Schloss Krobnitz

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Schloss Krobnitz
Schloss Krobnitz, Foyer

Das Schloss Krobnitz (früher auch Crobnitz) im Landkreis Görlitz war der Alterssitz des preußischen Kriegs- und Marineministers Albrecht Graf von Roon. Nach erfolgter Restaurierung dient es als Museum und Veranstaltungsort.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Krobnitz liegt im gleichnamigen Dorf fünf Kilometer nordwestlich von Reichenbach/O.L., dessen Ortsteil es seit 1994 ist. Krobnitz liegt am Schwarzen Schöps, einem Nebenfluss der Spree. Etwa zwei Kilometer östlich von Krobnitz beginnen die Königshainer Berge. Die Krobnitzer Gegend gehört zu dem Teil der Oberlausitz, der auf dem Wiener Kongress 1815 an Preußen fiel (Provinz Schlesien) und erst 1945 wieder zu Sachsen kam.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1878 veröffentlichter Entwurf der Grabkapelle von den Berliner Architekten Hermann Ende und Wilhelm Böckmann (dem 1893 ausgeführten Bau entfernt ähnlich)

Ein Rittergut war schon im Jahr 1551 vorhanden, als Hans v. Döbschütz auf Krobnitz gesessen Erwähnung fand. 1589 verkauften die Gläubiger des Hans v. Döbschütz jun. das Gut an Christoph Balthasar v. Brettin, der es zwei Jahre später Christoph v. Nostitz und Rengersdorf weiterverkaufte. Bis zum Jahr 1688 verblieb es im Besitz der Familie von Nostitz (in der Reihenfolge Christoph, Christoph d. J., Hans, Carl Christoph, Johann Caspar). 1688 bis 1721 befand sich das Gut im Besitz der Familie v. Warnsdorf und von 1721 bis 1732 gehörte es denen v. Loeben. Im Jahr 1732 kaufte Carl Heinrich Wilhelm von Uechtritz. Krobnitz für 18.000 Taler. Er ließ um 1750 ein barockes Herrenhaus errichten. Sein Sohn Friedrich Wilhelm v. Uechtritz legte eine frühromantische Parkanlage („Friedrichtal“) an, die noch in Resten erhalten ist. Nachdem im Jahr 1804 die Uechtritzschen Erben das Gut verkauften, wurde es für 20 Jahre zum Spekulationsobjekt. Mit dem Kauf durch Friedrich Georg Henning v. Oertzen 1824 stabilisierten sich die ökonomischen Verhältnisse. Am 6. September 1873 verkauften die Erben der Familie v. Oertzen Schloss und Gut für 134.600 Taler dem preußischen Kriegs- und Marineminister Graf Albrecht von Roon, der es zu seinem Altersruhesitz ausbauen ließ. Seit diesem repräsentativen Umbau kann man von einem Schloss sprechen. Er legte auch den im englischen Stil angelegten Landschaftspark an und ließ im hinteren Teil 1876 eine Familiengruft errichten. Sein Sohn Waldemar baute über dieser Gruft 1893 eine neogotische Kapelle. Den Entwurf lieferte der Berliner Architekt Wilhelm Walter (1850–1914), die Bauausführung übernahm der Görlitzer Baumeister Friedrich Bruno Neumann. Die Glocke der Kapelle stiftete Kaiser Wilhelm II.

Die Familie von Roon wurde 1945 enteignet. Das Schloss diente kurzzeitig der Roten Armee als Kommandantur. Danach wurde es von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten bezogen. Anfang der 1950er-Jahre wurden elf Wohnungen eingebaut, wobei die Raumstruktur und weitere architektonische Details verloren gingen. Der Verfall der Anlage schritt trotz Nutzung unter anderem auch durch eine Kindertagesstätte beständig fort.

Im Jahr 2000 erwarb die Stadt Reichenbach das Anwesen von der Treuhandanstalt und restaurierte in einer regen Bautätigkeit in den Jahren 2002 bis 2005 das Schloss und die angrenzenden Gebäude in hervorragender Weise. Die Sanierung des Schlossparks erfolgte von 2006 bis 2010

Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Schloss besitzt nach der Restaurierung wieder das Aussehen, das ihm Albrecht Graf von Roon bei seinem Umbau gab. Er hatte das Mansardengeschoss des Barockbaus aufgestockt und das neoklassizistische Gebäude mit einem Flachdach mit Balustrade versehen. Damit ähnelte es in gewisser Weise seiner früheren Wirkungsstätte, dem preußischen Kriegsministerium. Auch der verloren gegangene Turm wurde wieder errichtet. Ein 1914 angeschlossener Saalbau, der sich nicht in das Gesamtensemble einfügte, wurde abgerissen.[1] Heute dient das Schloss als Museum und ist auch Sitz des Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbundes. Das Museum beherbergt Dauerausstellungen zur Geschichte des Gutes und zu Graf von Roon. Sonderausstellungen, Sommerkonzerte aber auch das Hochzeitszimmer komplettieren die Nutzung.
  • Das östlich des Schlosses befindliche ehemalige Inspektorenhaus nutzt der Verein für Arbeitsmarkt- und Regionalentwicklung (AUR) e.V. zur arbeitstherapeutischen Betreuung von schwervermittelbaren Langzeitarbeitslosen und benachteiligten Jugendlichen durch Beschäftigungsmaßnahmen in den Gewerken Holz und Metall.[2]
  • In der dem Schloss gegenüberliegenden Alten Schmiede sind ein großer und ein kleiner Saal und im Obergeschoss ein Vortragssaal entstanden. Hier finden regelmäßig Vorträge und Kammerkonzerte, aber auch private Feiern statt.
  • Der in langen Jahren verwilderte Park wurde ebenfalls überarbeitet. Die von Roonsche Familiengruft ist noch vorhanden. Leider fehlt die früher darüber befindliche Gruftkapelle, die 1980 trotz guten Erhaltungszustands aus ideologischen Gründen abgerissen wurde.[1]

Schlosspark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schlosspark ist Mitglied des Gartenkulturpfades beiderseits der Neiße.[3] Dies verbessert die Möglichkeiten der Pflege (Parkseminare) und die Aussichten auf Förderung sowie die touristische Erschließung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lars-Arne Dannenberg, Matthias Donath: Schlösser in der östlichen Oberlausitz. Edition Sächsische Zeitung, Meißen 2009
  • Steffen Menzel: Schloss Krobnitz – Geschichte des Rittergutes und seiner Besitzer. (= Krobnitzer Hefte 1), Verlag Gunter Oettel, Görlitz / Zittau 2008
  • Steffen Menzel: Schloss Krobnitz – Ein Stück Preußen in Sachsen. in: Kalender Sächsische Heimat 2015, Wochenblatt 5. Woche 26. Januar–1. Februar 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Krobnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Museumsprospekt
  2. AUR
  3. Homepage Gartenkulturpfad beiderseits der Neiße, Mitglieder und Kooperationspartner, abgerufen am 4. Juni 2018

Koordinaten: 51° 10′ 35,9″ N, 14° 45′ 27,3″ O