Schloss Frauenstein (Erzgebirge)

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Schloss Frauenstein
Schloss Frauenstein 2011

Schloss Frauenstein 2011

Daten
Ort Frauenstein
Baumeister Hans Irmisch
Baustil Renaissance
Baujahr 1585–1588
Koordinaten 50° 48′ 12,8″ N, 13° 32′ 19,6″ OKoordinaten: 50° 48′ 12,8″ N, 13° 32′ 19,6″ O
Schloss Frauenstein (Sachsen)
Schloss Frauenstein

Das Schloss Frauenstein ist ein Bauwerk in der Stadt Frauenstein im Landkreis Mittelsachsen. Es entstand im 16. Jahrhundert, als die Wohnbedingungen in der benachbarten Burg Frauenstein nicht mehr den Anforderungen der Bewohner entsprachen. Heute beherbergt es das Museum „Gottfried Silbermann“.

Lage und Gestalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss Frauenstein liegt etwas unterhalb der früheren Burg linker Hand am Aufgang von der Stadt zur Burgruine Frauenstein, nachdem man das Torhaus passiert hat. Der Bau besteht aus zwei senkrecht aufeinanderstoßenden Flügeln. Beide Flügel sind drei Stockwerke hoch, von denen wegen der Hanglage im etwas erhöhten Hof aber nur zwei zutage treten.

Der mit der 33,5 Meter langen Breitseite zur Stadt gerichtete Flügel besitzt neun Fensterachsen, der andere zehn und schließt direkt an die Wehrmauer der Burg an. Die Walmdächer sind schiefergedeckt mit zwei Reihen kleiner Gauben. In der inneren Ecke steht ein beide Flügel überragender runder Treppenturm mit barocker Haube und Laterne.

Das Gebäude ist relativ schmucklos bis auf das Hauptportal. Es wird von zwei vorgestellten Säulen, antikisierendem Gebälk und einem Aufbau mit zwei Wappenschilden begrenzt. Diese zeigen den Löwen der Schönberger und den Mönch der Familie von Einsiedel, dazwischen Gott Amor für eine Eheschließung zwischen beiden Häusern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Frauenstein 2006 mit Gottfried-Silbermann-Museum

1473 hatten die Brüder Bernhard und Caspar von Schönberg die Burg für 3000 Gulden erworben. Da der Wohnkomfort auf der Burg nicht mehr den Ansprüchen genügte, ließ Heinrich von Schönberg 1585–1588 durch den kurfürstlichen Baumeister Hans Irmisch unterhalb der Burg ein Renaissanceschloss errichten. Dabei wurde die Vorburg mit Stallungen, Scheunen usw. abgerissen. Die nun unbewohnte Burg verfiel nach und nach.

Die ersten Schäden am Schloss entstanden im Dreißigjährigen Krieg, wobei insbesondere wertvolle Inneneinrichtungen verlorengingen. Im Dreißigjährigen Krieg verschuldet, verkauften die Schönberger 1647 das Schloss an Kurfürst Johann Georg I. Die kurfürstliche Verwaltung Sachsens nutzte das Schloss als Verwaltungssitz des Amtes Frauenstein im Erzgebirgischen Kreis, wobei die Amtmänner auch häufig im Schloss wohnten. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ging es in den Privatbesitz von Carl Gottlob von Leubnitz über, der Landjägermeister aber auch Frauensteinscher Amtmann war, und blieb bis 1746 in Leubnitzschem Familienbesitz.

Beim großen Stadtbrand von 1728 erlitt auch das Schloss erheblichen Schaden. Die auf der Abbildung von 1720 noch zu erkennenden Renaissancegiebel wurden, da das Schloss nun vorwiegend Verwaltungsaufgaben hatte, nicht wieder aufgebaut. Durch die Verwaltungsreform von 1873 mit der Einrichtung der Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde ging die Verwaltungsfunktion des Schlosses verloren. Ein königliches Gerichtsamt und ein Rentamt blieben. Als letzte Behörde war zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Amtsgericht Frauenstein mit den Wohnungen der Beamten untergebracht.

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Schloss Flüchtlingen und Heimatvertriebenen als Unterkunft. Anschließend war eine Kommandantur der Grenzpolizei hier untergebracht. 1951/52 übernahm das Reichsbahnausbesserungswerk Karl-Marx-Stadt das Anwesen für ein Kinderferienlager und andere betriebliche Zwecke. Deshalb kam nach 1990 das Schloss an den Rechtsnachfolger, die Deutsche Bahn AG. Nach langem Stillstand kauften 2006 Privatinvestoren das Schloss mit der Absicht, ein Konferenz- und Seminarzentrum einzurichten, was aber nur langsam vorankommt.[1][2]

Gottfried-Silbermann-Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge des Museums reichen bis ins Jahr 1900 zurück, als im Torhaus eine kleine Ausstellung eröffnet wurde. Nach totalem Verlust im Zweiten Weltkrieg wurde 1954 wiederum im Torhaus begonnen und 1957 in den Kreuzgewölbesaal im Erdgeschoss des Haupthauses umgezogen. Das Museum präsentierte Exponate zur Geschichte der Burg und der Stadt. Aber auch der Orgelbauer Gottfried Silbermann war schon ein Thema sowie einige Exponate der örtlichen Volkskunst.

1983 wurde aus dem Heimatmuseum das Museum Gottfried Silbermann. Es richtet seine Hauptaufmerksamkeit auf das Leben und Wirken des unweit von Frauenstein geborenen Gottfried Silbermann. Neben zahlreichen Schautafeln und Modellen ist seit 1994 der Nachbau des 1732 für die Dorfkirche in Etzdorf angefertigten und jetzt im Bremer Dom befindlichen Orgelpositivs von Silbermann ein Glanzpunkt des Museums. Auf dem Instrument finden auch regelmäßig Konzerte im Museum statt.

1998 konnte das Museum um einen Raum erweitert werden, in dem die Exponate zur regionalen Geschichte präsentiert werden. Im August 2016 wurde mitgeteilt, dass die Einrichtung wohl nur bis Ende des Jahres hier bestehen bleibt;[3] später wurde die vorläufige Fortführung des Museums- und Konzertbetriebes bekanntgegeben.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Steffen Herzog, Rainer Aurig: Burg/Schloß, Stadt und Museum Gottfried Silbermann Frauenstein. Kunstführer Nr. 2334, Schnell & Steiner Regensburg 2010, ISBN 978-3-7954-6114-0
  • Richard Steche: Frauenstein. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 2. Heft: Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde. C. C. Meinhold, Dresden 1883, S. 26.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz. München 1998, S. 249ff, ISBN 3-422-03048-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Frauenstein (Erzgebirge) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lausitzer Rundschau vom 28. April 2006
  2. Freie Presse vom 17. März 2009
  3. Astrid Ring: Aus für Silbermannmuseum im Schloss. In: Freie Presse, 3. August 2016.
  4. Astrid Ring: Kompromiss fürs Silbermannmuseum. In: Freie Presse, 31. August 2016.