Alfred Schladerer Schwarzwälder Hausbrennerei

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Alfred Schladerer Schwarzwälder Hausbrennerei GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1844
Sitz Staufen, Deutschland
Leitung Philipp Schladerer-Ulmann
Mitarbeiterzahl 32[1]
Branche Spirituosen
Website https://schladerer.de/
Stand: 31. Dezember 2019

Schladerer in Staufen mit Burg. Im vorderen Bereich die nach dem Verkauf der Teilfläche mittlerweile abgerissenen Gebäude.
Verschlusskorken einer Schladerer Vierkantflasche

Die Alfred Schladerer Schwarzwälder Hausbrennerei GmbH (kurz: Schladerer) ist eine mittelständische Spirituosenbrennerei, welche hauptsächlich Obstbrände und Obstgeiste (z. B. Schwarzwälder Himbeergeist) herstellt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unternehmensgeschichte beginnt mit dem in Bamlach am Oberrhein geborenen Sixtus Balthasar Schladerer (1790–1872), der 1813 im väterlichen Haus mit der Obstbrennerei begann. Sein Sohn Sixtus (1817–1901) zog 1844 nach Staufen, wo er nach der Hochzeit mit der Tochter des Kreuz-Wirts in dessen Gasthof eintrat, in dem er eine Brennerei betrieb.[2] Ihm folgte 1876 der Sohn Hermann (1846–1920) nach, der das Gasthaus weiterführte, das inzwischen durch die Übernahme der Postverbindung von Staufen nach Krozingen und in das Münstertal zur Kreuz-Post geworden war. Zu dem Gasthaus gehörten die Brennerei und Grundbesitz mit Reben, Äckern und Obstanlagen, auf denen vor allem Kirschbäume standen.

Hermanns Sohn Alfred übernahm den Feldbergerhof, während 1919 der in England und Frankreich zum Gastronomen ausgebildete Sohn Alfred (1892–1956) in das Unternehmen eintrat. Er verpachtete die Kreuz-Post und verlegte den Schwerpunkt auf die Brennerei. 1932 entwickelte er zusammen mit einem Grafiker Rose aus Stuttgart die heute noch verwendete, produkttypische, glasklare Vierkantflasche mit Relief, dreiteiliger Etikettierung aus Büttenpapier und rotem Siegel, die 1939 beim Deutschen Patentamt als Warenzeichen registriert wurde.[3] Das Siegel befindet sich im oberen Flaschendrittel und wiederholt als Stempelprägung das schon im Verschlusskorken gezeigte Firmenwappen. Zur gleichen Zeit wurde das Gelände einer benachbarten Maschinenfabrik für die Erweiterung der Brennerei erworben.

Nach dem Tod von Alfred Schladerer leitete dessen Ehefrau Greta den in eine GmbH umgewandelten Betrieb, in dessen Leitung von 1974 bis 1987 auch Walter Ulmann (1917–2010) eintrat. Das Firmengelände wurde nun in zwei Schritten um die Flächen der angrenzenden Tuchfabrik Staufen, der Chemischen Werke Herkules und eines Grundstücks aus dem Besitz der Stadt Staufen erweitert.

1980 übernahm Nicolaus Schladerer-Ulmann die Leitung der Firma. Er war der Patensohn von Alfred Schladerer, den Greta Schladerer nach dessen Tod adoptiert hatte. Als er 2004 verstarb, führte sie der Mitgesellschafter und Mitgeschäftsführer Heinrich Ulmann alleinverantwortlich weiter, bis Philipp Schladerer-Ulmann, der Sohn von Nicolaus Schladerer-Ulmann, nach Abschluss seiner Ausbildung und einer Einarbeitungszeit 2011 die alleinige Geschäftsführung des Unternehmens übernehmen konnte.[4][5][6][2] Die Wirtschaft ist als Hotel-Gasthof Kreuz-Post immer noch im Familienbesitz und gehört der Schwester Philips, Sophie Schladerer.[7]

2015 wurde bekannt, dass Schladerer im Zuge einer Umstrukturierung einen großen Teil der seit 1939 erworbenen Gelände mit den darauf befindlichen Gebäuden aufgibt.[8] 2016 kaufte die Stadt Staufen eine Fläche von 4000 Quadratmetern und ein Immobilienunternehmen eine von 7000 Quadratmetern. Die Stadt ist in das Städtebauförderungsprogramm des Landes Baden-Württemberg aufgenommen worden und will diesen Bereich und den jenseits des Neumagens städtebaulich neu ordnen und entwickeln.[9]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vierkantflasche Schwarzwälder Himbeergeist

Das Familienunternehmen stellte 2011 etwa zwei Millionen Flaschen Edelobstbrände im gehobenen Preissegment her.[10] Damit beläuft sich ihr Marktanteil bei Obstbränden auf 8 %. Die Brennerei beliefert sowohl Gastronomie als auch den Einzel- und Großhandel in über 40 Ländern. Das Unternehmen ist beim Amtsgericht Freiburg unter der Handelsregisternummer HRB 310023 eingetragen. Das Unternehmen fördert den ökologischen Anbau, nachhaltige Produktion und bezieht soweit möglich aus regionalem Obstanbau.[2] Seit Sommer 2013 ist Schladerer durch das Land Baden-Württemberg ECOfit[11] zertifiziert.[12][13]

Sortiment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kernsortiment besteht aus folgenden Obstbränden: Himbeergeist (42 %), Kirschwasser (42 %), Mirabell (42 %), Zwetschgenwasser (42 %), Williamsbirne (40 %), Obstler aus Äpfel und Birnen (38 %). Daneben werden spezielle Brände aus seltenen Obstsorten z. B. Zibärtle oder Jahrgangsbrände[2] sowie verschiedene Spezialitäten wie Liqueure, Aperitife oder – in Lizenz – Konfitüren mit Schuss angeboten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schladerer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ida Maria Baehrle, Walter Ulmann: 125 Jahre Schladerer; Freiburg o. J. (1969)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jahresabschluss per 31. Dezember 2019, veröffentlicht auf bundesanzeiger.de, abgerufen am 29. Dezember 2020
  2. a b c d Schladerer das Kirschwasser (Memento vom 20. Juni 2013 im Internet Archive) Handelsblatt, Textauszug aus "Deutsche Standards. Marken des Jahrhunderts: Sonderausgabe Leuchttürme auf dem Markenmeer", Herausgeber Florian Langenscheidt, Gabal, 1. Auflage 2013, ISBN 978-3-86936-449-0 abgerufen 29. Dezember 2016
  3. 2013 veröffentlichte Firmengeschichte anlässlich der Verleihung des Gründerpreises „Unternehmensnachfolge“ online
  4. Pressemitteilung Gründerpreis 2013. sv-bw.de, 8. Juni 2013, archiviert vom Original am 3. Februar 2014; abgerufen am 16. November 2016.
  5. Gewissenhafte Vorbereitung, Manfred Burkert, Badische Zeitung, 7. Juni 2013, abgerufen 25. Januar 2014
  6. Neue Generation bei Schladerer, weg, Badische Zeitung 8. Juli 2011, abgerufen 24. Januar 2014
  7. Heimische Früchte stehen Pate, sam, Badische Zeitung 1. April 2010, abgerufen 25. Januar 2014
  8. Badische Zeitung vom 18. September 2015 online
  9. Badische Zeitung vom 29. November 2016 online
  10. Bericht von einer Besichtigungonline
  11. Förderprogramm ECOfit Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, abgerufen 24. Januar 2014
  12. Schladerer ist ECOfit 24. Juni 2013, Pressemitteilung bei http://www.alemannische-seiten.de/ abgerufen am 24. Januar 2014
  13. Schladerer ist ECOfit 25. Juni .2013 PR-Terminal abgerufen am 24. Januar 2014