Schwarzerden (Schule)

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Schwarzerden ist der Name der staatlich anerkannten Schule für Ergotherapie und Physiotherapie sowie der Rhön-Akademie in Gersfeld. Die Geburtsstätte liegt im Poppenhausener Ortsteil Rodholz, Siedlung Schwarzerden, wo die Schule 1923 gegründet wurde. Sie hat kontinuierlich bis in die Gegenwart bestanden und war lange Zeit ein Frauenprojekt.

Der Siedlungshof in Schwarzerden gehört zu den alternativen Siedlungsprojekten in der frühen Weimarer Republik mit den Zielen einer jugendbewegten Lebensreform. 1922 kamen Elisabeth Vogler und Marie Buchhold, die sich aus dem Studium in Darmstadt kannten, nach einem gescheiterten Projekt in Frankenfeld bei Gernsheim nach Poppenhausen, begannen mit Gesundheitsfürsorge für Berufstätige, pachteten den Hof Schwarzerden zur Landwirtschaft und stellten handwerkliche Produkte mit Marta Neumayer her (Bastmatten und Körbe). 1925 erwarben sie den Hof, gründeten eine Genossenschaft und begannen zusätzlich ein Kinderluftbad. 1927 öffnete die Gymnastikschule, für die Rudolf von Laban Ideengeber einer „Tanzfarm“ war. Die Gymnastik sollte in die soziale Arbeit integriert werden, anders als in der parallelen Siedlung Loheland. 1928/29 zog die Einrichtung um in den größeren Bodenhof bei Gersfeld. Die staatlich anerkannte Schule wuchs auch in der NS-Zeit, teilweise in Kooperation mit der NSV. Der Ansatz weiblicher Körperpflege wurde geschätzt. Die Bedeutung der Landwirtschaft trat völlig zurück.

1946 wurde der Schulbetrieb wieder zugelassen und ständig erweitert oder reformiert zu einer der führenden Schulen für Gymnastiklehrer in Deutschland. Das Programm wechselte aber häufig zu neuen Inhalten. Träger bis 1951 war die Frauensiedlung Schwarze Erde, danach ein Trägerverein.

Im Jahre 2018 wurde nach einer Insolvenz die Schule durch die gemeinnützige Medischulen GmbH übernommen. Ab dem Herbst 2021 wird der Schulbetrieb in Fulda stattfinden, der alte Standort in der Rhön soll von der Genossenschaft Sonnerden für ein Mehrgenerationenprojekt übernommen werden.[1][2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Linse: Zurück, o Mensch, zur Mutter Erde. Landkommunen in Deutschland 1890-1933. dtv, München 1983, ISBN 3-423-02934-X.
  • Ortrud Wörner-Heil: Von der Utopie zur Sozialreform. Jugendsiedlung Frankenfeld im Hessischen Ried und Frauensiedlung Schwarze Erde in der Rhön 1915 – 1933, Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 104. Darmstadt und Marburg 1996, ISBN 3-88443-196-X.
  • Bernd Wedemeyer-Kolwe: "Der neue Mensch": Körperkultur im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Würzburg 2004 (bes. S. 90f), ISBN 3-8260-2772-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daniela Petersen: Nach fast 100 Jahren: Physiotherapie-Schule Schwarzerden zieht aus der Rhön weg. In: Fuldaer Zeitung, 17. Juni 2020.
  2. Daniela Petersen, Jessica Vey: Bullerbü in der Rhön – Genossenschaft Sonnerden plant in Schwarzerden ein Mehrgenerationenprojekt. In: Fuldaer Zeitung, 14. Juni 2020.

Koordinaten: 50° 28′ 12,2″ N, 9° 52′ 38,4″ O