Schusterkugel

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Schusterkugel aus dem Heimatmuseum Bergen-Enkheim
Schusterkugel in der Werkstatt eines Holzschneiders, nach einer Originalzeichnung von Hans Rüger
Schusterkugel im Industrieviertel-Museum in Wiener Neustadt

Die Schusterkugel (auch Schusterlampe) ist ein mit Wasser gefüllter farbloser Glas-Kolben in Kugelform, der von Handwerkern insbesondere vor der Einführung elektrischer Lichtquellen benutzt wurde, um diffuses Licht der Sonne, einer Gas- oder Öllampe wie mit einer Sammellinse zu fokussieren und so den Arbeitsplatz besser auszuleuchten. Auf diese Weise konnten auch die lichtschwachen Stunden des Tages während der Dämmerung zur Arbeit genutzt werden. Neben dem Fokussieren war das Filtern der Wärmestrahlung der Lichtquelle ein erwünschter Effekt der Schusterkugel. So konnte man mit temperaturempfindlichen Materialien nah an einer starken Lichtquelle arbeiten.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab auch Abänderungen der Schusterkugel. So wurden viele solcher Kugeln um eine Lichtquelle gehängt[1], um deren Licht zu vervielfältigen, beispielsweise bei Heiligen Gräbern im süddeutschen und österreichischen Raum.[2]

Ende des 19. Jahrhunderts experimentierte Erwin Perzy mit Schusterkugeln, um die Lichtausbeute insbesondere bei Operationen zu vergrößern. Der in die Flüssigkeit gegebene lichtstreuende Grieß führte zwar zu keiner Verbesserung, aber aus diesen Versuchen ging die erste Schneekugel hervor.[3]

Eine kleinere Version der Schusterkugel fand bei frühen optischen Mikroskopen Verwendung. Die zur Mantik verwendeten Glas- oder Kristallkugeln bei Wahrsagern und Spiritisten waren oftmals Schusterkugeln.[4]

Lichtverteilungsflaschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das entgegengesetzte Prinzip wird in den Slums von Manila, etwa im Rahmen des Projektes Liter of Light, zur Beleuchtung von Wellblechhütten eingesetzt. Dabei wird das Licht der Sonne mittels einer mit Wasser und Bleichmittel gefüllten Plastikflasche durch ein Loch im Wellblechdach der Hütte in den Raum geleitet. Die mit Wasser gefüllte Flasche dient als Lichtleiter, die das Sonnenlicht durch die Öffnung eindringen lässt und dann diffus nach allen Seiten hin verteilt, so dass die Hütte davon diffus erleuchtet wird. Das Bleichmittel in der Flasche dient zur Hemmung des Algenwachstums. Die Leuchtstärke entspricht bei hellem Sonnenlicht in etwa der Stärke einer 50-Watt-Glühbirne, das heißt einem Lichtstrom von circa 600 Lumen.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hannelore Dittmar-Ilgen: Warum platzen Seifenblasen? Die Schusterkugel (historisch und physikalisch). Hirzel, Stuttgart / Leipzig 2002, ISBN 978-3-7776-1149-5, S. 125.
  • Roger Erb, Lutz Schön: Die Schusterkugel. Zur Didaktik der Physik und Chemie, Universität Gesamthochschule Kassel, Vortrag der GDCP-Tagung in Weingarten, 1990 (PDF, 3 Seiten).
  • Hans-Joachim Reupke, Wilhelm Schuldt: Physik, Natur und Technik. Teilband 1, Sekundarstufe 1, S. 165–167.
  • J. Kuhn, A. Müller, E. Plochich: Schusterkugel. Freihandexperimente und Alltagsphänomene aus den Naturwissenschaften. Universität Landau, 19. Juni 2003

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bild mehrerer Schusterkugeln um eine Lichtquelle, abgerufen am 20. Juni 2018
  2. Schusterkugeln um Heilige Gräber, abgerufen am 20. Juni 2018
  3. Schneekugel-Manufaktur – Einmal kräftig schütteln bitte Deutsches Ärzteblatt PP 11, Ausgabe Januar 2012, Seite 47, abgerufen am 3. Januar 2020
  4. Hans Walter Gruhle: Psychiatrie der Gegenwart, Teil 1A: Grundlagenforschung zur Psychiatrie, bearb. von J. C. Brengelmann et al.; Teil 1B: Grundlagenforschung zur Psychiatrie, bearb. von M. Bleuler et al.; Teil 2: Grundlagen und Methoden der klinischen Psychiatrie, bearb. von G. Bally et al. Springer, 1967 (online auf Google Books, abgerufen am 31. Oktober 2015).
  5. Malte Kollenberg: Licht für die Ärmsten: Flaschentrick erleuchtet Manilas Slums. In: Spiegel Online. 4. September 2011, abgerufen am 10. Juni 2018.