Schloss Hainewalde

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
historische Darstellung des Alten Schlosses (Torhaus, rechts) und des Neuen Schlosses (links), um 1840/50
Torhaus des Alten Schlosses
Blick von Südosten zum Neuen Schloss
Neues Schloss, Südportal mit den Wappen der Familien von Kanitz und Kyaw
Neues Schloss, Blick auf die abgenommene Turmspitze

Das Neue Schloss Hainewalde steht in der sächsischen Gemeinde Hainewalde. Es befindet sich in Besitz der Nachbargemeinde Großschönau. Der Hainewalder Schlossverein bemüht sich um den Erhalt und nachhaltige Nutzungskonzepte sowie die touristische Vermarktung des Gebäudes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In unmittelbarer Nachbarschaft der heutigen Schlossanlage befand sich ein von einem Wassergraben umgebener Rittersitz, der 1392 als im Besitz von Nicolaus diclus de Warnsdorf erwähnt wurde.

Die alte Wasserburg wurde 1564 von Hans Ulrich von Nostitz durch ein Renaissanceschloss, das sogenannte Alte Schloss, ersetzt. Dabei handelte es sich um eine vierflügelige Anlage, die einen Innenhof umschloss. Die Fassade war reich mit illusionistisch wirkenden Dekorationen in Sgraffitotechnik versehen. Aufgrund Baufälligkeit wurde das Alte Schloss 1780 abgebrochen. Einzig der Flügel des Torhauses blieb erhalten und wurde bis 1857 als Gerichtsgebäude und Gefängnis genutzt. Er befindet sich in Privatbesitz und ist nicht öffentlich zugänglich (Stand 2014). Das Wappen über dem Portal erinnert an die Bauherrenfamilie von Nostitz.

Der königlich-preußische Kammerherr Samuel Friedrich von Kanitz ließ 1749 bis 1755 in Nachbarschaft des Alten Schlosses die heutige Schlossanlage (Neues Schloss) im Barockstil errichten. Bemerkenswert ist die Lage des Neuen Schlosses, das in den Talhang der Mandau erbaut wurde. Vom Talgrund führt eine Terrassenanlage mit fünf Absätzen zum Hauptgebäude des Schlosses. Das Hauptportal wird von toskanischen Säulen gestützt, der Schlussstein zeigt das Doppelwappen der Familien von Kanitz und von Kyaw. Zwei Seitenflügel bilden einen Vorhof zum Hauptgebäude. Auch der am Hang gelegene Schlossgarten war mit Gartenteich, Hecken, Mauern, Gärtnerei, Orangerie und mehreren Pavillons im barocken Stil gestaltet.

Im Jahre 1781 erhielt das Schloss aufgrund mehrfacher Blitzeinschläge, als eines der ersten Gebäude in der Oberlausitz, einen Blitzableiter[1]. Dieser ist auch noch auf der historischen Ansicht des Schlosses von 1840 ersichtlich.

1882/83 erfolgten umfangreiche Umgestaltungsarbeiten nach Plänen des Zittauer Architekten Hugo Müller, bei denen die barocken Formen weitgehend verloren gingen. Die Fassade erhielt eine Sgraffitobemalung.

1927 verkaufte Moritz Joachim Ernst von Kyaw das Schloss an die Gemeinde Großschönau. Vom 26. März bis 10. August 1933 diente das Schloss als Schutzhaftlager KZ Hainewalde und von 1933 bis 1945 als Wehrertüchtigungslager.

Bis 1972 fand noch eine Teilnutzung als Wohngebäude statt, von 1972 bis 2004 stand es leer. 2000 wurde der „Förderverein zur Erhaltung des Kanitz-Kyawschen Schlosses Hainewalde e. V.“ gegründet, durch den 2007 die Sanierung des Ostflügels begann.

2013 wurde im Schloss Hainewalde ein Teil des Films Grand Budapest Hotel gedreht.[2]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es werden regelmäßig Schlossführungen angeboten. Im ein- bis zweijährigen Rhythmus findet ein Schlossfest statt und der Schlossverein beteiligt sich am jährlichen Tag des offenen Denkmals. Außerdem wurde ein Schlosskalender und andere Erinnerungsstücke vom Schlossverein herausgegeben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

nach Autoren alphabetisch geordnet .

  • Lars-Arne Dannenberg, Matthias Donath: Schlösser in der südlichen Oberlausitz. edition Sächsische Zeitung, Meißen 2008
  • Kirsten Krepelin, Thomas Thränert: Die Hainewalder Schloss- und Gartenanlage. In: Die Gartenkunst 15 (2/2003), S. 355–374.
  • Kirsten Krepelin, Thomas Thränert: Schloss und Gartenanlage Hainewalde. Hrsg.: Zittauer Geschichts- und Museumsverein e.V. G. Oettel, Görlitz 2010, ISBN 978-3-938583-54-8.
  • NN: Die südöstliche Oberlausitz mit Zittau und dem Zittauer Gebirge (= Werte der deutschen Heimat. Band 16). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1970.
  • Gustav Adolf Poenicke: Hainewalde. In: Markgrafenthum Oberlausitz. (= Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section.), Leipzig o.J. (1854–1861), Seite 89–90. (Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Hainewalde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften: Provinzialblätter, oder Sammlungen zur Geschichte Naturkunde, Moral und anderen Wissenschaften, Seite 388ff., Leipzig und Dessau, 1782
  2. The Grand Budapest Hotel – Filming Locations. Internet Movie Database, abgerufen am 22. Mai 2015 (englisch).

Koordinaten: 50° 54′ 55″ N, 14° 42′ 28″ O