Schmorkau

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Schmorkau
Gemeinde Neukirch
Koordinaten: 51° 17′ 46″ N, 13° 55′ 7″ O
Höhe: 154 m
Fläche: 13,77 km²
Einwohner: 492 (31. Dez. 2010)
Bevölkerungsdichte: 36 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1994
Postleitzahl: 01936
Vorwahl: 035795
Kirche in Schmorkau
Blick auf Schmorkau aus einem Flugzeug

Schmorkau (obersorbisch Šmorkow) ist ein Ortsteil der Gemeinde Neukirch in Sachsen, an der Bundesstraße 97 zwischen Dresden und Hoyerswerda. Durch den Ort fließt der Otterbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Schmorkau

Schmorkau wurde 1342 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname stammt wahrscheinlich vom sorbischen Wort šmrók (heutiger Standard: šmrěk) für „Fichte“.[1] Lange Zeit war das Straßenangerdorf mit Gelängeflur entlang des Otterbaches zweigeteilt. Rechtsseitig des Baches lag die Oberlausitzer Seite, die links des Baches gelegene Meißner Seite bildete eine Exklave der Mark Meißen innerhalb der Oberlausitz. Verwaltungsmäßig gehörte die Meißner Seite zum Amt Stolpen; die Oberlausitzer Seite seit 1777 zum Bautzener Kreis und ab 1843 zum Landgerichtsbezirk Bautzen.

Mit der Neuordnung der sächsischen Verwaltungsstrukturen wurden sowohl Schmorkau Meißner Seite als auch Schmorkau Oberlausitzer Seite 1856 dem Gerichtsamt Königsbrück und 1875 der Amtshauptmannschaft Kamenz zugeordnet. 1890 wurden beide Landgemeinden zur Gemeinde Schmorkau vereinig, die bis 1994 eine eigenständige Gemeinde blieb.

Die prägnantesten Gebäude im Ort sind die evangelische Kirche und das Schloss. Das Schloss in seiner jetzigen Form wurde 1898 erbaut, wobei die Geschichte der Schloss- und Parkanlage mindestens bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Ca. 1910 ging es aus Privatbesitz ins Eigentum des Deutschen Reiches über. In der Folgezeit wurde es als Lazarett für den Truppenübungsplatz Königsbrück genutzt. Nach Abzug der sowjetischen Truppen 1992 stand das Schloss jahrelang leer, bevor es 1998 von der Gemeinde Neukirch übernommen und entkernt wurde. Von 2002 bis 2017 wurde es von der privaten Schloss-Schmorkau Sanierungs- & Betreibergesellschaft verwaltet, die im Gebäude ein Museum (Ansichtskarten, Fotografie) und eine Galerie eingerichtet hatte.

Das Dorf ist mit 492 Einwohnern[2] der größte Ortsteil der Gemeinde Neukirch; die Einwohnerzahl war in den letzten zwei Jahren überwiegend konstant. Außerdem herrscht in Schmorkau ein reges Vereinsleben. Am Vortag zum Tag der Deutschen Einheit findet ein Fischerfest statt.

Auch zur Karnevalszeit werden vom Schmorkauer Karnevalsclub e. V. Faschingsveranstaltungen durchgeführt. Der Karnevalsclub hat eine lange Tradition, seit 1972 wird in Schmorkau Karneval gefeiert.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmorkau Oberlausitzer Seite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1560[3] 17 Hufner („besessene Mann“), 6 Gärtner
1777 14 Hufner, 13 Häusler

Schmorkau Meißner Seite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1561[4] 15 Hufner („besessene Mann“), 2 Gärtner
1748 12 Hufner, 10 Häusler

Schmorkau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1834[5] 400
1871 467
1890 484
1910 561
1925 569
1939 708
1946 741
1950 832
1964 675
1990 553
2010 492

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmorkau lag an der Bahnstrecke Dresden-Klotzsche–Straßgräbchen-Bernsdorf. Die Strecke wird seit 24. Mai 1998 nicht mehr befahren.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ralph Hermann Ruß, Die Parochie Schmorkau. In: Neue Sächsische Kirchengalerie: Diöcesen Bautzen und Kamenz, Arwed Strauch, Leipzig ca. 1905, [Teil II: Die Diöcese Kamenz], Sp. 283–290
  • Cornelius Gurlitt: Schmorkau. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 28. Heft: Amtshauptmannschaft Oschatz (II. Teil). C. C. Meinhold, Dresden 1905, S. 271.
  • Erica Ruß, Episoden aus der Schmorkauer Chronik, Selbstverlag, [Klotzsche bei Dresden] 1927; Neuauflage herausgeg. v. Kirchenvorstand der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Neukirch-Schmorkau, 2011

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Jenč: Hodowne štomy. In: Serbske Nowiny, 21. Dezember 2012, S. 3
  2. Stand: 31. Dezember 2010; Angabe des Einwohnermeldeamtes Königsbrück (Königsbrücker Stadtanzeiger)
  3. Schmorkau Oberlausitzer Seite im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  4. Schmorkau Meißner Seite im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  5. Schmorkau im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schmorkau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Schmorkau im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen