Geschoss

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Geschoss & Kartusche, deutsches 80-cm-Eisenbahngeschütz Schwerer Gustav

Ein Geschoss ist Sammelbezeichnung für alle Arten von Wurfkörpern mit denen geschossen werden kann, im engeren Sinne waffentechnische Bezeichnung für einen festen Körper, der von einer Fernwaffe verschossen wird und sich auf einer ballistischen Geschossbahn ohne Eigenenergie oder Steuerung fortbewegt.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschoss bezeichnet im weitesten Sinne „das was geschossen wird“. (auch Geschoß, ehemals Geschosz, ahd. giscoʒ, ahd. geschōʒ, aengl. gescot , in Österreich und teils in Süddeutschland Geschoß mit langem Vokal, in der Schweiz Geschoss mit langem Vokal)[1][2][3][4]

Den Geschossen werden je nach deren Beschaffenheit etliche weitere Begriffe, wie Artilleriegeschoss, Base-Bleed-Geschoss, Bolzen (Geschoss), Brennecke-Geschoss, Chapelgeschoss, Discoidal-Geschosse, DU-Geschoss, Dum-Dum-Geschoss, Einheitsgeschoss, Extended-Range-Full-Bore-Geschoss, Flachkopfgeschoss, Flintenlaufgeschoss, Gummigeschoss, Hartkerngeschoss, HE-Geschoss, Hohlladungsgeschoss, Hohlspitzgeschoss, Karkasse (Geschoss), Langgeschoss, Mantelgeschoss, Minié-Geschoss, Pfeil (Geschoss), Sprenggeschoss, Vollmantelgeschoss oder Wuchtgeschoss zugeordnet. Der Begriff Projektil wird ebenfalls für Geschosse und Munition genutzt.[5][6][7][8]

Geschoss wird als Begriff in waffenrechtlichen Verordnungen und in der Forensik genutzt.[9][10]

Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die charakterisierenden Eigenschaften des Geschosses sind:

  • es hat keinen eigenen Antrieb, sondern wird von außen beschleunigt. Dabei wird dem Körper eine Initialenergie zugeführt;
  • es benötigt eine Abwurf- beziehungsweise Abschusseinrichtung, die nicht mit auf die Flugbahn geht;
  • es hat nach Verlassen dieser Einrichtung eine ballistische Flugbahn, auf der es dann wie ein geworfenes Objekt fliegt.

Damit steht das Geschoss im Gegensatz zur Rakete: Während das Geschoss von einer Treibladung beschleunigt wird und dann in einer ballistischen Kurve fällt, wird die Rakete von der Treibladung beschleunigt und fliegt dadurch. Sobald die Treibladung ausgebrannt ist, verhält sich auch die Rakete ab diesem Moment wie ein Geschoss und fällt in einer ballistischen Kurve. Allerdings wird diese Abgrenzung durch Base-Bleed-Geschosse zunehmend unscharf. Diese Geschosse enthalten einen gaserzeugenden pyrotechnischen Satz, der durch Verringerung der Heckverwirbelung die ballistischen Eigenschaften verbessert. Je nach Stärke der Gaserzeugung ist eine klare Unterscheidung schwierig. Die Treibladung des Geschosses ist in den allermeisten Fällen ein pyrotechnischer Satz. Geschossen werden kann aber auch mit Druckluft, mittels elektromagnetischer Schussanlagen (z. B. Railgun), rein mechanisch über Federn und elastische Materialien oder mit anderen Energieerzeugern.

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Abschuss selbst ist in den Grundlagen eine Frage der Energiebilanz (Thermodynamik) und Reibung (Mechanik). Mit den speziellen Problemstellungen von aus Rohren geschossenen Objekten beschäftigt sich die Innenballistik.

Charakteristische Kenngrößen für das Geschoss sind:

Konstruktion eines Geschosses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die äußere Form eines Geschosses soll möglichst wenig Luftwiderstand bieten. Der innere Aufbau richtet sich nach der beabsichtigten Wirkung.

In der Waffentechnik ist das etwa die Wirkung beim Aufschlag im Treffpunkt. Sie werden dafür als massive Geschosse, Zerlegungsgeschosse, Sprenggeschosse oder als Trägergeschosse für den Transport zum Beispiel chemischer Waffen ausgeführt.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Frobenius, Militärlexikon (Handwörterbuch der Militärwissenschaften), Verlag Martin Oldenburg, 1901.
  • Beat P. Kneubuehl: Ballistik, Theorie und Praxis. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-662-58299-2.
  • Beat Kneubuehl: Geschosse. Band 1: Ballistik, Treffsicherheit, Wirkungsweise. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 978-3-7276-7119-7.
  • Beat Kneubuehl: Geschosse. Band 2: Ballistik, Wirksamkeit, Messtechnik. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-7276-7145-9.
  • Beat Kneubuehl: Geschosse Gesamtausgabe. Ballistik, Messtechnik, Wirksamkeit, Treffsicherheit. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-613-30666-0.
  • Beat Kneubuehl: Das Abprallen von Geschossen aus forensischer Sicht, 1999, ISBN 978-2-940098-15-6.
  • Bernhard von Poten: Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschaften, Band 4, Bielefeld, Velhagen & Klasing, 1877, Nachdruck Europäischer Geschichtsverlag, Paderborn, 2015 ISBN 978-3-86382-520-1.
  • Wilhelm Rüstow: Militärisches Hand-Wörterbuch. Nach dem Standpunkte der neuesten Litteratur und mit Unterstützung von Fachmännern bearb. und redigirt, Band 1 A – K. F. Schulthess, 1858, S. 257 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Geschoss – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
WiktionaryWiktionary: Geschoss – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Duden-Redaktion: Das Herkunftswörterbuch (= Deutsche Sprache in 12 Bänden. Band 7). 5. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2015 (S. 333).
  2. Geschosz, n.. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Hirzel, Leipzig 1854–1961 (woerterbuchnetz.de, Universität Trier).
  3. Geschoss. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache.
  4. Schweiz: Geschoss mit langem Vokal "o"; Österreich: ebenfalls mit langem Vokal "o", geschrieben "Geschoß".
  5. Bernhard von Poten: Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschaften, Seite 90, Eintrag: Geschoss
  6. Herman Frobenius, Militärlexikon, Seite 277, Eintrag: Geschosse
  7. Wilhelm Rüstow: Militärisches Hand-Wörterbuch, Seite 277, Eintrag: Geschoß
  8. Beat P. Kneubuehl: Ballistik, Theorie und Praxis (Digitalisat online)
  9. Volltextsuche im Waffengesetz bei buzzer.de
  10. Universität Bern, Institut für Rechtsmedizin Zentrum für Forensische Physik/Ballistik