Schokokuss

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Ganzer und halbierter Schokokuss
Produktionsprozess in der schweizerischen Schokokussfabrik Dubler in Waltenschwil

Ein Schokokuss oder Schaumkuss ist eine Süßigkeit aus weichem Schaumzucker, der auf eine Waffel dressiert und mit Schokolade oder Fettglasur überzogen wird.

Bezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Westösterreich, in der Schweiz und in Deutschland war auch Mohrenkopf, in Deutschland historisch auch Negerkuss[1] verbreitet. Als „Mohrenkopf“ ist regional allerdings auch ein anderes Gebäck bekannt. Schokokuss und (seltener) Schaumkuss kommen vor allem in Mittelwest- und Südwestdeutschland sowie im Schriftdeutschen vor.[2] In Österreich verfügen die Schwedenbomben von Niemetz über einen Bekanntheitsgrad von 94 %.[3] In der Schweiz werden auch die Bezeichnungen Choco-Köpfli[4] bzw. Schoko-Köpfe[5] verwendet.

Die Bezeichnungen „Negerkuss“ und „Mohrenkopf“ wurden im Laufe der 1970er Jahre[6] bis etwa der 1990er Jahren[5] wegen der rassistischen Konnotation der Ausdrücke „Neger“ und „Mohr“ im offiziellen Sprachgebrauch zunehmend vermieden. Die Bezeichnungen werden aber vereinzelt noch von den herstellenden Unternehmen bzw. Betrieben verwendet.[7][8]

Nach deutschem, österreichischem und Schweizer Lebensmittelrecht ist die Bezeichnung Schokokuss (und vergleichbare Namen, die auf Schokolade hinweisen) nur für Produkte zulässig, die mit echter Schokolade überzogen sind, nicht mit Fettglasur.[9][10][11]

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herstellungsverfahren variieren. Der gezuckerte Eiweißschaum, der manchmal mit Kakao und/oder Rumaroma versetzt ist, wird auf eine Waffel aufgebracht und mit Kuvertüre überzogen, bei einigen Produkten auch mit Fettglasur. Früher wurde der weiße Schaum dazu in die Überzugsmasse getaucht, wodurch er vor dem Umdrehen einen charakteristischen „Zipfel“ auf der Oberseite ausbildete. Im modernen Herstellverfahren wird die Glasur im Überzugsverfahren aufgebracht.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auswahl an Varianten

Der Schokokuss ist in vielerlei Schokoladensorten erhältlich. Daneben gibt es noch weitere Produkte, die nach dem Überziehen mit Kokosraspeln, Krokantstreuseln oder Mandeln bestreut werden.

Eine vor allem bei Schulkindern beliebte Form des Verzehrs ist das Matschbrötchen bzw. der Mohrenkopfweck, bei dem ein Schokokuss zwischen zwei Brötchenhälften zerdrückt wird.[12] Um gesündere Ernährung zu fördern, wurde im Umfeld einzelner Schulen der Verkauf untersagt, was teils zu Schülerprotesten führte.[13]

Auf Gemeindefesten und Kindergeburtstagen werden bisweilen Schokokuss-Wurfmaschinen eingesetzt, die meist selbst gebaut sind.[14] Dabei muss mit einem Ball ein Auslöser getroffen werden. Bei einem Treffer schleudert eine Sprungfeder oder ein federgespannter Wurfarm einen Schokokuss in Richtung des Werfers. Dieser muss ihn dann mit der Hand oder dem Mund auffangen.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland werden jährlich ca. 1 Milliarde Schokoküsse verzehrt.[15] International ist der Schokokuss ebenfalls verbreitet. In Israel ist der Schokokuss unter der Bezeichnung Krembo, in Dänemark als Flødebolle und in den Niederlanden als Negerzoen bekannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Schokoküsse sollen um 1800 in Dänemark hergestellt worden sein.[16] Im 19. Jahrhundert entstanden in Konditoreien in FrankreichTête de nègre“, auf Deutsch „Negerkopf“, hergestellt aus einer baiserartigen Masse und einem Schokoladenguss. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es sie auch in deutschen Konditoreien.

1920 begann Mayer Junior in Bremen mit der Fertigung dieser Spezialität in Deutschland und fertigt sie bis heute in kleinen Chargen. Aus der 1890 gegründeten Konditorei von Edmund Niemetz in Linz wurde 1930 die Süßwarenmanufaktur Walter Niemetz. Hier wurde 1926 die Schwedenbombe entwickelt, so benannt nach einem aus Schweden stammenden Mitarbeiter.

In den 1940er Jahren stellte die Firma Köhler eine Variante des Schokokusses her, Köhler’s Wunder-Mohren-Tüte. Es waren Hörnchen mit einer Füllung aus Köhlerküssen, und in der Waffel waren kleine Überraschungen versteckt. Die ersten Schokoküsse in der DDR wurden vom VEB Grabower Dauerbackwaren gefertigt, der heute als Grabower Süsswaren firmiert. Die Massenproduktion in Deutschland begann um 1950.

Nährwert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein großer Schokokuss (Herstellerangaben zu Super Dickmann’s) wiegt 28 g und enthält 3,0 g Fett, 0,8 g Eiweiß und 18,8 g Kohlenhydrate. Der Brennwert pro Portion (1 Stück) beträgt 444 kJ (106 kcal), entsprechend 1,8 KHE, bzw. 1,5 BE.

Nährwertangaben eines Schokokusses in Tabellenform:

pro 100 Gramm pro Portion (28 Gramm)
Kohlenhydrate (g) 67,1 18,8
Fett (g) 10,7 3,0
Eiweiß (g) 2,9 0,8
Brennwert (kJ) 1585,7 444

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schokokuss – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Schwedenbombe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Negerkuss – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auf das Schaumgebäck angewendet, soll der Begriff „Negerkuss“ seit den 1950er Jahren bekannt sein, für eine Biskuitkugel war er jedoch schon 1934 enzyklopädisch erfasst worden (Große Herder, Bd. 8, Sp. 540, Stichwort Mohrenkopf). So Jürgen Eichhoff: Zu einigen im 20. Jahrhundert entstandenen geographischen Unterschieden des Wortgebrauchs in der deutschen Sprache, In: Sprache und Brauchtum. Festschrift Martin, 1980, S. 170–173
  2. Ulrich Ammon, Regula Nyffenegger: Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. Walter de Gruyter, 2004.
  3. Die Schwedenbombe hat für den Aufsichtsratschef noch viel Potenzial., S. 192
  4. Die Perrier „Choco-Köpfli“ haben den ersten Preis der Swiss Marketing Trophy gewonnen. In: Presseportal, 17. Januar 2001, abgerufen am 26. Juli 2020
  5. a b Villars Maître Chocolatier S.A. Eintrag im Markenlexikon auf markenlandschaft.ch, abgerufen am 26. Juli 2020
  6. So nennen andere Hersteller die «Mohrenköpfe» In: nau.ch, 12. Juni 2020
  7. Dubler Mohrenköpfe der Robert Dubler AG in Waltenschwil, Schweiz
  8. Othmar Richterichs Mohrenköpfe in Laufen, Schweiz
  9. M. Mahler: Schokocroissants & Co. – Alles Schokolade? Kenntlichmachung von schokoladeartigen Überzügen und Füllungen. Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe, 29. Februar 2012, abgerufen am 1. April 2014.
  10. Österreichisches Lebensmittelbuch, Codexkapitel B 15 – Kakao- und Schokoladeerzeugnisse, Lebensmittel mit Kakaoerzeugnissen oder Schokoladen, Abschnitt 3.4.7 (online)
  11. Gehaltsanalyse bei Gebäck mit Füllung oder Überzug aus Schokolade. (PDF, 1 MB) In: Jahresbericht 2006. Kantonales Labor Zürich, S. 75, archiviert vom Original am 12. Juni 2018; abgerufen am 26. Juli 2020.
  12. Schokokuss-Brötchen kontra Getreidebratling?: Schulcafés und gesunde Ernährung; Dokumentation eines Erfahrungsaustausches. Verbraucherzentrale Hessen, 1994
  13. Wolfgang Horch: Der Kampf ums Negerkussbrötchen. In: Hamburger Abendblatt. 23. Juni 2009, abgerufen am 21. Juli 2016.
  14. Bauanleitung für eine Wurfmaschine (PDF; 5 MB)
  15. Träume Schäume sind. Der Tagesspiegel, 30. Oktober 2011
  16. Israelis consume 50 million 'krembos' every year. In: The Jerusalem Post. 15. Oktober 2007, abgerufen am 21. Juli 2016.