Pionier (Militär)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Pioniere sind die Truppengattung eines Heeres, deren Auftrag die Förderung der Bewegung der eigenen Truppe, die Hemmung der Bewegungen des Gegners sowie die Erhöhung der Überlebensfähigkeit der eigenen Truppe ist. Dazu sind sie mit bautechnischen und infrastrukturellen Hilfsmitteln ausgerüstet und entsprechend ausgebildet. In manchen Heeren (z. B. in der Schweizer Armee) werden die Pioniertruppen nach dem dafür früher verwendeten Wort als Genietruppen (von lateinischen Genius) oder auch als Ingenieurkorps bezeichnet. Die historischen Sappeure, aus dem französischen für ‚Steinhauer‘, sind Belagerungspioniere oder Truppenhandwerker, und dienten dem Stellungsbau, die Mineure dem Anlegen von Minen im Festungskampf. Im deutschen Heer bildet die Pioniertruppe eine eigene Truppengattung.

Faltstraßengerät der Bundeswehr im Einsatz

Gliederung[Bearbeiten]

Pioniere des österreichischen Bundesheeres befestigen die Auffahrtsrampen an einer Schnellbrücke (Österreich)

Gemäß den unterschiedlichen Fähigkeiten der Pioniertruppe werden die Pionierkräfte weiter unterteilt, z. B. Brückenpioniere, Sperrpioniere und Panzerpioniere. Ferner gab es bis zur Zeit des Kalten Krieges als Spezialverbände z. B. die Eisenbahnpioniere für die Wiederherstellung und Inbetriebnahme von Eisenbahnanlagen sowie innerhalb des Territorialheeres in Deutschland die Wallmeistertrupps zur Einrichtung und Auslösung vorbereiteter Brückensprengungen in Westdeutschland. Diese existieren unter teils neuer Zuordnung und Aufgabe der Selbstständigkeit weiter.

Aufgaben[Bearbeiten]

Pioniere des Bundesheeres beim Brückenbau
Die Schnellbrücke nach Fertigstellung

Die Kampfunterstützungstruppe der Pioniere legen und räumen von Minensperren und Drahtsperren an, um die Bewegung des Gegners zu hemmen oder zu lenken.

Pioniere allgemein hemmen Feindkräfte durch Sprengung von Verkehrsinfrastrukturen wie Brücken und Engen, um Nachschubstraßen zu behindern. Sie unterstützen mit ihrer Ausrüstung den Ausbau von Stellungen und bauen für die eigene Truppen durch die Brückenbaupioniere Verkehrsstrukturen über Gewässer. Außerdem sind Pioniere befähigt allgemeine Baumaßnahmen durchzuführen, Wasserversorgung und Infrastruktur in einem Feldlager zu errichten und zu betreiben. Die Wasseraufbereitung hingegen war Aufgabe der ABC-Abwehrtruppe.

In der Luftwaffe werden Kräfte für die Startbahninstandsetzung auch Luftwaffenpioniere genannt, und dazu eingesetzt, Flugbetriebsflächen nach einem Angriff instand zu setzen sowie Bauinstandsetzungsmaßnahmen durchzuführen.

Ausrüstung[Bearbeiten]

Pioniere sind mit verschiedenen Fahrzeugen wie Pionierpanzer, Brückenlegepanzer und Minenräumpanzer ausgerüstet.

Zur Ausrüstung der Brückenpioniere gehören Pontonbrücken und Schwimmfähren für die Überquerung von Gewässern. Ferner verfügen sie über vielfältiges Schanzzeug.

Geschichte[Bearbeiten]

Amphibien-Pionierbrückenfahrzeug, EWK Eisenwerke Kaiserslautern

Pioniere im frühneuzeitlichen Heer[Bearbeiten]

In den Heeren des 18. Jahrhunderts hatten der Mineur und der Sappeur Pionieraufgaben wahrzunehmen. Vorgänger sind die Ingenieur- oder Genietruppen, die aus nur leichtbewaffneten Spezialhandwerkern und Schanzarbeitern ('Schanzbauern') bestanden. Daneben gab es für die Überquerung von Gewässern in manchen Armeen auch Pontoniere.

Als Infanterie- bzw. Kavalleriepioniere bezeichnete man Ende des 19. Jahrhunderts Mannschaften der Infanterie bzw. Kavallerie, die für einfache Pioniertätigkeiten bei ihrer Truppe ausgebildet und ausgestattet waren. Sie gehörten jedoch nicht zur technischen Truppe.

Einsatz im Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg stieg die Bedeutung der Pioniertruppe durch den Stellungskrieg besonders an der Westfront stark an. Der dadurch notwendig gewordene Bau von Unterständen, Gräben, Stollen, Bunkern, Sappen und befestigten und geschützten Stellungen erforderte spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten, die bei Infanterie oder Artillerie nicht vorhanden waren. Auch neue Waffen, wie Minenwerfer, Flammenwerfer, anfangs auch die zunehmend im Stellungskrieg verwendeten Handgranaten, wurden vorwiegend von Pioniereinheiten eingesetzt. Dazu wurden spezielle Formationen aufgebaut, wie z. B. Minenwerfer-Kompanien, Scheinwerferzüge, Pionierparks und Eisenbahnpioniere. Bei Angriffen begleiteten Pioniere die Sturmtruppen, um möglichst rasch und wirkungsvoll die Befestigungen der feindlichen Linien auszuschalten oder Übergänge über natürliche Hindernisse, z. B. Flussläufe herzustellen.

Einsatz im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg nahm die Bedeutung der Pioniere in der deutschen Wehrmacht weiter zu. Man verstärkte die Pioniertruppe insgesamt deutlich und stellte Spezialverbände auf. Dazu gehörten

Pioniere in der Bundeswehr[Bearbeiten]

Die Pioniertruppe ist eine Truppengattung im Heer und in der Streitkräftebasis der Bundeswehr. Die deutschen Pioniere zählen zu den Kampfunterstützungstruppen. → Siehe Pioniertruppe des Heeres und der Streitkräftebasis.

Pioniere der Luftwaffe sind vor allem mit der Instandsetzung oder dem Bau von Start- und Landebahnen beauftragt. Sie sind Teil des → Objektschutzregiments der Luftwaffe.

Bei der Marine waren ebenfalls im kleineren Umfang eigene Pionierkräfte aufgestellt. Aufgabe war beispielsweise das Schaffen einer baulichen Voraussetzung für Landungsoperationen. Sie zählten zur → amphibischen Gruppe der Marine.

Schweiz[Bearbeiten]

Aus historischen Gründen nennt die Schweizer Armee nur die Soldaten der Übermittlungstruppen Pioniere. Die Übermittlung entstand aus den Genietruppen (Bau von Telegraphenleitungen) und war diesen bis 1951 auch formell zugeteilt. Dann entstand in der Verwaltung zuerst eine eigene Abteilung und 1978 das Bundesamt für Übermittlungstruppen, das dann im Laufe weiterer Armeereformen zur heutigen Führungsunterstützungsbasis wurde. Die Bezeichnung der Soldaten als Pioniere ist jedoch geblieben.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christin-Désirée Rudolph: Anker Wirf - Die Pioniere und Spezialpioniere der Bundeswehr. Motorbuch Verlag, 2010. ISBN 978-3-613-03155-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Military engineering – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien