Schwesterwitz

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Schwesterwitz
Zwiastowice
Schwesterwitz Zwiastowice führt kein Wappen
Schwesterwitz Zwiastowice (Polen)
Schwesterwitz Zwiastowice
Schwesterwitz
Zwiastowice
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Oppeln
Powiat: Prudnik
Gmina: Oberglogau
Geographische Lage: 50° 20′ N, 17° 58′ OKoordinaten: 50° 20′ 9″ N, 17° 57′ 59″ O
Einwohner:
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: OPR
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Katowice



Kapelle und Gefallenendenkmal
Ortseingang mit Ortstafel
Wegkreuz

Schwesterwitz (polnisch Zwiastowice) ist eine Ortschaft in Oberschlesien. Schwesterwitz liegt in der Gemeinde Oberglogau (Głogówek) im Powiat Prudnicki (Kreis Neustadt O.S.) in der polnischen Woiwodschaft Oppeln.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwesterwitz liegt acht Kilometer östlich vom Gemeindesitz Oberglogau, 28 Kilometer östlich von der Kreisstadt Prudnik (Neustadt O.S.) und 37 Kilometer südlich von der Woiwodschaftshauptstadt Opole (Oppeln).

Westlich von Schwesterwitz fließt der Bach Straduna, ein Nebenfluss der Oder.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbarorte von Schwesterwitz sind im Westen Friedersdorf (Biedrzychowice), im Nordwesten Rosnochau (Rozkochów), im Nordosten Twardawa, im Süden das Gut Schwesterwitz und Trawniki (Trawnig).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde am 8. September 1223 erstmals urkundlich in einem in Leubus verfassten Dokument als „Zuestoua“ erwähnt. In diesem Dokument bestimmte Lorenz, Bischof von Breslau, auf die Bitte des Abts Günther von Leubus den Sprengel der Marienkirche zu Kasimir, dem Schwesterwitz zugeordnet wurde.[1] 1571 folgte eine urkundliche Erwähnung als „Schwesterwitz“. Bis 1810, dem Jahr der Säkularisation durch Preußen in Schlesien, war Schwesterwitz im Besitz der Zisterzienser. 1818 zählte Schwesterwitz ein Vorwerk, zwölf Bauern, 19 Gärtner, vier Häusler und eine Wassermühle.[2] 1830 legte Graf von Harrach zu Rosnochau, der Besitzer der Domäne Schwesterwitz war, ein neues Vorwerk an, das den Namen Oberhof erhielt.[3] 1838 wurde eine katholische Schule erbaut. 1865 zählte der Ort zwölf Bauern, 21 Gärtner und zehn Häusler. Zu diesem Zeitpunkt hatte die katholische Schule 59 Schüler.[4][5]

Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten 219 Wahlberechtigte für einen Verbleib bei Deutschland und 62 für die Zugehörigkeit zu Polen.[6] Schwesterwitz verblieb beim Deutschen Reich. 1933 lebten im Ort 452 Einwohner. 1939 hatte der Ort 449 Einwohner.[7] Bis 1945 befand sich der Ort im Landkreis Neustadt O.S.

1945 kam der bisher deutsche Ort unter polnische Verwaltung, wurde in Zwiastowice umbenannt und der Woiwodschaft Schlesien angeschlossen. 1950 kam der Ort zur Woiwodschaft Oppeln, seit 1999 gehört er zum wiedergegründeten Powiat Prudnicki. Am 22. April 2009 wurde in der Gemeinde Oberglogau, der Schwesterwitz angehört, Deutsch als zweite Amtssprache eingeführt. Am 1. Dezember 2009 erhielt der Ort zusätzlich den amtlichen deutschen Ortsnamen Schwesterwitz.

Sehenswürdigkeiten und Denkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kapelle der Heiligen Jungfrau Maria, erbaut 1853 mit Barockaltar[8]
  • Wegkapelle aus dem Jahr 1857
  • Gefallenendenkmal aus dem Jahr 1929
  • Wegkreuze
  • Domänengebäude aus dem Jahr 1829

Ausgrabungsfunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1908 entdeckte Gutsbesitzer Marx ein 10 cm langes dicknackiges Feuersteinbeil nordischen Typs mit gelblich-brauner Farbe aus der Steinzeit.[9]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paulfranz Grzimek (1859–1912), deutscher Rechtsanwalt und Notar, Justizrat zu Neiße, Vater von Bernhard Grzimek

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zoologe Bernhard Grzimek aus Neisse verbrachte, wie er selbst in den Büchern Auf den Mensch gekommen und Mein Leben[10] schrieb, in seiner Kindheit die Ferien mit seinen Geschwistern oft auf dem 50 Kilometer östlich von Neisse gelegenen Gut Schwesterwitz. Dieses war im Besitz seiner Familie und wurde zu einem Landsitz umgebaut und war für ihn und seine fünf Geschwister ein besonderer Ort. Die Familie war mehr als 100 Jahre auf dem Gut ansässig. Nach einer Zoodirektorenkonferenz in Prag im Jahr 1971 mit seiner späteren Ehefrau Erika und Anfang der 80er Jahre im Rahmen einer Familienreise besuchte Bernhard Grzimek Schwesterwitz und suchte die Gräber seiner Eltern und Vorfahren auf dem Friedhof in Twardawa auf.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schwesterwitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Codex diplomaticus Silesiae, Band 7 (Ausgabe 1)
  2. Geographisch-statistisches Handbuch über Schlesien und die Grafschaft Glatz, Band 2; Breslau und Jauer 1818
  3. Amtsblatt des Regierungspräsidenten in Oppeln, Band 15
  4. Vgl. Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Breslau 1865
  5. Internetseite der Gemeinde, abgerufen im Juni 2012
  6. Vgl. Ergebnisse der Volksabstimmung in Oberschlesien von 1921 (Memento vom 29. Januar 2017 im Internet Archive)
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Neustadt in Oberschlesien (poln. Prudnik). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Denkmalverzeichnis der Woiwodschaft Oppeln, S. 108 (PDF; 515 kB).
  9. Die ur- und frühgeschichtliche Besiedlung des Kreises Neustadt O.S.
  10. Bernhard Grzimek: Mein Leben, Piper Verlag, 2009 online
  11. Der Mann, der die Tiere liebte: Bernhard Grzimek