Zusätzlich betreibt das LfU seit 2014 mit dem Bionicum im Tiergarten Nürnberg ein Informations- und Besucherzentrum zur Bionik.

Die Dienststellen der Vorgängerbehörden, die sich allesamt in München befinden, werden schrittweise auf die anderen Standorte verteilt und anschließend aufgelöst.

Standort Wielenbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dienststelle Wielenbach kann auf eine über 100-jährige Tradition zurückblicken. Bereits 1900 entstand an der damaligen Königliche Tierärztliche Hochschule München aus der vormaligen Biologischen Station des Deutschen Fischereivereins zur Untersuchung von Fischkrankheiten die Königlich Bayerische Biologische Versuchsstation für Fischerei. Im Auftrag des Bayerischen Innenministeriums sollte auf wissenschaftlicher Grundlage die Fischerei und Wasserwirtschaft weiterentwickelt werden. Auch sollten die Ursachen von Fischsterben untersucht werden. Als erster Leiter der Versuchsstation wurde Bruno Hofer ernannt, der gleichzeitig auch Lehrstuhlinhaber für Zoologie und Fischkunde an der Tierärztlichen Hochschule war. Da zur systematischen Forschung geeignete Versuchsteiche fehlen, gründete Hofer im Jahr 1912 die Königlich Bayerische Teichwirtschaftliche Versuchsstation, die dem Bayerischen Kultusministerium direkt unterstellt wurde. Nach der Novemberrevolution 1918 und der Ausrufung der Republik am 7. November 1918 wurde die Versuchsstation in Hofer Institut Wielenbach, Teichwirtschaftliche Versuchsanstalt umbenannt. 1954 kam die bisherige Versuchsstation als Teichwirtschaftliche Abteilung zur Bayerischen Biologischen Versuchsanstalt. Anlässlich des 75. Geburtstag von Reinhard Demoll bekam die Versuchsstation Ende 1957 in Andenken an ihn und des vorangegangenen Leiters Bruno Hofer die Ehrenbezeichnung Demoll-Hofer-Institut verliehen.[7] Mit der Unterstellung unter das Bayerische Umweltministerium 1971 ging auch ein Wandel der Aufgabenstellung einher. 1977 wurde die Versuchsstation als Außenstelle Wielenbach, Fischereibiologische Abteilung in den Geschäftsbereich der Bayerische Landesanstalt für Wasserforschung überführt, 1978 nochmals in Versuchsanlage Wielenbach umbenannt und schließlich 1994 als Institut für Wasserforschung, Versuchsanlage Wielenbach in das Bayerische Landesamt für Wasserwirtschaft (LfU) integriert. 1999 brachte eine erneute Namensänderung in Versuchsanlage Wielenbach, Abteilung Gewässerökologische Forschung. Im Zuge der Verwaltungsreform wurde die Versuchsanlage Wielenbach 2005 in das neu geschaffene Bayerische Landesamt für Umwelt als Dienststelle Wielenbach eingegliedert. Dort ist mit Stand Juli 2012 das Referat 57: Fisch- und Gewässerökologie, teilweise das Referat 76: Stoff- und Chemikalienbewertung, das Referat 78: Aquatische Toxikologie, Pathologie sowie das Referat 84: Qualität der Seen des LfU angesiedelt.[8]

Die Dienststelle Wielenbach liegt ca. 50 km südlich von München zwischen Weilheim und dem Ammersee. Das gesamte Gelände umfasst eine Fläche 82,7 ha. Davon gehören 39,9 ha zur eingefriedeten Versuchsstation. Die übrigen 42,9 ha sind an ortsansässige Landwirte verpachtet und dienen als Grüngürtel um die Anlage. Auf dem Gelände befinden sich insgesamt 145 Teiche für Warmwasserfische und Kaltwasserfische. Die Warmwasserteiche werden mittels einer Pumpstation mit Bachwasser aus dem angrenzenden Mühlbach (= Kinschbach?) und Brunnenbach versorgt. Die Kaltwasserteich werden mittels Quellwasser aus der betriebseigenen Kiesgrube gespeist. Das gesamte Ablaufwasser (ebenso wie das gesamte Niederschlagswasser aller Dach- und Freiflächen) wird über einen Absetzbecken in einen Vorfluter in die Ammer entwässert. Neben dem historischen Verwaltungsgebäude stehen der Dienststelle ein Laborgebäude für chemische, fischpathologische und fischbiologisch Untersuchungen zur Verfügung. Daneben existiert ein Technikum für die Schadstoffbewertung, sowie ein Wirtschaftsgebäude mit diversen Werkstätten, Lagerräumen, Garagen und einer Eigenverbrauchstankstelle. Das Bruthaus beherbergt einen Streifraum, einen Erbrütungsraum und einen Aufzuchtraum. Daneben besteht eine Vielzweckhalle und eine Sortierhalle, um nur die wichtigsten Gebäude zu nennen.[9]

Ehemaliges Bayerisches Geologisches Landesamt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursprünge liegen im 1879 gegründeten Königlichen Oberbergamts, das Carl Wilhelm von Gümbel leitete. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es in Geologische Landesuntersuchung umbenannt und ging wie die übrigen Geologischen Landesämter im Deutschen Reich 1939 im Reichsamt für Bodenforschung auf. Im Zweiten Weltkrieg verbrannte der Großteil der Bibliothek. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es wieder kurze Zeit ein Bayerisches Oberbergamt bis 1948 das Bayerische Geologische Landesamt gegründet wurde. Es war in der Prinzregentenstraße und ab 1984 in der Heßstraße. Im August 2005 wurde es im Rahmen einer Verwaltungsreform Teil des Landesamts für Umwelt. Dort ist es Abteilung 10 (Geologischer Dienst für Bayern).[10]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artikel der Augsburger Allgemeinen vom 31. Juli 2005
  2. Jutta Köhler, Joachim Nittka, Michael Außendorf, Ludwig Peichl: Langzeitbeobachtung von Immissionswirkungen – 30 Jahre Bioindikation in Bayern. In: Gefahrstoffe – Reinhalt. Luft. 68, Nr. 6, 2008, ISSN 0949-8036, S. 227–234.
  3. Bayerische Umweltkompetenz Landesamt für Umweltschutz in Augsburg eingeweiht auf BauNetz.de
  4. Energievorbild in Augsburg erschienen in der DeutschenHandwerksZeitung
  5. Heiz-Desaster im Umweltamt – Klimaneutrales Konzept im Vorzeigebau gescheitert Artikel der Augsburger Allgemeinen vom 13. Juni 2002.
  6. Bagger gegen Ameise Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 17. Mai 2010
  7. vgl. Boehm, Laetita/Spörl, Johannes: Die Ludwig-Maximilians-Universität in ihren Fakultäten: im Auftrag von Rektor und Senat, Erster Band, Berlin: Duncker & Humblot, 1972, S. 333. ISBN 3428027027.
  8. Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg.): LfU in Wielenbach: 100 Jahre Fische, Gewässer, Umweltforschung, Eigenverlag: Augsburg, 2012, S. 6.
  9. Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg.): Konsolidierte Umwelterklärung 2008: für die Standorte Augsburg, Bürgermeister-Ulrich-Str. 160; Kulmbach, Schloss Steinenhausen; Marktredwitz, Leopokstraße 30; Wielenbach, Demollstraße 31, Eigenverlag: Augsburg, 2009, S. 12 f.
  10. Geologische Erforschung Bayerns – eine lange Tradition, LfU

Koordinaten: 48° 19′ 36,5″ N, 10° 54′ 7,5″ O