Poppenhausen (Wasserkuppe)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Poppenhausen (Wasserkuppe)
Poppenhausen (Wasserkuppe)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Poppenhausen (Wasserkuppe) hervorgehoben
Koordinaten: 50° 29′ N, 9° 52′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Fulda
Höhe: 457 m ü. NHN
Fläche: 40,77 km2
Einwohner: 2569 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 63 Einwohner je km2
Postleitzahl: 36163
Vorwahl: 06658
Kfz-Kennzeichen: FD
Gemeindeschlüssel: 06 6 31 021
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Von-Steinrück-Platz 1
36163 Poppenhausen
Webpräsenz: www.poppenhausen-wasserkuppe.de
Bürgermeister: Manfred Helfrich (CDU)
Lage der Gemeinde Poppenhausen (Wasserkuppe) im Landkreis Fulda
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Über dieses Bild

Poppenhausen (Wasserkuppe) ist eine Gemeinde im Landkreis Fulda in Osthessen, Deutschland.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf den Ortskern mit der kath. Pfarrkirche

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt mit ihren Ortsteilen in der Hochrhön, am Hang der Wasserkuppe, des Pferdskopfes und des Eubeberges. Durch den Ortsteil Poppenhausen fließt die Lütter, ein Nebenfluss der Fulda.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Poppenhausen grenzt im Norden an die Gemeinde Hofbieber, im Nordosten an Hilders, im Osten an die Gemeinde Ehrenberg, im Südosten und Süden an die Stadt Gersfeld sowie im Westen an die Gemeinden Ebersburg, Künzell und Dipperz (alle im Landkreis Fulda).

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den fünf Ortsteilen:[2]

  • Poppenhausen
  • Abtsroda (mit Sieblos und Tränkhof)
  • Gackenhof (mit Neuwart, Kuppe, Rabennest, Neufeld, Steinbruch, Bienhof, Bollrain, Storchshof, Hettenpaulshof, Danielshof, Wiegerich, Huhnrain, Huhnmühle, Hugofluss und Unteraltenweiher)
  • Rodholz (mit Schwarzerden, Güntersberg, Guckai, Kohlstöcken, Heckenhof, Farnlieden, Lahmenhof und Oberaltenweiher)
  • Steinwand (mit Hohensteg, Rauschelbach, Ziegelhof, Eichenhof, Steinhecken, Erlenhof, Maulhof, Klübershof, Obereichenwinden, Teufelstein, Eselsbrunn, Mittelberg, Grabenhof, Eichenwinden, Heckenmühle, Mittelberg, Dürrmühle, Heiligenhof, Grasberg, Hugograben, Bildstein, Feuerloch, Öttersbach, Heimenhof, Krämersloch, Hausfüst, Kalkhof, Vorderreppig, Remerz und Leimbachshof)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteil Abtsroda mit der Wasserkuppe

Erstmals erschien die Örtlichkeit als „Bifang“ (Rodungsgut) samt 13 „Unfreien“ am 1. Februar 826 in einer Schenkungsurkunde des fränkischen Gaugrafen Poppo I. an das Kloster Fulda. Diese Urkunde gilt jedoch nach den strengen Regeln des Hessischen Staatsarchivs nicht als Ersterwähnung, da der Ort nicht als „villa“ bezeichnet ist. Dies ist erst in einem zwischen 1155 und 1165 entstandenen Urbar (Güterverzeichnis) des Klosters Fulda, dem sogenannten Codex Eberhardi der Fall. In der Folge waren dort zahlreiche Rittergeschlechter ansässig oder begütert, so die Herren von Steinau genannt Steinrück, die von Ebersberg genannt von Weyhers, die von Thüngen, von Berlepsch, Specht von Bubenheim, von Merlau und weitere. Die letzten Adeligen waren die von Mansbach, deren letzten Besitz der Fuldaer Fürstabt Adalbert I. von Schleiffras 1709 zurückkaufte. Alle hatten ihre eigenen Gasthöfe und Mühlen, zu deren Nutzung ihre Lehnleute verpflichtet waren. In Poppenhausen befand sich eine große Wasserburg, mit über 10.000 Quadratmetern die größte der Umgegend, die erstmals 1327 erwähnt wurde und 1459, zumindest oberirdisch, zerstört wurde. Unter verschiedenen Gasthöfen und dem Von-Steinrück-Platz sind Keller dieser ehemaligen Burg Poppenhausen erhalten.

1635 tobte die Pest in der Gegend. Aus Dankbarkeit, dass die Pestgefahr vorüber war, errichtete der Geselle Johannes Farnung 1639 einen Bildstock auf dem Poppenhausener Hausberg, „Stein“ genannt. Am 21. Juni 1647 gelobte die Gemeinde, jedes Jahr eine Wallfahrt zu diesem Bildstock durchzuführen. Dieser örtliche Pest- und Hagelfeiertag wird seither alljährlich mit einer Bittwallfahrt zur Kapelle auf den Stein gefeiert, wobei der Text des Gelöbnisses von 1647 verlesen wird.

Am 30. September 1903 verwüstete ein Brand im Ortskern 18 Wohnhäuser mit Nebengebäuden einschließlich Pfarrhaus und alter Schule. Schon um die Wende des 19./20. Jahrhunderts öffnete sich der Ort für Sommerfrischler, so wurden die Weichen für den heutigen Tourismus gestellt. Am 15. Dezember 1961 wurde der Kerngemeinde Poppenhausen vom hessischen Wirtschaftsministerium das Prädikat Luftkurort verliehen.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. August 1972 entstand im Zuge der hessischen Gebietsreform aus den einst selbständigen Gemeinden Abtsroda (mit seinen Ortsteilen Tränkhof und Sieblos), Gackenhof, Poppenhausen an der Wasserkuppe, Rodholz und Steinwand die Großgemeinde Poppenhausen. Diese erhielt auch Teile der Nachbargemeinden Dipperz, Ebersburg und Hofbieber mit damals etwa 100 Einwohnern.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[4] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[5][6]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016
  
Von 15 Sitzen entfallen auf:
  • CDU: 9
  • CWE: 6
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 59,9 9 65,9 10 70,5 11 62,0 9
CWE Christliche Wähler-Einheit 40,1 6 34,1 5 14,4 2 14,6 2
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 9,6 1 11,4 2
OBL Offene Bürgerliste 5,5 1 12,0 2
Gesamt 100 15 100 15 100 15 100 15
Wahlbeteiligung in % 67,6 64,9 63,1 81,29

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 1951 wurde der Gemeinde Poppenhausen durch das Hessische Staatsministerium das Recht zur Führung eines Wappens und einer Flagge verliehen.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche St. Georg
  • Die katholische Pfarrkirche St. Georg wurde von 1609 bis 1621 erbaut. 1857–1861 wurde sie mit den Bau eines Querschiffes und eines neuen Chores erweitert, 1993 bis 1994 im neugotischen Stil restauriert. Vor der Kirche befindet sich ein steinernes Hochkreuz aus dem Jahre 1763 sowie der Marktplatzbrunnen von 2015.
  • Nordwestlich von Poppenhausen befindet sich die Berg- und Wallfahrtskapelle St. Maria auf dem Stein. Sie wurde vor 1714 errichtet. Im Umfeld befindet sich ein Bildstock von 1639 und eine steinerne Freikanzel (Predigtstuhl) von 1736. Am Weg stehen 14 Kreuzwegstationen von 1767 mit einer imposanten Kreuzigungsgruppe von 1768.
  • Am Stein befindet sich auch eine Marien- oder Lourdesgrotte, die 1893 angelegt und 1959 erweitert wurde.
  • Im Sieblos-Museum im Rathaus sind Fossilfunde aus der Braunkohle von Sieblos ausgestellt.
  • Nördlich des Ortsteils Abtsroda baute 1898 der Abtsrodaer Schmiedemeister Damian Ebert eine Marienkapelle an den Berg. Er war zuvor zum zweiten Mal nach Lourdes gepilgert.
  • Etwa vier Kilometer östlich von Poppenhausen liegt der natürliche Guckaisee.
  • Am 7. September 2012 wurde der 2,5 km lange Themenwanderweg Liebesweg eröffnet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprünglich landwirtschaftlich geprägte Gemeinde bietet heute etwa 1400 Arbeitsplätze.[8] Der bestimmende Wirtschaftsfaktor ist der Fremdenverkehr, der im Sommer und durch die relativ schneesichere Lage auch im Winter zahlreiche Arbeitsplätze bietet. Neben dem örtlichen Handel und Gewerbe sind auch einige mittelständische Industriebetriebe ansässig; unter anderem haben die Firma Schleicher, weltbekannter Hersteller von Segelflugzeugen, sowie die regionale Bäckerei Pappert, die auf eine Bäckerfamilie aus dem 17. Jahrhundert zurückgeht,[9] ihren Sitz in der Gemeinde.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Poppenhausen liegt drei Kilometer südlich der Bundesstraße 458 FuldaHilders. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Lütter, Altenfeld und Gersfeld (Rhön) an der südlich von Poppenhausen verlaufenden Rhönbahn, jeweils zwischen sechs und etwa acht Kilometer entfernt. Durch die Lokale Nahverkehrsgesellschaft Fulda mbH bestehen außerdem direkte Busverbindungen nach Fulda.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joseph Bub (* 2. März 1873; † 30. April 1945) wurde nach einem Großbrand 1904 Bürgermeister, auch Standesbeamter des Kirchspiels, 1913 Leiter der Postagentur, hatte ohne Vereine 14 weitere Ämter inne, war Stellvertreter des Landrates Wiechens (Gersfeld). Als Zentrumspolitiker wurde Bub trotz Wiederwahl 1934 durch den Fuldaer NS-Landrat Hans Burghardt als Bürgermeister abgesetzt.
  • Ludwig Nüdling (* 26. Februar 1874; † 27. März 1947 Oberrothof bei Motzlar), Priester und rastloser Heimatdichter sowie Schriftsteller. Er schrieb u. a. die bekannten historischen Bühnenstücke Die Schutzfrau von Münnerstadt, das Würzburger Kiliani-Spiel und Im Banne der Berge.
  • Ottmar Vey (* 5. November 1877; † 15. September 1937 Zuchthaus Brandenburg (Havel)), ein Opfer des Naziterrors; als Ordensbruder und Priester Hyazinth wurde der Generalobere der Barmherzigen Brüder Montabaur 1935 verhaftet, in Berlin wegen „Volksverrat und Devisenvergehen“ verurteilt, und er verstarb 1937 im Nazi-Vollzug.

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Brinkmann: Poppenhausen an der Wasserkuppe (450–950 m), 1970.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Poppenhausen (Wasserkuppe) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Aktuellster Bevölkerungsstand am 31.12.2015 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Ortsteile. Abgerufen am 27. Januar 2017.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 395.
  4. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016 Hessisches Statistisches Landesamt
  5. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  6. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  7. Der Hessische Minister des Innern: Verleihung des Rechts zur Führung eines Wappens und einer Flagge an die Gemeinde Poppenhausen, Landkreis Fulda, Reg.-Bezirk Kassel. In: Staats-Anzeiger für das Land Hessen. 1951, Amtsblatt Nr. 45, Seite 683, 29. Oktober 1951.
  8. Geschichte und Gegenwart. Abgerufen am 27. Januar 2017.
  9. Geschichte. Papperts, abgerufen am 27. Januar 2017.