Schneidladung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Schneidladung ist eine bestimmte Bauart von Sprengsatz, die verwendet wird, um dicke Stahlelemente wie massive Träger oder Stahlbetonträger zu durchtrennen. Eine normale Sprengladung reicht hier nicht aus, da sie nicht genügend gerichtete Energie entwickelt, um effektiv zu sein.

Um ein massives Stahlelement wirkungsvoll zertrennen zu können, ist zum einen eine bestimmte Detonationsgeschwindigkeit erforderlich; zum anderen ist eine weitere mechanische Komponente erforderlich, die die Wirkung des Sprengstoffes verstärkt, indem sie seine Energie auf einen klar definierten Bereich fokussiert.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schneidladung

Eine Schneidladung besteht aus einem V-förmigen Metallkörper, dem sogenannten „Liner“. An diesem ist auf ganzer Länge hochbrisanter Sprengstoff aufgebracht. Es existieren verschiedene Bauweisen: eine besteht beispielsweise aus zwei Metallprofilen, in deren Zwischenraum der Sprengstoff eingebracht ist.

Wirkungsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Zündung der Ladung wird Energie freigesetzt. Diese verformt das Material der Ummantelung und lässt es durch die Kraft der Explosion zu einer Art Geschoss werden, welches schließlich den Stahl durchschneidet. Das Wirkungsprinzip ähnelt dem einer Hohlladung aus dem militärischen Bereich. Der Unterschied besteht darin, dass die freigesetzte Energie nicht auf einen einzelnen sehr begrenzten Punkt konzentriert wird, sondern auf eine linienförmige, schmale Fläche. Auf diese Weise kann mit relativ geringem Material- und Arbeitsaufwand auch die solideste Stahlkonstruktion schnell gezielt geschwächt werden.

Brückensprengungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spezielle Varianten mit 7,5–9,0 kg pro Meter Schneidladung hochbrisantem Sprengstoff finden im militärischen Bereich für das „Durchschneiden“ von Brücken (Stahl- und Stahlbeton) Anwendung. Diese Schneidladungen haben eine Durchschlagskraft von bis zu 100 cm Stahlbeton. Im Gegensatz zur konventionellen Sprengung wird dabei die Brücke nicht komplett zerstört, sondern zerstört sich erst bei Belastung, beispielsweise durch die Überfahrt von Lkws oder Panzern. Der Einsatz von militärischen Schneidladungen war den Pionieren vorbehalten, inzwischen haben Schneidladungen auch Einzug in den Abbruch von Gebäuden, dort vorzugsweise Industrieanlagen, gefunden. Die bei der Bundeswehr benutzten Arten sind aus der Liste von Bundeswehrmunition ersichtlich.

Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Abriss von Stahlkonstruktionen
  • Raketenstufen werden mit dünnen Schneidladungen während des Fluges abgetrennt
  • Trennen von unterirdischen Rohren in der Gas- und Erdölindustrie[1]

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Blade von Royal Ordnance
  • Linear Cutter
  • Semtex Razor von Explosia
  • ResaFlex

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pipe Recovery Systems. DynaEnergetics, abgerufen am 4. Mai 2017 (englisch).