Schildwall

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Angelsächsischer Schildwall zur Abwehr der normannischen Reiterei in der Schlacht bei Hastings (Darstellung auf dem Teppich von Bayeux)

Der Schildwall oder auch Schildburg ist eine Infanterieformation. Die Schildburg ist eine kompaktere Version des Schildwalls.[1]

Prinzipiell ließe sich die Phalanx, wie sie im östlichen Mittelmeerraum z. B. von den Griechen praktiziert wurde, ebenfalls unter diesen Begriff einordnen. Der Begriff „Schildwall“ wird allerdings eher für lose Formationen aus dem germanischen und keltischem Raum benutzt, welche als reine Verteidigungsformation ad hoc im Angriffsfalle gebildet wurde. Diese Formationen lassen sich nicht mit den Manövern der Heere der Mittelmeerstaaten vergleichen: diese beruhten auf einer intensiveren taktischen Schulung, was ermöglichte, dass die Phalanx nicht nur als Formation im Verteidigungsfalle, sondern quasi als Grundaufstellung der Heere, und damit auch zum Angriff, eingesetzt werden konnte.

Bei der ersten Schildwall-Variante kniet die erste Soldatenreihe, während die zweite steht, so dass die überlappenden Schilde eine geschlossene Mauer bilden. Der Schildwall wurde vor allem von den Wikingern (Skjaldborg), aber auch von den Angelsachsen zum Beispiel in der Schlacht bei Hastings eingesetzt. Gaius Iulius Caesar erwähnte, dass die Gallier ebenfalls vom Schildwall Gebrauch machten.

Eine zweite, vor allem von den Angeln praktizierte Schildwall-Variante sah folgendermaßen aus: Während die erste Reihe stand und ihre breiten Schilde zu einer dichten Mauer verband, kniete hinter ihnen eine zweite Reihe Krieger. Diese wiederum waren mit langen Spießen oder Speeren ausgestattet und stachen, sobald der Schildwall angegriffen wurde, auf die Beine der Gegner.

Als dritte Schildwall-Variante überdeckte die rechte Seite jedes Schildes die linke Schildseite des rechten Nachbarn in der Vorderreihe. Somit traf der Gegner, meist Rechtshänder, auf eine verdoppelte Schilderschicht. Die Männer in der zweiten Reihe trugen (Wurf-)Speere, die sie beim Aufeinandertreffen zweier Schildwälle in die gegnerischen Reihen stießen, wodurch Lücken im anderen Wall entstanden. Sobald ein Schildwall auseinanderbrach, wurden die Gegner rücksichtslos verfolgt und mit Wurfspeeren angegriffen. Diese Variante des Schildwalles wurde meist von den Sachsen, Bretonen und Normannen im fünften bis elften Jahrhunderts verwendet.

Die eigentliche Schlachtreihe des Schildwalls wurde, wenn möglich, von hinten durch Wurfspeere und Bogen unterstützt. Diese Kombination mit Fernkampfwaffen diente mangels Zahl und Qualität eher zur Ablenkung des Gegners und weniger zum tatsächlichen Kampfeinsatz.

Eine schwächere, aber auch flexiblere Variante wandten die Sachsen im frühen Mittelalter an: Im Falle eines Angriffs bildeten die Krieger mit ihren Schilden einen Kreis und nahmen ihre Oberhäupter oder eventuell vorhandene Fernkämpfer in die Mitte. Ein großer Vorteil dieser Formation war, dass man den Kriegern nicht in den Rücken fallen konnte, da sie in jede Richtung geschützt waren. Da die Schilde nicht miteinander verbunden waren, bot die Formation zwar nicht viel Schutz gegen Angriffe, konnte aber bei Bedarf schnell aufgelöst werden, so dass die Krieger schnell zum Gegenangriff übergehen konnten. Der Schutz gegen Kavallerie war nicht besonders gut, und falls Soldaten des Gegners in den Schildwall eindringen konnten, war die Niederlage sehr wahrscheinlich. Deshalb wurde diese Taktik nicht lange verwendet.

Heute wird diese Verteidigungsformation von Polizisten in Straßenkämpfen angewendet, die einen Schildwall bilden, wenn sie bei Einsätzen mit Gegenständen beworfen werden.

Schildburg ist eine alte Bezeichnung der Schild-an-Schild-Formation zur Abwehr oder zum Angriff von zusammengeschlossenen Soldaten.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schildwälle – Sammlung von Bildern

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. W. Koch: Illustrierte Geschichte der Kriegszüge im Mittelalter (1998), Bechtermünz Verlag, ISBN 3-8289-0321-5, S. 60–61.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Philipp Roskoschinski: Von Schild, Schwert, Speer und Axt: Kampfesweise und Waffengebrauch im germanischen Barbaricum und nordeuropäischen Frühmittel. (PDF) In: Experimentelle Archäologie in Europa. Bilanz 2011. EXAR – Europäische Vereinigung zur Förderung der Experimentellen Archäologie e.V., 2011, S. 9, abgerufen am 27. März 2019.
  2. schildburg. In: woerterbuchnetz.de. Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften (Universität Trier), abgerufen am 15. Januar 2014.